TDirk Leun im TAGEBLATT: Sein Aus beim BSV kam nicht überraschend
Dirk Leun freut sich darüber, dass der BSV jetzt erstmals ein Spiel in dieser Saison gewonnen hat. Foto: Scholz
Das Kapitel Buxtehude endete im November. Im TAGEBLATT spricht Dirk Leun über seine Entlassung beim BSV und eine Sache, die er nicht nachvollziehen kann.
Buxtehude. Als sich der BSV Ende November von seinem Trainer trennt, schließt sich für Dirk Leun ein „Riesenkapitel“, wie er sagt. Mit einem Schlag. Danach wird es still. Wochenlang. Wie ist der Mann, der den Verein fast 18 Jahre lang geprägt hat, mit der Entlassung umgegangen? Im TAGEBLATT spricht Leun erstmals ausführlich darüber.
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Dienstagnachmittag. Leun sitzt im Wintergarten seines Reihenhauses. Er schenkt sich ein Glas Wasser ein und lehnt sich im Sessel zurück. Draußen liegen noch Schneereste, hin und wieder scheint die Sonne durch das Glasdach. Drinnen helle Möbel, Pflanzen, Familienfotos. An der Wand eine Weltkarte, auf der seine Frau bereiste Länder mit Nadeln markiert hat.
Bundesliga und Talente - ein absoluter Traumjob
Zu Beginn erklärt Leun, dass er sich weiterhin an das Stillschweigen halte, das Verein und Trainer vereinbart haben. Über arbeitsrechtliche Details oder eine mögliche Abfindung möchte er demnach nicht sprechen. Genauso wenig will Leun schmutzige Wäsche waschen. Er wird aber erklären, wie er es sieht - und wie er auf die Zeit in Buxtehude zurückblickt.
Und zwar mit „sehr viel Zufriedenheit und Stolz“, sagt der 61-Jährige. Nachwuchsarbeit und Bundesliga-Handball vereinen, etwas aufbauen - das sei lange sein „absoluter Traumjob“ gewesen. Zwei DHB-Pokalsiege, Vizemeisterschaften, Champions League, Europacup-Reisen. „Das war eine ungewöhnlich lange Zeit.“
Leun formt zahlreiche Nationalspielerinnen
Vergangene Woche wurde das noch einmal gewürdigt. Bei den German Handball Awards erhielt Leun den Sonderpreis für sein Lebenswerk, eine Glastrophäe, die er aus dem Wohnzimmer holt. „Das freut mich natürlich sehr. So eine Anerkennung zu bekommen, ist etwas Besonderes.“ Wenn er darüber spricht, dann mit dieser hessischen Gelassenheit in seiner Stimme, die zu seinem Markenzeichen geworden ist.

Dirk Leun am Dienstag in Buxtehude: Der 61-Jährige hat sich jetzt zu Wort gemeldet. Foto: Scholz
Doch Leun erklärt auch, dass es in den vergangenen Jahren schwieriger geworden sei, mit dem BSV konkurrenzfähig zu bleiben. Die finanziellen Mittel waren überschaubar. „Aber ich denke, ich habe auch gezeigt, dass man trotzdem viel erreichen kann“, sagt er.
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Der frühere Co-Trainer der Nationalmannschaft, Otto Sternberg, habe ihm einmal gespiegelt, wie viele „mittelmäßige Spielerinnen“ er zu Bundesliga- oder sogar Nationalspielerinnen geformt habe. „Es ist schön, wie viele dieser Spielerinnen ihre Träume verwirklichen konnten“, sagt Leun.
Hat sich die Entlassung angedeutet?
Nach der enttäuschenden Vorsaison haben Verein und Trainer laut Leun noch keinen Anlass gesehen, sich zu trennen. Gleichzeitig habe er schon länger dieses unterschwellige Gefühl gehabt, dass im Verein der Wille zur Veränderung vorhanden war. „Es wurde öfter gefragt, wie lange ich den Job noch machen möchte“, sagt Leun. Für ihn selbst habe festgestanden, dass er nach der Saison 2025/26 aufhören wollte - das habe auch seine Familie bereits gewusst. Leun hatte einen unbefristeten Vertrag.
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Als der BSV dann sieglos in die Saison 2025/26 startete und sich Ende November trennte, kam das für ihn nicht überraschend. „Es hat sich angedeutet. Die Erwartungshaltung auf Vereinsseite und meine Einschätzung davon, was realistisch ist, haben sich nicht mehr gedeckt“, sagt Leun. Scheinbar gab es unterschiedliche Auffassungen darüber, welchen Anteil der Trainer am sportlichen Abwärtstrend hatte.
„So ist das Trainergeschäft“, aber...
Doch Leun gesteht auch, dass er die Trennung nachvollziehen kann. „So ist das Trainergeschäft. Wenn der Erfolg ausbleibt, muss man damit rechnen.“ Womit er jedoch hadert, ist das Wie. Die Aussage über eine angebliche „Abnutzung“, wie sie Manager Peter Prior nach der Entlassung im TAGEBLATT äußerte, könne er nicht nachvollziehen. „Ich finde es extrem enttäuschend, das so zu begründen.“

