TBrandanschlag auf Bahnanlage – Kommunikationsdrama in mehreren Akten
In Neu Wulmstorf (Kreis Harburg) hat in der Nacht zum Dienstag ein Verteilerkasten gebrannt. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Foto: Marcus Brand/dpa
Das TAGEBLATT will seine Leser bei aktuellen Geschehnissen schnell und fortlaufend informieren. Das gestaltet sich manchmal schwierig, wie dieser Fall zeigt.
Der mutmaßliche Brandanschlag auf einen Verteilerkasten in Neu Wulmstorf in der Nacht zum Dienstag hat Pendler im Kreis Stade aus der Bahn geworfen. Nicht nur, weil auf der Schiene stundenlang nichts ging, sondern auch, weil es bei der Kommunikation hakte.
Das traf nicht nur Fahrgäste und Busfahrer. Auch für die TAGEBLATT-Reporter gestaltete sich die Informationsbeschaffung zuweilen zäh - insbesondere am Tag nach dem Vorfall. Eine Chronik.
Der Tag des Brandanschlags: Infos auf Umwegen
7.12 Uhr: Anruf bei der Pressestelle der S-Bahn Hamburg. Niemand hebt ab.
7.30 Uhr: Die erste Meldung ist auf TAGEBLATT.de zu lesen - zunächst ohne Prognose, wie lange die Störung dauert.
8.01 Uhr: Anruf bei der Pressestelle der Polizeiinspektion Harburg. Besetzt.
8.05 Uhr: Erneuter Anruf bei der Polizei. Immer noch besetzt. Drei Minuten zuvor ist bereits eine Pressemitteilung der Polizei gekommen. Der Artikel erfährt ein Update.
9 Uhr: Eine Sprecherin der S-Bahn ruft zurück. „Eine Prognose zur Dauer der Störung können wir nicht geben.“ Meldung aktualisiert.
12.20 Uhr: Die Bahnsprecherin ruft erneut an und teilt mit, dass weitere Infos per Mail folgen. Darin steht: „Eine Prognose zur Dauer der Streckensperrung können wir aktuell noch nicht geben.“ Meldung aktualisiert.
17.26 Uhr: Nachdem die Website der S-Bahn Hamburg weiterhin verkündet, dass keine Prognose zur Dauer der Sperrung möglich sei, wieder Anruf bei der Bahn. Eine andere Sprecherin nimmt ab. Sie kann die Frage nicht beantworten, wann die Bahn wieder fährt und verweist an die Konzernpressestelle der Deutschen Bahn – in Berlin. Alle Leitungen belegt.
18.30 Uhr: Wieder Anruf in Berlin. Ein Mitarbeiter nimmt ab. Auch er kann keine Zeit nennen, wann die Strecke wieder freigegeben werden kann. Nur vage: „Mindestens bis in die späten Abendstunden“ sei mit Einschränkungen zu rechnen.
Der Tag danach: Wir haben da noch ein paar Fragen ...
8 Uhr: Der Anruf bei der S-Bahn Hamburg landet bei der Pressestelle in Berlin. Eine Mitarbeiterin bestätigt, dass der Bahnverkehr wieder läuft (das wissen wir schon), wir sollen jedoch eine Mail mit unseren Fragen schicken - wir möchten wissen, ob die beschädigten Leitungen der Grund dafür sind, dass es in Neu Wulmstorf keine Durchsagen gab und auf den Zugzielanzeigern deshalb keine Infos zu lesen waren. Gesagt, getan. In der Mail bitten wir um Rückmeldung bis 10 Uhr.
8.30 Uhr: Anruf beim Pressesprecher der Polizeiinspektion Harburg. Er verweist an die Generalstaatsanwaltschaft Celle.
9 Uhr: Anruf beim Oberstaatsanwalt, dem Pressesprecher. Auf Festnetz nimmt niemand ab. Zweiter Versuch. Auf der Mobilnummer geht eine Dame ran und bittet darum, eine Durchwahl zu wählen.
Dritter Versuch. Die Dame am anderen Ende der Leitung (eine andere), versucht, zum Leitenden Oberstaatsanwalt, dem Vertreter des Pressesprechers, durchzustellen. Musik in der Warteschleife. Anrufbeantworter. Das TAGEBLATT hinterlässt eine Nachricht, bittet um Rückruf.
11.30 Uhr: Vierter Anruf. Die Dame von eben geht ran. Der Pressesprecher sei nun verfügbar. Sie versucht, durchzustellen. Wieder Musik und Anrufbeantworter. Das TAGEBLATT legt auf. Fünfter Anruf. Die Dame bietet an, dem Pressesprecher unsere Fragen weiterzuleiten.
12.37 Uhr: Der stellvertretende Pressesprecher der Generalstaatsanwaltschaft Celle ruft zurück. Gegen 13 Uhr geht der Artikel online - ohne die Antworten der S-Bahn Hamburg. Die hat auf unsere Mail bis jetzt nicht reagiert.
Weitere Fragen werden sich ergeben. Das TAGEBLATT bleibt dran und hält Sie auf dem Laufenden.
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