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Orkan, Hurrikan, Tornado

5 Fakten über Stürme, die Sie kennen müssen

Was mag dieser Hund denken? Vielleicht: angenehme Brise.

Was mag dieser Hund denken? Vielleicht: angenehme Brise. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa/dpa-tmn

Stürme richten teils heftige Zerstörungen an. Wissen Sie, was der Unterschied zwischen einem Hurrikan und einem Tornado ist - und wie diese überhaupt entstehen? 5 Fakten zum Mitreden.

Von Nathalie Helene Rippich, dpa Freitag, 20.10.2023, 07:00 Uhr

Offenbach am Main/Berlin. Sturm, Orkan, Hurrikan und Co. - dass es hier um heftigen Wind geht, ist klar. Doch worin unterscheiden sich die verschiedenen Typen von Unwetter? Und warum heißen Stürme mal Herbert und mal Sybille? Ein Überblick.

1. Sturm ist nicht gleich Sturm

Geht es um heftige Stürme, ist in den Nachrichten das eine Mal von einem Hurrikan die Rede, ein anderes Mal von einem Zyklon oder Orkan. Das sind die Unterschiede:

Sturm

Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) handelt es sich um einen „Wind von großer Heftigkeit“. Mit Blick auf die Beaufortskala, mit der Windstärken anhand ihrer Auswirkungen geschätzt werden, muss der Wind mit mindestens 75 Stundenkilometern (km/h) über das Land fegen, um als Sturm zu gelten. Damit ist die Windstärke 9 erreicht.

Mögliche Folgen: Äste brechen, Dachziegel können herabfallen. Die Stärken 10 und 11 bezeichnen einen schweren beziehungsweise orkanartigen Sturm. Windstärken zwischen 89 und 117 km/h werden erreicht. Bäume können brechen oder entwurzelt werden. Die Schäden an Bauwerken fallen größer aus.

Orkan

Davon spricht man laut Beaufortskala, wenn der Wind eine Geschwindigkeit von mehr als 118 km/h erreicht (Windstärke 12). Dann kann es zu schweren Verwüstungen kommen.

Ein Orkan ist ein besonders starkes, außertropisches Tiefdruckgebiet. Sturm- und Orkantiefs entwickeln sich hauptsächlich in den Wintermonaten entlang der Polarfront über den mittleren Breiten, beispielsweise über dem Nordatlantik. Ihre Energie gewinnen sie vor allem aus den dort herrschenden Temperaturgegensätzen, erklärt Adrian Leyser Sturm, Tornado-Experte des Deutschen Wetterdienstes.

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Hurrikan, Taifun, Zyklon, Willy-Willy

Sie alle beschreiben dasselbe Phänomen - tropische Wirbelstürme. Über die Bezeichnung entscheidet hier der Ort des Geschehens:

  • Als Hurrikan werden tropische Wirbelstürme über dem Atlantik und Teilen des Pazifiks bezeichnet.
  • Zyklone kommen über dem Indischen Ozean und Teilen des südlichen Pazifiks vor.
  • Taifune toben im Pazifik über Ost- und Südostasien.
  • In Australien nennt man die Stürme Willy-Willies.

Gelegentlich kommt es auch über dem Mittelmeer zu solchen Wetterereignissen. Sie werden als Medicane bezeichnet.

Tornado

„Ein Tornado ist eine bis zum Boden herabreichende, stark rotierende Luftsäule am Unterrand einer Schauer- oder Gewitterwolke“, sagt Leyser Sturm. Tornados können einen Durchmesser von einigen Metern bis hin zu mehreren Hundert Metern haben. Im Vergleich zu Wirbelstürmen, die sich oft über mehrere Hundert Kilometer erstrecken, sind sie eher kleinräumige Wetterereignisse.

Tornados entstehen, wenn bodennahe Luftwirbel in den Aufwind einer Schauer- oder Gewitterwolke geraten. Durch starken Unterdruck innerhalb der Wolken werden die Luftwirbel nach oben gesaugt und gestreckt, womit die Windgeschwindigkeit innerhalb dieser Wirbel immer weiter zunimmt.

Während sich Tornados auch über dem Festland bilden, entstehen Wirbelstürme ausschließlich über den warmen Meeresoberflächen südlich und nördlich des Äquators. Sie ziehen ihre Energie im Wesentlichen aus dem aufsteigenden und zu Wolken kondensierenden Wasserdampf, so Leyser Sturm.

