TBagger marsch in Jork: Grünes Licht für die Deicherhöhung
Blick auf den Elbdeich auf Höhe des Siels in Jork-Hinterbrack. Foto: Vasel
Bagger marsch - heißt es im April 2027. Mit dem Planfeststellungsbeschluss kann die Deicherhöhung starten. Doch vorher muss der Auftrag europaweit ausgeschrieben werden.
Jork. Es ist ein Mammutprojekt. Allein im Landkreis Stade sollen die Elbdeiche auf einer Länge von 76 Kilometern um bis zu zwei Meter erhöht werden - wegen des Klimawandels. Im Jahr 2050 sollen die Deichbauer fertig sein, sagt Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne). Außerdem sollen die in den Jahren 1967 bis 1978 errichteten Sperrwerke ertüchtigt oder neu errichtet werden. Das alles wird voraussichtlich 600 Millionen Euro kosten.
Blick auf den Elbdeich auf Höhe des Siels in Jork-Hinterbrack. Foto: Vasel
Zwei Kilometer davon könnten bis 2029 im Alten Land erhöht worden sein. Der Oberdeichrichter der II. Meile Alten Landes, Wilhelm Ulferts, hofft, dass die Bagger im April 2027 anrollen.
Planfeststellungsbeschluss liegt öffentlich aus
Die Planfeststellungsbehörde beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Lüneburg hat am 16. Februar ihren Stempel unter den 105 Seiten starken Planfeststellungsbeschluss gesetzt. Nun liegt das Werk mit Unterlagen vom 4. März bis zum 17. März in den Rathäusern in Jork, Buxtehude, Stade und Horneburg öffentlich aus. Das Dokument ist auch auf www.uvp-verbund.de einsehbar.
Das Verfahren läuft seit September 2018. Das Umweltministerium hatte sich unter Meyer mit einem Erlass über die von der SPD/CDU-Koalition vor der Landtagswahl 2022 durchgesetzte Novelle des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes hinweggesetzt. Die Große Koalition wollte den Deichbau, wie in Schleswig-Holstein und Hamburg, privilegieren. Küsten- und Menschenschutz sollten über Naturschutz stehen. Der Streit um den Öko-Ausgleich führte zu Verzögerungen. Nabu und BUND nahmen Einfluss.
Innerhalb eines Monats kann Klage gegen den Beschluss eingereicht werden. Der Hauptdeich soll zwischen der Landesgrenze zu Hamburg (Cranz) und Hahnöfersand Ost auf bis zu 9,30 Meter über Normalhöhennull erhöht werden - auf einer Länge von 2000 Metern.
EU-weite Ausschreibung in Vorbereitung
Der benötigte Kleiboden wird aus den Lagern bei Hahnöfersand Ost und Neuenschleuse geholt. Insgesamt 62.000 Kubikmeter liegen hier. Um die Anwohner an der K39 nicht zu belasten, will Ulferts das Material über den Treibselräumweg außendeichs mit Lkw heranschaffen. Außerdem wird der alte Vollkerndeich ausgekehlt. Der neue Klimadeich, dieser kann noch einmal erhöht werden, bekommt einen Sandkern.
Der NLWKN in Stade arbeite bereits am Leistungsverzeichnis. Eine EU-weite Ausschreibung ist notwendig. Schließlich koste allein dieser Deichbau voraussichtlich mindestens 5,5 Millionen Euro. Knapp vier Millionen kostete bereits der vorgezogene Sielbau. Das Bauwerk sichert die Ent- und Bewässerung in dem fast 300 Hektar großen Gebiet an der Hinterbracker Wettern.
„Wir rechnen damit, dass die europaweite Ausschreibung fünf bis sechs Monate dauert“, sagt Ulferts. Die Deicherhöhung könnte am 15. April 2027 starten, wenn sich ein Unternehmen findet. „Wir sind froh, dass es weitergeht“, sagt der Oberdeichrichter. 2027 und 2028 werden je 1000 Meter in der sturmflutfreien Zeit von April bis Oktober erhöht, Restarbeiten erfolgen 2029.
So läuft der Öko-Ausgleich für den Deichbau
Der Öko-Ausgleich müsse auf 12,5 Hektar erfolgen. Davon sind 1,68 Hektar im Vorland im Auwald zwischen Fährhaus Kirschenland in Wisch und Deichschäferei in Borstel als Kompensation für die Fauna-Flora-Habitat-Flächen vor dem heutigen Deichkörper an der Elbe bereits mit Weiden und Lagunen erfolgt.
Das Meyer am Herzen liegende sogenannte mesophile Gras, das während der Erhöhung nicht sprießen kann, muss ausgeglichen werden. Binnendeichs wird das Öko-Gras auf vier Hektar ausgesät, außen die sturmfluterprobte Saatmischung für eine feste Grasnarbe. Weitere Kompensation erfolgt am Wöhrdener Außendeich (7 Hektar). Ulferts: „Auf diesen Flächen sollte ursprünglich der Ausgleich für das gesamte Alte Land erfolgen.“

Wiederherstellung nach der Rohrverlegung: Blick von der K39 auf die Deichbauarbeiten auf Höhe des neuen Siels in Hinterbrack im Jahr 2025. Foto: Vasel
Er und der Jorker Bürgermeister Matthias Riel begrüßen den Beschluss. Mit Blick auf den Faktor Zeit fordern sie, dass Deichbau in Zukunft als Menschenschutz ohne Ausgleich erfolgt. Riel: „Der Klimawandel richte sich nicht nach der Bürokratie.“
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