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Dorfentwicklung

TAuch Jork plant Verkehrsversuch: Fleet wird zur Flaniermeile – Autos raus

Verkehrsberuhigung: So stellt sich Antje Priester-Wolf aus dem Rathaus der Gemeinde Jork (mit Hilfe von KI) die Pop-up-Testphase am Fleet vor.

Verkehrsberuhigung: So stellt sich Antje Priester-Wolf aus dem Rathaus der Gemeinde Jork (mit Hilfe von KI) die Pop-up-Testphase am Fleet vor. Foto: Gemeinde Jork

Flanieren am Fleet? Dieser Traum könnte in Erfüllung gehen. Die Altländer wollen ihren historischen Ortskern an der Kirche aufwerten und vom Durchgangsverkehr befreien.

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Von Björn Vasel
19.09.2026, 14:08 Uhr

Jork. Im Mai 2016 wurde die 3,1 Millionen Euro teure und 1,3 Kilometer lange Ortsumgehung Jork nach zweieinhalbjähriger Bauzeit für den Verkehr freigegeben. Die neue Verbindung werde zu einer „deutlichen Entlastung des historischen Jorker Ortskerns“ führen, betonten Landrat Michael Roesberg und Bürgermeister Gerd Hubert damals beim Festakt. Beide sind nicht mehr im Amt. Doch viele Pkw-Fahrer nutzen weiter die ehemalige Kreisstraße (Am Fleet) und nicht die K26neu zwischen Jorkerfelde und Osterjork (L140) durch das Gewerbegebiet Ostfeld.

Durchgangsverkehr auf die Umgehungsstraße verlagern

Das wollen die Altländer ändern. „Wir wollen, dass der überörtliche Durchgangsverkehr in der Zukunft die Umgehung nutzt“, betont Bürgermeister Matthias Riel. Die Gemeinde Jork will ab 2026/2027 die Verkehrsberuhigung des Straßenzugs Am Fleet in der Ortsmitte auf den Weg bringen. Das Areal an der St.-Matthias-Kirche war die mittelalterliche Keimzelle des Orts.

Das Konzept wollen Politik und Verwaltung mit den Bürgern erarbeiten, versichert Verwaltungsvize Arne Krüger.

Unter anderem haben sich die Altländer von Experten beraten lassen, wie IKS Mobilitätsplanung aus Kassel. Stichwort: Radverkehrskonzept. Mit den Dorfmoderatoren der Dorfregion „Jorks Dörfer“ haben Verwaltung und Politik eine Diskussionsgrundlage (Variante 4) erarbeitet.

Diese verbinde Elemente einer Einbahnstraße, einer einseitigen Vollsperrung und einer Sackgasse. Aufenthaltsqualität und Verkehrssicherheit für Fußgänger und Fahrradfahrer würden steigen, das Zigarrenmacherhaus als Kulturort und die Betriebe würden gestärkt.

Vorschlag für Verkehrsberuhigung liegt auf dem Tisch

Das ist der Vorschlag: Die nördliche Straßenhälfte soll erst hinter der Zufahrt zum Kindergarten Am Fleet und dem Röhrs-Parkplatz zur verkehrsberuhigten Einbahnstraße umgestaltet werden. Der Straßenzug bleibt damit vom Mini-Kreisel am Rathaus (L140) bis zum Parkplatz der Fleischerei Röhrs in beide Richtungen befahrbar. Auch die Ausfahrt von der historischen Bürgerei in Richtung Kreisel bleibt. Weil die Verkehrsberuhigung nicht unmittelbar am Kreisverkehrsplatz ansetze, werde dessen Verkehrsfluss nicht beeinträchtigt.

Ideenskizze für den Verkehrsversuch am Fleet.

