TBrisante Videos: Neue Details im Mordprozess von Apensen
An der Haustür ihrer Wohnung an der Stader Straße in Apensen wurde am 19. Dezember 2025 eine 40-jährige Frau erstochen. Im Elbe Klinikum Buxtehude verstarb sie. Foto: Vasel
„Ich werde dich umbringen“: Handy-Beweise der vor acht Monaten getöteten Apensenerin dokumentieren die Beziehung zwischen Opfer und Täter. Sie formulierte sogar einen Hilferuf.
Stade/Apensen. Ein hinreichender Tatverdacht für den Vorwurf des Mordes aus niederen Beweggründen bestehe nicht mehr, sagte die Vorsitzende Richterin am Ende des jüngsten Prozesstages in der Hauptverhandlung gegen einen 57-jährigen aserbaidschanisch-stämmigen Mann. Der Staatsanwaltschaft zufolge soll der in Untersuchungshaft Sitzende seine 40-jährige Ex-Frau am Morgen des 19. Dezember 2025 in ihrer Wohnung in Apensen ermordet haben.
Ein Beisitzender Richter spielte am Donnerstagmorgen in der 4. Großen Strafkammer des Landgerichts Stade über die Bildschirme unter anderem ein Video ab, das vom Smartphone der Getöteten gesichert wurde.
Im Streitgespräch: „Ich werde dich anzeigen“
Auf einem Video sind keine Gesichter zu sehen und vor allem zwei Stimmen zu hören - eine weibliche, mutmaßlich die der getöteten Apensenerin, und eine männliche, mutmaßlich die des Angeklagten. Der gestand bereits im Gericht, seiner ehemaligen Partnerin das Leben genommen zu haben. Er habe aber nicht bewusst zugestochen, die Stiche seien ein Ergebnis der Abwehrbewegungen der Ex-Frau gewesen.

Kriminaltechniker der Polizeiinspektion Stade sichern an dem Tatort in der Stader Straße in Apensen Spuren. Im Hausflur ist am 19. Dezember 2025 gegen 8 Uhr morgens eine Frau auf brutale Art und Weise erstochen worden. Foto: Vasel
Das Video stamme vom 15. Dezember 2025, das genaue Aufnahmedatum sei nicht bekannt, so die Richterin. Eine Sprachsachverständige übersetzt aus dem Aserbaidschanischen: „Antworte mir, antworte mir“, ruft der Mann. Die Frau ruft: „Es reicht. Du hast kein Recht, mich zu schlagen.“
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Wo sie mit der Gruppe von „neun Personen“ gewesen sei, fragt der Mann die Frau. Die Frau antwortet: „Ich werde dich anzeigen, weil du mich überprüfst.“ Etwas später ruft der Mann: „Ich werde dich umbringen“, so die Übersetzerin.
Anschuldigungen und Provokationen: Auszüge aus einem Chat
Staatsanwaltschaft und Strafverteidiger hörten zudem Nachrichten aus einem Chatverlauf zwischen Opfer und Täter vom 23. und 24. November 2025. Diese wurden im Vorfeld von einer anderen Übersetzerin ins Deutsche übersetzt.
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Der Mann wollte die Zukunft seiner Kinder klären - vier gemeinsame Kinder hat der fünffache Vater mit der Getöteten. „Die Kinder gebe ich dir nicht“, schrieb die Frau. Und weiter: Die Kinder hätten gesehen, dass „du mir sogar mit dem Messer gedroht hast“.

Der Angeklagte (links) und seine Strafverteidiger Baris Devletli und Ali Mojab - hier beim Start des Prozesses im Landgericht Stade am 11. Juni. Sein 21-jährige Tochter sagte zuvor im Gerichtsprozess gegen ihn aus, er habe ihrer Mutter vorgeworfen, fremdgegangen zu sein. Foto: Sulzyc
„Schreibst du mir noch einmal, werde ich es an die Polizei geben.“ Mit „es“ sei ein Hilferuf gemeint, den sie an die Behörden schreiben wollte. Doch laut der Richterin sei dieser nie bei einer Behörde eingegangen. Darin beschreibt die Getötete, dass ihr Ehemann sie psychisch unter Druck setze, privat beobachte und ihr drohe, die Kinder wegzunehmen. Die 40-Jährige habe Angst um ihre Sicherheit und die ihrer Kinder. Man solle ein „Kontaktverbot und eine Gefährderansprache“ prüfen. Den Entwurf des Hilferufs teilte sie im Chat.
Ihr Ex-Mann schrieb gemäß Übersetzung, sie besitze „keine Ehre“, sei „verdorbene Ware“ und eine „Schauspielerin“, die an ihrer „Selbstverliebtheit“ zugrunde gehe. „Wähle: entweder deine Selbstverliebtheit oder die Zukunft deiner Kinder.“ Sie habe ihm mit den Kindern „das Wertvollste“ weggenommen.
Die Ex-Frau erziehe die Kinder nicht richtig, weil sie zu viel Zeit im Internet verbringe. „Du hast in mein Haus allerlei Spielzeuge gebracht und filmst sexuelle Handlungen.“
Rosen in Apensen und in Beckdorf
Eines der Lichtbilder der Spurensuche zeigt den Eingang zur Wohnung in Apensen. Vor der Wohnungstür lag ein Rosenstrauß. Eine Vase voll mit Rosen stand ebenfalls auf dem Fußboden in der Wohnung des Angeklagten in Beckdorf, wie ein anderes Bild dokumentiert.
Der 57-Jährige, der am Donnerstag kein Wort sagte, meistens auf den Fußboden starrte oder sein Gesicht in den Armen vergrub, erklärte bei seiner Einlassung: Er habe die Rosen mitgebracht, weil er sich mit seiner getrennt lebenden Frau versöhnen wollte.
„Enger Freund“ begleitet Angeklagten sieben Stunden vor der Tat
Ein 62-Jähriger, nach eigener Aussage „enger Freund“ des 57-Jährigen, sprach vor Gericht. Seine Worte übersetzte eine Dolmetscherin. Er habe mit dem Angeklagten zusammen Demontagearbeiten verrichtet.
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Beide seien in der Nacht vor der Tat um circa 1 Uhr nachts in Buxtehude eingetroffen, zuvor hätten sie sich in Nürnberg einen Job angeschaut. Der Angeklagte habe ihm gesagt, dass jemand Geburtstag habe. Er würde am nächsten Morgen zum Gratulieren fahren, wenn sie nicht vor 22 Uhr nach Buxtehude zurückkehren.
Zudem bestätigte der 62-Jährige den Richtern, dass sie bei der Arbeit nur mit Cutter-Messern - ihm nur als „Baumesser“ bekannt - gearbeitet hätten. Als Tatwaffe, die nie gefunden wurde, schloss ein Rechtsmediziner früher im Prozess ein Cutter-Messer aus.
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Am 25. August wird das Notizbuch mit kyrillischer Schrift verlesen, das in der Wohnung des Angeklagten in Beckdorf gefunden wurde. Zudem sollen die Plädoyers gehalten werden.
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