Tipp: Auch in Deutschland gab es schon heftige Unwetter mit Sturm und Starkregen - und es wird sie auch in Zukunft geben. Wie informiert man sich? Klar, im Radio und Fernsehen wird vor Unwettern gewarnt. Doch Apps wie Nina, Katwarn und Warnwetter halten Nutzer standortgenau auf dem Laufenden und geben zum Teil auch Notfalltipps.

2. Tornados in Deutschland? Ja klar!

Riesige Rüssel donnern über das flache Land und zerstören alles, was sich auf ihrem Weg befindet - dann lösen sie sich so schnell auf, wie sie gekommen sind: Das sind Tornados.

Ganz so verheerend wie in den USA sind die Wirbelwinde in Deutschland meistens nicht. Doch es gibt sie.

„Im Durchschnitt sind es in etwa 45 bestätigte Fälle pro Jahr, wobei diese Zahl von Jahr zu Jahr starken Schwankungen unterliegt“, sagt Leyser Sturm vom DWD.

„Durch ihre Kleinräumig- und in den meisten Fällen auch Kurzlebigkeit, liegt die Dunkelziffer aber noch ein gutes Stück höher, da einige Tornados gar nicht erst beobachtet oder nicht abschließend bestätigt werden.“

Inwiefern der Klimawandel einen Einfluss auf die Anzahl und Stärke von Tornados hat, wird derzeit noch erforscht. „Bisher ist aber keine Zunahme - weder bei der Anzahl, noch bei der Stärke - zu sehen“, betont Leyser Sturm.

Subjektiv möge es zwar den Eindruck erwecken, dass es in den vergangenen Jahren zu einer Zunahme kam. Das sei allerdings darauf zurückzuführen, dass heutzutage dank Smartphones und Co quasi jeder zu jederzeit eine Kamera bei sich hat. „Somit können Beobachtungen von Tornados viel häufiger digital festgehalten und rasch über die ganze Welt verbreitet werden“, erklärt der Metereologe.

Smartphone-Besitzer und Wetter-Kameras filmen solche Ereignisse, die Videos verbreiten sich schnell. Sturmjäger suchen dafür sogar gezielt nach Tornados. Was früher oft nahezu unbeobachtet geschah, rückt heute in den Fokus der Öffentlichkeit.

Tornados sehen dramatisch aus - tatsächlich kommen sie auch in Deutschland vor.

Tornados sehen dramatisch aus - tatsächlich kommen sie auch in Deutschland vor. Foto: Dr. Christoph Sommergruber/dpa/dpa-tmn

3. So entstehen Orkane und Hurrikans

Für die Entstehung eines Orkans muss kalte Luft aus der Polarregion auf warme Luft vom Äquator treffen. Entscheidend ist hier der große Temperaturunterschied. Je größer, umso heftiger der Orkan.

Am größten sind die Unterschiede im Herbst und Winter. Deshalb kommt es in dieser Zeit häufiger zu Orkanen als etwa im Sommer. Aber auch dann sind solche Wetterereignisse nicht ausgeschlossen.

Die Luftmassen treffen meistens über dem Atlantik aufeinander. Durch das Aufeinanderprallen wird eine enorme Energie freigesetzt, die sich in Form eines Orkans äußert und sich so ihren Weg bahnt.

Zur Erinnerung: Von einem Orkan spricht man ab einer Windgeschwindigkeit von 118 km/h.

Hurrikans sind tropische Wirbelstürme, die über dem Meer entstehen, wenn Wassertemperaturen von mindestens 27 Grad vorherrschen, so der Deutsche Wetterdienst.

Große Wassermengen verdunsten und steigen mit der warmen Luft auf. Hierdurch kommt es zu einer Ansammlung von Gewitterwolken. Durch das Luftdruckgefälle werden erdnahe Luftmassen in das Wettersystem hineingezogen. Unter dem Einfluss der Erdrotation beginnt das Ganze sich zu drehen.

Auch wenn sich der Sturm mit einer Drehbewegung fortbewegt, ist er nicht mit oben beschriebenen Tornados zu verwechseln. Zwar erzeugen auch Hurrikans enorme Windgeschwindigkeiten, die Gebilde bewegen sich aber vergleichsweise langsam fort.

Außerdem sind sie teils Hunderte Kilometer groß und bestehen über mehrere Tage, manchmal sogar Wochen.

Gut zu wissen: Einer der heftigsten Orkane, die in den vergangenen Jahren über Deutschland hinweggefegt sind, war „Kyrill“ am 18. Januar 2007. Nicht nur hierzulande, sondern in ganz Westeuropa sorgte er für Schäden. Laut DWD sind damals 50 Millionen Bäume umgestürzt. Die Bahn hat landesweit den gesamten Verkehr eingestellt. 13 Menschen starben.

