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Handball

TAb Sommer beim BSV: Co-Trainer Philipp Warnholtz bringt guten Vibe mit

Der künftige Buxtehuder Co-Trainer Philipp Warnholtz in der Halle Nord, seinem künftigen Arbeitsplatz.

Der künftige Buxtehuder Co-Trainer Philipp Warnholtz in der Halle Nord, seinem künftigen Arbeitsplatz. Foto: Scholz

Als Co-Trainer Philipp Warnholtz seinen Wechselwunsch äußerte, gab es in Beckdorf keine Freudensprünge. Wer ist dieser Mann, der trotz Rückschlägen immer am Ball blieb?

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Von Tim Scholz
Freitag, 13.03.2026, 17:50 Uhr

Buxtehude. Die Tribüne ist eingefahren, die Ränge leer. Kein Trommeln, kein Hallensprecher. Dort, wo sonst die Bundesliga-Handballerinnen des Buxtehuder SV um Punkte kämpfen, bolzt an diesem Vormittag eine Schulklasse im Sportunterricht.

„Ich freue mich darauf, dass es dann irgendwann so weit sein wird, dass wir hier das erste Spiel bestreiten“, sagt Philipp Warnholtz, als er durch die Scheibe des Foyers in die Halle Nord blickt. „Bei mir überwiegt momentan nur die Freude.“

Noch ist Warnholtz Co-Trainer beim Männer-Regionalligisten SV Beckdorf, vierte Liga. Doch ab dem 1. Juli beginnt für ihn einige Ligen weiter oben ein neues Kapitel. Dann bildet er gemeinsam mit Jonas Schlender das neue Trainerteam des BSV in der Frauen-Bundesliga - er als Co-Trainer, Schlender als sein „Chef“, wie Warnholtz sagt.

Warnholtz ergreift einmalige Chance

Die Entscheidung, Beckdorf im Sommer zu verlassen, sei ihm schwergefallen, „weil die Zeit sehr schön war“. Aber: „Im Leistungssport hat man nicht oft die Möglichkeit, eine Mannschaft vor der eigenen Haustür zu trainieren. Die Chance kommt vielleicht nicht noch einmal.“

Er sagt, er sei an der Seitenlinie „ein bisschen“ ruhiger geworden, auch wenn er während des Spiels viel steht, gestikuliert und diskutiert

Er sagt, er sei an der Seitenlinie „ein bisschen“ ruhiger geworden, auch wenn er während des Spiels viel steht, gestikuliert und diskutiert Foto: Caro Klein/Verein (nomo)

Dazu muss man wissen, dass die Handballgeschichte des gebürtigen Buxtehuders in Buxtehude begann. In der alten Halle Nord kam er zum ersten Mal mit dem Sport in Berührung. Mutter Birgit spielte einst in der zweiten Mannschaft des BSV, Vater Jürgen trainierte das Team. „Ich bin ein klassisches Hallenkind.“

Handballtalent verlässt früh das Elternhaus

Mit drei, vier Jahren begann er in Hollenstedt mit dem Handball, wechselte mit 14 auf das Sportinternat in Hannover, auch wenn seine Mutter ihr einziges Kind zunächst nicht ziehen lassen wollte. Doch es funktionierte. Fünf Jahre Leistungssport, teilweise elf Trainingseinheiten pro Woche, daneben das Abitur. „Ich bin extrem früh in die Selbstständigkeit reingekommen.“

Doch mit 18 riss er sich zum zweiten Mal das Kreuzband. „Meniskus, Knorpelschaden, Kreuzband, mehrere OPs: Ich hatte immer den vollen Rundumschlag“, sagt er. Der Buxtehuder Kniespezialist Dr. Hans-Wolfram Körner habe dem knapp zwei Meter großen Rückraumspieler und Kreisläufer geraten, mit dem Handball aufzuhören. Mit 24 wagte er ein Comeback - und verletzte sich erneut am Knie. Nun war endgültig Schluss.

Ob er in ein Loch gefallen sei? „Wahrscheinlich schon, aber ich habe darüber nicht nachgedacht“, sagt Warnholtz. „Als ich 16 war, ist mein Vater gestorben. Da bin ich in ein deutlich größeres Loch gefallen.“

Rückzug aus dem Handball? Keine Option für Warnholtz

Doch Warnholtz zog sich nicht aus dem Handball zurück. „Ich kann nach so langer Zeit nicht einfach aufhören. Dafür liebe ich den Sport zu sehr.“

Warnholtz begann ein duales Studium, startete beim TuS Jahn Hollenstedt seine Trainerlaufbahn. Jugend, Frauen, Männer. 2023 wechselte er als Co-Trainer zu Robert Frahm nach Beckdorf.

Das Beckdorfer Trainerteam: Robert Frahm (links) und Philipp Warnholtz.