Ideenskizze für den Verkehrsversuch am Fleet. Foto: Gemeinde Jork

Die Einbahnstraße beginnt kurz vor dem Zigarrenmacherhaus und wird bis zur Kreuzung Umweg/Schützenhof fortgeführt. Auf diese Weise bleiben die Stellplätze vor dem Gemeindehaus und der Kirche erhalten, die auch von Kunden der Bäckerei und der Gastronomie genutzt werden. Die einseitige Verkehrsführung füge sich in die geringe Fahrbahnbreite in der Schützenhofstraße bis zur genannten Kreuzung ein.

Die Weiterführung des Verkehrs erfolgt anschließend über die Schützenhofstraße/Mattentwiete in Richtung der L140 (Osterjork).

Sitzgruppe vor der Bäckerei

Im Bereich der Bäckerei ist eine Sperre vorgesehen, um den Durchfahrtsverkehr für Pkw und Krads zu unterbinden. Die Verkehrsplaner sprechen von einem Modalfilter. Das können Poller, Kübel oder Apfelkisten sein.

Durch die Verlagerung der Vollsperrung von der Kreuzung Am Fleet/Westerminnerweg auf die Höhe der Bäckerei Pagel, werde der untere Straßenzug zur Sackgasse beziehungsweise zur Anliegerstraße. Dadurch werde die Erreichbarkeit für Anlieger verbessert, ohne den Effekt der Verkehrsberuhigung im Ortskern aufzugeben.

Angedacht ist die Schaffung einer verkehrsberuhigten Zone ab dem Westerminnerweg bis zum Kreisel (L140). Die Verkehrsberuhigung soll analog zur Bürgerei erfolgen (Schrittgeschwindigkeit). Die umliegenden Ausweichstrecken müssten im Zuge der Verkehrsberuhigung in das Konzept einbezogen werden, um sie sicher zu gestalten.

Sechsmonatiger Verkehrsversuch geplant

Im Gespräch ist ein Verkehrsversuch. Dauer: voraussichtlich ein halbes Jahr. Für die Testphase will die Gemeinde Jork zum 30. September 2026 eine Förderung aus der Dorfentwicklung beantragen. Vor dem Start sollen die Bürgerinnen und Bürger beteiligt werden, um gemeinsam ein Konzept für den Test zu erarbeiten.

Damit es nicht zu teuer wird, sollen Pop-up-Elemente verwendet werden. Angedacht sind unter anderem Pflanzbehälter aus Großkisten und Sitzgelegenheiten aus Euro-Paletten bei Bäcker und Fleischer im verkehrsberuhigten Außenbereich. Gestaltung und Verkehrslenkung sollen mit der Bevölkerung bewertet werden.

Die Erfahrungen aus der Testphase sollen anschließend in die weitere Planung und die endgültige bauliche Umsetzung einfließen. Im Dorfentwicklungsplan wird mit Kosten von einer Million Euro gerechnet, davon sollen 100.000 Euro in eine neue Arp-Schnitger-Brücke und 250.000 Euro in die Herstellung von Rad-, Fußgänger- und Fahrweg bei der Schule fließen.

Die Straße Am Fleet in den Zeiten des Wirtschaftswunders der 1950er Jahre.

Die Straße Am Fleet in den Zeiten des Wirtschaftswunders der 1950er Jahre. Foto: Altländer Archiv

Der Straßenzug Am Fleet war einst, neben der Bürgerei, die Ladenzeile Jorks. Hier lebten und arbeiteten Wirtsleute, Handwerker, Tagelöhner, Bauern und Krämer. Am Fleet hieß vorher Hohe Straße. Erst 1857/1859 war der alte Borsteler Mutweg ausgebaut und bis Neukloster fortgeführt worden.

Die Verkehrsberuhigung am Fleet ist am Dienstag, 22. September, 19 Uhr, Thema im Bau- und Planungsausschuss. Dieser tagt in der Festhalle in Jork.

Durchgangsverkehr: Viele Autofahrer nutzen nicht die Umgehungsstraße (K26), sondern die Straße Am Fleet in Jork.

Durchgangsverkehr: Viele Autofahrer nutzen nicht die Umgehungsstraße (K26), sondern die Straße Am Fleet in Jork. Foto: Vasel

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