Bereits vor „Kyrill“ kam es immer wieder zu Stürmen, besonders in Norddeutschland. Doch was DWD-Meteorologen am 15. Januar 2007 auf dem Radar über Neufundland (Kanada) entdeckten, war besorgniserregend - also gingen die ersten Warnungen raus.

Die offiziell stärkste Windböe erreichte eine Geschwindigkeit von 202 km/h, gemessen an der DWD-Wetterwarte Wendelstein in Bayern. Besonders heftig betroffen waren neben dem Südosten Bayerns die Küstengebiete und Höhenlagen, Nordrhein-Westfalen und der Osten Deutschlands.

Zwar gab es in der Vergangenheit bereits Orkane mit noch heftigerem Wind. Die Ausdehnung des Windfelds von „Kyrill“ war nach Angaben des DWD aber bemerkenswert. Ebenso wie die Schadenssumme: 3,6 Milliarden Euro laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Weitere starke Orkane in Deutschland:

  • Quimburga (1972)
  • Vivian (1990)
  • Wiebke (1990)
  • Lothar (1999)
  • Christian (2013)

4. Wie ein Sturm zu seinem Namen kommt

Längst haben wir uns daran gewöhnt, dass Hoch- und Tiefdruckgebiete auch bei uns Namen tragen. Das war aber nicht immer so: Erst in den 1950er Jahren wurde diese Form der Benennung eingeführt, zur besseren Übersicht über Wettersysteme auf Wetterkarten.

Stürmische Brise: Tiefdruckgebiete tragen Namen.

Stürmische Brise: Tiefdruckgebiete tragen Namen. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa/dpa-tmn

Tiefdruckgebiete haben damals Frauennamen bekommen. Vorreiter war der US-Wetterdienst, der bereits im 2. Weltkrieg damit begann, Taifune über dem Pazifik in alphabetischer Reihenfolge mit weiblichen Vornamen zu benennen.

Hochdruckgebiete waren per se männlich. Seit den späten 1990er Jahren wird jährlich abgewechselt, um für Ausgleich zwischen den Geschlechtern zu sorgen.

Kurios: Wer nach einem besonderen Geschenk sucht, kann ein Hoch- oder Tiefdruckgebiet nach dem Partner, der Mama oder der besten Freundin benennen. Die Aktion Wetterpate macht’s möglich. Das Geld wird in die Ausbildung von Meteorologinnen und Meteorologen gesteckt.

Tipp: Tiefdruckgebiete (290 Euro) sind günstiger als Hochdruckgebiete (390 Euro), da Hochdruckgebiete eine deutlich längere Lebensdauer haben und somit länger auf den Wetterkarten verbleiben, heißt es auf der Webseite „wetterpate.de“.

Wer sich dafür entscheidet, ein Druckgebilde nach einer geliebten - oder weniger beliebten - Person zu benennen, sollte sich darüber im Klaren sein, dass der Name nicht international gültig sein muss. So hieß „Kyrill“ etwa in Skandinavien ganz anders: „Lill-Per“.

5. Verb(r)annte Namen: Manche Stürme waren einfach zu verheerend

Die Namen für tropische Wirbelstürme werden von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) verwaltet. Dafür führt diese Listen mit Namen von A bis W, die über die Jahre immer wieder verwendet werden.

Wenn ein tropischer Wirbelsturm viele Opfer und große Zerstörung gebracht hat, kann sein Name auf Antrag eines Mitgliedstaates von der Liste gestrichen werden.

Ein Beispiel ist „Katrina“. Der Hurrikan, der zeitweise die Stufe 5 erreichte, sorgte im August 2005 in der Golfregion der USA für verheerende Verwüstungen und weit über 1000 Tote.

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Es kommt vor, dass die Zahl der Namen auf den Listen nicht ausreicht, um alle Stürme zu benennen. Dann greift die WMO auf das griechische Alphabet zurück. Stürme heißen dann etwa Alpha oder Beta.

Und zum Schluss: Steigen die Meerestemperaturen weiter an, werden Hurrikans künftig nicht nur an Intensität zunehmen, sondern auch ihre Ausdehnung polwärts verlagern, wie Modellrechnungen vorhersagen. Mögliche Folge: Hurrikan-Ausläufer beeinflussen auch in Europa öfter das Wetter.

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