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Kreisparteitag

TCDU im Landkreis schießt scharf gegen Furtwängler-„Tatort“ und den NDR

Volles Haus beim Kreisparteitag der CDU im Hollerner Hof.

Volles Haus beim Kreisparteitag der CDU im Hollerner Hof. Foto: Vasel

Der „Tatort“ aus dem Alten Land sorgte für viel Aufregung - nun auch beim Kreisparteitag der CDU. Er war eines von fünf zentralen Themen der Christdemokraten mit Blick auf die Region.

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Von Björn Vasel
Dienstag, 11.11.2025, 05:30 Uhr

Hollern. Öffentlicher Rundfunk: CDU-Politiker wie Enak Ferlemann äußern immer wieder Kritik an der Berichterstattung des NDR. Für sie sitzen einfach zu viele Grüne und Rote in den Redaktionen. Jetzt nutzte der Vorsitzende des CDU-Bezirksverbands Elbe-Weser sein Grußwort beim Kreisparteitag im Hollerner Hof, um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu rüffeln. Ferlemann bezeichnete den NDR als „Belehrungsanstalt“ und verwies auf den umstrittenen „Tatort“ („Letzte Ernte“) mit Maria Furtwängler als Hauptkommissarin Charlotte Lindholm.

Der NDR habe ein falsches Bild von Obstbau und Pflanzenschutz im Alten Land gezeichnet. Der frühere Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesverkehrsministerium und die Landtagsabgeordnete Birgit Butter kündigten an, dass die CDU diesen „Tatort“ zum Thema machen werde - in der Landespolitik und im Rundfunkrat. Der Vizepräsident des Niedersächsischen Landtags, Jens Nacke, werde das Thema im Unterausschuss Medien des Landtags und im NDR-Rundfunkrat platzieren.

CDU will „Tatort“ im Rundfunkrat zum Thema machen

Ferlemann und Butter, aber auch die Bundestagsabgeordnete Vanessa Zobel, unterstrichen in Hollern, dass auch bei einem fiktiven TV-Film die Fakten nicht gänzlich außer Acht gelassen werden dürften - auch, um die fast 500 Familienbetriebe vor wirtschaftlichem Schaden zu bewahren.

Dass unter anderem das Bundesinstitut für Risikobewertung, das Pflanzenschutzamt und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) - belegt durch mehrere Studien und Kontrollen - den Obstbauern eine vorbildliche Rolle beim Einsatz von biologischen und chemischen Mitteln und bei der Artenvielfalt attestierten, dürfe nicht unter dem Tisch fallen.

Die Christdemokraten kritisierten, dass Maria Furtwängler - wie aus einem Interview mit dem Regisseur Johannes Naber hervorgeht - ihre laut Butter „nicht faktenbasierte, unwissenschaftliche und ideologische“ Sicht auf den Pflanzenschutz im Drehbuch unterbringen durfte. Naber sagt, dass für Furtwängler die „kritische Betrachtung von Pflanzenschutzmitteln zentral“ für diesen „Tatort“ gewesen sei.

Sie nutze den „Tatort“, um mit ihrer Produktionsfirma Atalanta Film und MaLisa Stiftung ihre Ansichten auf Kosten der Gebührenzahler unterzubringen. Das gehe nicht. Ferlemann mahnte eine Rückkehr des NDR „zu einer faktenbasierten Berichterstattung“ an.

Politisch dürfe der „Tatort“ nicht ohne Folgen bleiben. Schon sein Vater habe als Arzt seinen Patienten geraten, Äpfel aus dem Alten Land zu essen: „Sie sind gesund und gut - für Mensch, Umwelt und Klima.“ Bereits Furtwänglers NDR-Doku „Das Ende der Insekten?“ sei fragwürdig gewesen. Die CDU-Landtagsfraktion habe mit einem Clip im Internet reagiert.

Wahlkreisreform: Fragwürdig ist für die Kreis-CDU auch die Wahlkreisreform der Landesregierung. Die Christdemokraten kritisierten in Hollern unter anderem die Ausweitung der Wahlkreise von 87 auf 90. Die rot-grünen Pläne würden das Land in der kommenden Wahlperiode fast 52 Millionen Euro zusätzlich kosten.

Die Zahl der Abgeordneten könnte von 146 auf 180 steigen. SPD und Grüne hätten die Opposition nicht beteiligt. Vielmehr diene die Änderung, die unter anderem die Abtrennung Apensens vom Wahlkreis Buxtehude vorsieht, allein den Interessen von Rot-Grün, so die alte und neue Kreisvorsitzende Melanie Reinecke.

Gemeinsam gegen Rot-Grün in Hannover: die Landtagsabgeordneten Melanie Reinecke und Birgit Butter.

Gemeinsam gegen Rot-Grün in Hannover: die Landtagsabgeordneten Melanie Reinecke und Birgit Butter. Foto: Vasel

Butter legte mit Blick auf die Finanznot nach: „Politik muss Vorbild sein. Wir leben in Zeiten von weniger, nicht von mehr.“ Butter begrüßte, dass sich der Bund der Steuerzahler der Kritik der CDU angeschlossen habe.

Finanzen: Auch die kommunalen Finanzen waren ein Thema. 2024 klaffte in den niedersächsischen Kommunalhaushalten ein Riesenloch von vier Milliarden Euro. „Die Schuldenberge wachsen, die Investitionen bleiben liegen“, klagte Butter. Die Folge: marode Schulen, fehlende Kitas, veraltete Ausstattung - und eine Verwaltung, die kaum noch Luft zum Atmen hat.

Appell der Landtagsabgeordneten: eine Milliarde mehr pro Jahr für die Kommunen. Wer den Sozialstaat erhalten wolle, müsse zuerst die Kommunen stärken. „Diese sind das Rückgrat unseres Landes und das Rückgrat unserer Demokratie. Und marode Schulen, fehlende Kitas, veraltete Ausstattung und Schlaglochpisten sind das beste Konjunkturprogramm für die AfD.“

Verkehr: Die CDU hält an den Autobahnen A20 und A26-Ost fest. Denn allein die Verlängerung der A26 von Stade in Richtung Osten schaffe eine direkte Verbindung zwischen der A7 im Westen und der A1 im Osten.

Brandmauer: Die Brandmauer steht. „Es braucht keine Partei von Rechtsaußen, um das Land wieder auf Kurs zu bringen. Das kann allein die CDU“, sagte Gastgeber Gerd Dehmel von der CDU Lühe unter Beifall. Die Bundestagsabgeordnete Vanessa Zobel versprach in Hollern, dass spätestens Mitte 2026 sichtbar werde, dass die neue Regierung eine Wende eingeläutet habe und wer Koch (CDU) und Kellner (SPD) sei.

Birgit Butter wirbt in Hannover für Altländer Obst.

Birgit Butter wirbt in Hannover für Altländer Obst. Foto: Vasel

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