TUmweltministerium unterstützt das Ausbaggern der Borsteler Binnenelbe
Blick vom Siel West bei Hahnöfersand über die Binnenelbe in Richtung Borstel. Foto: Vasel
Niedersachsen wird ein Pilotprojekt zur Gewinnung von Deichbaumaterial im Alten Land fördern. Das könnte Jork und Borstel vor Sturm- und vor Starkregenfluten schützen.
Jork. Umweltminister Christian Meyer (Grüne) hält Wort. Bei einem Treffen im Umweltministerium sind „die entscheidenden Weichen“ für ein Pilotprojekt zur Gewinnung von Deichbaumaterial aus der Borsteler Binnenelbe gestellt worden. Bürgermeister Matthias Riel (parteilos) sprach nach dem Gespräch mit Meyers Ministerialen in Hannover von einem „extrem kooperativen“ Gespräch.
„Der Start ist gelungen“, sagt Riel im Gespräch mit dem TAGEBLATT. Das Umweltministerium habe eine 100-Prozent-Finanzierung einer Machbarkeitsstudie für die Ausbaggerung in Aussicht gestellt. Kosten: mehr als 300.000 Euro.
Ohne Ausbaggern droht der Untergang
Wie berichtet, droht die Borsteler Binnenelbe mit der Jorker Hauptwettern und historischem Hafen zu verlanden. Ohne Ausbaggern wird das Gewässer spätestens im Jahr 2050 von der Landkarte verschwunden sein.
Bei Starkregenereignissen würde in diesem Worst-Case-Szenario ein Zwischenspeicher fehlen.
Küstenschutzkonferenz
T Umweltminister verspricht mehr Tempo bei Deicherhöhung im Alten Land
Hochwasserschutz
T Extremwetter: Altländer wollen die Wassermassen bei Starkregen bändigen
Land unter in Wohn- und Gewerbegebieten sowie Obstplantagen in Jork und in Borstel wäre die Folge. Damit nicht genug: Auf fast 2500 Hektar, fast einem Viertel des Obstanbaugebietes an der Niederelbe, würden das Wasser für die Frostschutzberegnung im Frühjahr und die klimatisierende Beregnung im Sommer fehlen. Damit wären die Obstbaubetriebe in diesem Teil des Alten Landes existenziell gefährdet - insbesondere der dominierende Apfelanbau.

Blick auf den verschlickten Borsteler Hafen mit der Tjalk Annemarie.
Schon heute gibt es bei Stark- und Dauerregenereignissen ein Problem mit der Entwässerung. Das zeigte sich beim Weihnachtshochwasser 2023. Bei hohen Wasserständen in der Elbe, wie bei einer Sturmflut, sind die Öffnungszeiten der beiden Siele in Hahnhöfersand West und Hahnöfersand Ost begrenzt. Das Reservoir läuft voll. Ein Rückstau droht.
Durch die letzten Elbvertiefungen wächst das Unterwassergebirge in dem 1972 infolge der verheerenden Sturmflut von 1962 eingedeichten, von der Tide-Elbe abgetrennten Gewässer stetig. Auch Flora und Fauna leiden, viele wertvolle Fisch- und Vogelarten sind in dem Naturschutzgebiet bereits verschwunden.
Altländer kämpfen seit Jahren für das Ausbaggern
Kurzum: Fast 400.000 Kubikmeter Klei und 200.000 Kubikmeter Schlick müssen raus. Seit mehr als zehn Jahren kämpfen die Altländer für das Ausbaggern. Weil 2,5 Millionen Kubikmeter Klei für die klimawandelbedingte Erhöhung der Elbdeiche im Landkreis Stade benötigt werden, sollen jetzt Schlick/Klei aus der Borsteler Binnenelbe zu deichbaufähigem Material werden.
Maritimes Erbe
T Schlick: Die Annemarie kehrt aus der Werft nicht nach Borstel zurück
Für Umweltminister Meyer ist es ein Pilotprojekt, das an der Wischhafener Süderelbe fortgesetzt werden könnte. Bei dem Gespräch mit den Ministerialen saßen Jorks Bürgermeister Matthias Riel, Kreisbaurätin Madeleine Pönitz sowie Peter Rolker vom Wasser- und Bodenverband Jork-Borstel-Ladekop und Peter Schley von der Betriebsstelle Stade des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mit am Tisch.
Fördermittel für eine Machbarkeitsstudie
Die Altländer sollen jetzt eine Projektgemeinschaft bilden und noch in diesem Jahr einen Antrag für die Förderung der Machbarkeitsstudie stellen. Nach der Bewilligung durch das Ministerium werde nach der Ausschreibung ein Planungsbüro beauftragt. 2027 könnten flächendeckend Bodenproben genommen und naturschutzfachliche Gutachten erstellt werden. Danach könnte, bei einem positiven Ergebnis und geeigneten Kleibodenreife-Lagerflächen, nach einem Planfeststellungsverfahren die Ausbaggerung starten.

Bei der klimawandelbedingten Deicherhöhung sollen die Freiflutsiele durch fischfreundliche Schöpfwerke ersetzt werden, um Binnenelbe und Hauptwettern über Pumpen auch in die Elbe entwässern zu können, wenn der Wasserspiegel außendeichs höher ist. Foto: Vasel
„Wir sind einen Schritt weiter“, freut sich Rolker vom Wasser- und Bodenverband. 2023 hatten die Grundbauingenieure von Steinfeld & Partner aus Hamburg in der Binnenelbe acht Proben gezogen. Kleiboden und Schlick sind deichbaufähig. Die 2025 von Landkreis Stade, Wasser- und Bodenverband und Gemeinde Jork bezahlte Projektskizze des Büros Sweco überzeugt die Fachleute im Ministerium. Sieben bis zwölf Millionen Euro soll das Ausbaggern kosten.
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.