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Brandbrief

TDeutsche Obstbauern klagen über Dumpingpreise und steigende Importe

Claus Schliecker von der Bundesfachgruppe Obstbau aus Guderhandviertel schlägt Alarm. Kirschen und Äpfel werden weiterhin unter den Produktionskosten gehandelt.

Claus Schliecker von der Bundesfachgruppe Obstbau aus Guderhandviertel schlägt Alarm. Kirschen und Äpfel werden weiterhin unter den Produktionskosten gehandelt. Foto: Vasel

Der deutsche Obstbau steckt in einer tiefen Krise. Jetzt hoffen die 5000 Obstbauern auf ein Bekenntnis von Handel, Politik und Verbrauchern zu Obst aus Deutschland. Auch im Alten Land.

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Von Björn Vasel
28.07.2026, 05:50 Uhr

Altes Land. Auf deutschen Obsthöfen bleiben hochwertige Süßkirschen hängen, weil Billigimporte den Markt überschwemmen. „Immer mehr Betriebe fragen sich, ob sich die Ernte überhaupt noch lohnt“, sagt der Vorsitzende der Bundesfachgruppe Obstbau, Claus Schliecker aus Guderhandviertel.

Damit nicht genug: Bei Freilanderdbeeren erwarte Deutschland in diesem Jahr die niedrigste Ernte seit mehr als 30 Jahren. Die Anbaufläche habe sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als halbiert.

Obstbauern schlagen Alarm

Wer diese Entwicklungen nur als schlechte Marktphase betrachte, verkenne die Realität, warnt Schliecker. „Wir erleben einen rasanten Abschied von der heimischen Obstproduktion.“ Der Bundesvorsitzende fragt: „Wollen wir in Deutschland überhaupt noch heimisches Obst?“

Diese Grafik zeigt den Selbstversorgungsgrad bei Obst und Gemüse in Deutschland.

Diese Grafik zeigt den Selbstversorgungsgrad bei Obst und Gemüse in Deutschland. Foto: BLE

Lediglich jeder zweite Apfel und jede fünfte Kirsche stamme noch aus heimischen Landen. Mit einem Brandbrief haben sich Bundesverband, Landesverbände sowie Netzwerk junger Obstbauern jetzt an Lebensmitteleinzelhandel (LEH), Verbraucher und Politik gewandt.

Kein Platz mehr für Deutsches Obst

Die Abhängigkeit von Importen steige. Mit einem Erzeugerpreis von 44 Cent pro Kilogramm im Durchschnitt für Tafelware hätten Obstbauern in der Apfelsaison 2025/2026 nicht einmal die Produktionskosten decken können. Diese liegen laut Obstbauzentrum Esteburg bei 62 Cent/Kilo. Bei Süßkirschen gibt es aktuell 3,33 Euro. Doch 3,50 Euro bis 4 Euro müssten, abhängig von Sorte und Anbaumethode, in der Kasse landen.

Obstbauer Claus Schliecker hat seine Bloss-Äpfel im Blick.

Obstbauer Claus Schliecker hat seine Bloss-Äpfel im Blick. Foto: Vasel

Während der LEH in den Discountern und Supermärkten das Importobst zu Dumpingpreisen verkaufe, gebe es in den Regalen keinen Platz mehr für deutsches Obst. Das hat Folgen. Beispiel Apfel: Top-Tafelware aus ihren Lagern müssten die knapp 500 Familienbetriebe von der Niederelbe aktuell zum Teil für sechs Cent/Kilo in die industrielle Verwertung geben, für Most, Mus oder Saft.

Schliecker schaut nach Frankreich. Dort gibt es Importstopps für Obst aus dem Nicht-EU-Ausland, um ungleichen Wettbewerb zu verhindern und Verbraucher zu schützen. Dort werbe der Handel sogar für einheimisches Obst.

Deutsches Obst gut für das Klima

Die Obstbauern produzierten unter höchsten Qualitäts-, Umwelt- und Sozialstandards. Deutsche Äpfel „weisen zu jedem Zeitpunkt einen deutlich kleineren CO2-Fußabdruck als Überseeware auf“. Die knapp 5000 deutschen Betriebe investierten seit Jahren in Biodiversität, Wasser- und Klimaschutz sowie moderne, ressourcenschonende Produktionsverfahren. „Sie sichern Arbeitsplätze, erhalten Kulturlandschaften und sorgen für kurze Transportwege und regionale Wertschöpfung“, betont Schliecker.

Doch Produktionskosten und vor allem Löhne stiegen seit Jahren massiv an - seit 2021 um 46 Prozent. Damit nicht genug: 2027 steigt der Mindestlohn auf 14,60 Euro.

Den Obstbauern fehlt eine „Sonderregelung für arbeitsintensive Sonderkulturen“. Notwendig sei ein Abschlag vom Mindestlohn - mit einer Untergrenze von 13,90 Euro/Stunde. „Wer heute einen Obstbaubetrieb führt, muss längst nicht mehr nur mit Wetterextremen wie Hagel umgehen können, sondern auch mit politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die immer häufiger gegen ihn arbeiten“, sagt Schliecker.

In Sonntagsreden sei immer wieder von Regionalität, Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit die Rede. „Gleichzeitig wird akzeptiert, dass heimisches Obst immer häufiger durch Importware ersetzt wird“, beklagt Schliecker. Regionalität dürfe kein Werbeslogan sein, der nur so lange gelte wie sie keinen Cent mehr kostet.

Zukunft der Obstbaubetriebe sichern

Wer heimisches Obst will, müsse bereit sein, heimische Produktion zu ermöglichen. Der Appell richtet sich deshalb an Handel und Verbraucher gleichermaßen: An der Kasse müsse die Entscheidung für deutsches Obst fallen. Alle zwei Tage schließe ein Hof. Schliecker: „Noch haben wir die Wahl.“

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