Das Beckdorfer Trainerteam: Robert Frahm (links) und Philipp Warnholtz. Foto: Caro Klein/Verein (nomo)

Seit drei Jahren arbeiten sie „sehr vertrauensvoll“ (Warnholtz) zusammen, führten den Verein in die Regionalliga und stabilisierten ihn dort. Frahm bezeichnet ihn sportlich wie menschlich als „wichtige Komponente“ im Trainerteam. Als er seinen Wechselwunsch äußerte, habe man das akzeptiert, wenn auch ohne „Freudensprünge“, erzählt Warnholtz. Beide Seiten seien sich für die neue Saison bereits einig gewesen, hieß es.

Über 25 Stunden Handball neben dem Hauptjob

Über sich selbst sagt er, dass er an der Seitenlinie „ein bisschen“ ruhiger geworden sei, auch wenn er während des Spiels viel steht, gestikuliert, diskutiert, und dass er möglichst gewissenhaft und detailliert arbeitet, um das Team „maximal gut“ vorzubereiten. „Ich habe über mich gelernt, dass ich nicht zwingend Cheftrainer sein muss“, sagt Warnholtz. „Es geht darum, es gemeinschaftlich zu machen.“

Warnholtz schätzt den Aufwand in Beckdorf auf mehr als 25 Stunden pro Woche, zusätzlich zu seinem Job als Commercial Sales Manager bei einem Technologiekonzern. „Aber ich habe den Handball nie als Aufwand betrachtet“, sagt er. Das werde auch so bleiben, wenn er nach Buxtehude geht.

Warnholtz beschreibt sich als gewissenhaften Trainer, der die Mannschaft „maximal gut“ vorbereiten will.

Warnholtz beschreibt sich als gewissenhaften Trainer, der die Mannschaft „maximal gut“ vorbereiten will. Foto: Caro Klein/Verein (nomo)

Privat wohnt Warnholtz mit seiner Frau Helene und Hund Mozzi, ein Doodle, in seinem sanierten Elternhaus in Hollenstedt. Die Mutter lebt nur 50 Meter entfernt. Wenn es der Spielplan zulässt, gibt es Sonntagsspaziergänge mit Freunden - und danach Apfelkuchen. „Wir führen ein Rentnerleben“, sagt er lachend.

Dann wird Warnholtz wieder ernst: Seine Frau habe mit Handball nichts zu tun, unterstütze ihn aber zu 100 Prozent. Als der Anruf von BSV-Manager Peter Prior kam, habe sie nur gesagt: „Wir wissen beide, wie du dich entscheiden wirst.“

Künftiges Trainerteam hat einen „guten Vibe“

Inzwischen tauscht er sich mit Jonas Schlender, der derzeit noch den Frauen-Zweitligisten Solingen coacht, regelmäßig aus. Beide sind bereits in die Kaderplanung eingebunden. „Jonas und ich kannten uns vorher nicht“, erzählt Warnholtz. „Wir haben telefoniert und festgestellt, dass es gut funktioniert. Das merkt man nach einer halben Stunde, wenn man einen guten Vibe hat. Und wir hatten einen guten Vibe.“

Warnholtz hat Respekt vor der neuen Aufgabe, „aber keine Angst“, sagt er über den Sprung von der vierten in die erste Liga. Sicherlich sei es etwas anderes, künftig Frauen statt Männer zu trainieren. Aber mit der richtigen Ansprache und einem Gespür für Menschen sei das kein Problem. Seine eigene Vergangenheit im Leistungssport könne dabei helfen, sich in junge Spielerinnen hineinzuversetzen und ihre Sorgen nachzuvollziehen, sagt er.

Erst Co-Trainer, dann Cheftrainer?

Einen Karriereplan verfolgt Warnholtz nicht, weder beruflich noch sportlich. „Nicht, weil ich nicht ambitioniert bin“, aber vor allem, weil er die Dinge gern auf sich zukommen lässt. Sollte sich dennoch irgendwann die Chance ergeben, Cheftrainer zu werden, „kann man darüber sprechen“, sagt er. Aber für die Bundesliga fehle ihm ohnehin mindestens noch eine Lizenz.

Philipp Warnholtz hat Respekt vor der neuen Aufgabe, aber keine Angst.

Philipp Warnholtz hat Respekt vor der neuen Aufgabe, aber keine Angst. Foto: Scholz

Warnholtz verfolgt bereits die Partien des BSV. Dass die Mannschaft lange sieglos war, habe ihm sehr leidgetan. „Aber es hat mich nicht abgeschreckt“, sagt er. „Keiner braucht die Erwartungshaltung haben, dass wir um die ersten vier Plätze spielen.“ Es gehe darum, langfristig etwas aufzubauen.

Außerdem sei ihm klar, dass eine Saison nicht immer nur steil bergauf gehe, dass es auch mal Phasen mit schlaflosen Nächten geben könne. „Ich hätte auch den leichteren Weg gehen und es einfach lassen können“, sagt Warnholtz. Dann fügt er mit einem Lächeln hinzu: „Wollte ich aber nicht.“

Bis zum Saisonende arbeiten Cheftrainer Frahm (vorne) und Co-Trainer Warnholtz noch zusammen.

Bis zum Saisonende arbeiten Cheftrainer Frahm (vorne) und Co-Trainer Warnholtz noch zusammen. Foto: Caro Klein/Verein (nomo)

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