Dirk Leun war knapp 18 Jahre Trainer des Buxtehuder SV. Foto: Jan Iso Jürgens
Zum Management um Prior, der für die sportliche Planung zuständig ist, habe er ein „normales“ Verhältnis gehabt, sagt Leun. Das Verhältnis zur Mannschaft sei bis zuletzt intakt gewesen. „Mehrere Spielerinnen haben sich gemeldet, manche sehr bewegt. Eine Spielerin hat am Telefon gesagt, sie verstehe die Entscheidung überhaupt nicht.“ Auch lange Nachrichten habe er bekommen, in denen Spielerinnen beschrieben, wie viel sie ihm in ihrer Entwicklung zu verdanken hätten.
So verabschiedete er sich von der Mannschaft
Nach der Entlassung verabschiedete er sich persönlich von der Mannschaft. „Das gehört sich so. Das hat mit Stil und Charakter zu tun“, sagt Leun. Er wünschte dem Team alles Gute, eine erfolgreiche Saison und eine schnelle Rückkehr der Verletzten. Danach habe er sich erleichtert gefühlt, „diese Verantwortung und diese Belastung nicht mehr zu haben“, sagt er.
Leun betont, dass er sich freut, dass die Mannschaft jetzt erstmals gewonnen hat. Ein Abstieg sei aus seiner Sicht nie realistisch gewesen - auch nicht mit ihm als Trainer. „Davon bin ich zu 100 Prozent überzeugt. So selbstbewusst bin ich.“ Sorgen mache ihm vielmehr, welches Konzept und welche Vision der BSV künftig verfolgen wolle. „Das wäre ohnehin die Frage gewesen, ob ich mich damit identifizieren kann.“
Viel Zuspruch für Leun aus der Bundesliga
Dass sich viele Trainerkollegen und Wegbegleiter nach der Entlassung gemeldet haben, habe ihn berührt. Herbert Müller (THC), Henk Groener (Dortmund), Thomas Zeitz (Neckarsulm), sie alle drückten ihr Unverständnis über die Entscheidung aus.

Unter Leun hat der BSV die ersten beiden nationalen Titel im DHB-Pokal gewonnen. Foto: Jan Iso Jürgens
Nach dem Aus nahm Leun bewusst Abstand. Regeneration, Haus, Garten, Familie. „Dieser Job ist extrem stressig. Früher habe ich 24 Stunden am Tag an Handball gedacht“, erzählt er. Nun überraschte es ihn, kaum das Bedürfnis zu verspüren, Handball zu schauen. Kein einziges BSV-Spiel in voller Länge. „Für mich war das Kapitel abgeschlossen.“
Kein Handball: Leun genießt das Weihnachtsfest
Eine zentrale Rolle spielte seine Familie, Frau Claudia und ihre vier Kinder. Weihnachten sei erstmals seit Jahren völlig entspannt gewesen, sagt Leun. Kein Training am ersten oder zweiten Feiertag. „Alle Kinder waren zu Hause. Das habe ich sehr genossen.“
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Ganz ohne Handball ging es aber doch nicht. Leun analysierte die Frauen-WM für ein Fachmagazin und tauschte sich intensiv mit Bundestrainer Markus Gaugisch über dessen Taktik aus. Schwerpunkt war der Einsatz von vier Spielerinnen im Rückraum. Sein Fazit: Dadurch sei Deutschland im Angriff effektiver gewesen als mit nur drei Spielerinnen. „Die Taktik hat sich absolut ausgezahlt.“
Keine Angebote aus der Bundesliga - und nun?
Aktiv nach einem neuen Job gesucht hat Leun nicht. „Ich bin in einem Alter, wo ich keine Panik bekommen hätte, wenn keine Angebote gekommen wären“, sagt er. Angebote aus der Bundesliga gab es nicht, dafür aber Anfragen von Verbänden.
Im Dezember meldete sich der Handballverband Niedersachsen-Bremen. Die Gespräche mit Geschäftsführer und Präsident beschreibt Leun als wertschätzend. „Da hat man gemerkt, dass man auf einer Linie ist.“

Dirk Leun mag die Nachwuchsarbeit, was er bereits an seinen vorherigen Stationen unter Beweis gestellt hat. Foto: Jan Iso Jürgens
Am 1. Juli wird Leun dort leitender Landestrainer für den weiblichen Nachwuchs, eine Vollzeitstelle. Sein Lebensmittelpunkt bleibt Buxtehude. Viel Arbeit wird er im Homeoffice erledigen, dazu Reisen, Talentsichtungen und die Arbeit mit dem Nachwuchs. „Jugendarbeit war schon immer mein Antrieb. Junge Menschen auf ihrem Weg zu begleiten, gibt mir sehr viel.“
Wann wird man ihn wieder in der Halle sehen?
Der neue Job sei kein Lückenfüller, sagt Leun, sondern ein Wunsch. Niedersachsen sei ein „schlafender Riese“ im Nachwuchshandball. „Da gibt es noch viel Potenzial.“ Schon diese Woche hat er sich ein erstes Bild gemacht und erstmals wieder die Halle Nord betreten, bei einem Spitzenspiel in der Regionalliga der C-Jugend.
Ob er irgendwann auch ein Bundesligaspiel des BSV besuchen wird? „Natürlich schließe ich das nicht aus. Aber im Moment ist das kein Thema“, sagt Leun.
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Kürzlich habe ihm jemand gesagt: Manche Türen gehen zu, andere öffnen sich. Im Wintergarten von Dirk Leun wirkt es an diesem Dienstag, als habe sich genau so eine neue Tür gerade geöffnet.

Dirk Leun freut sich darüber, dass der BSV jetzt erstmals ein Spiel in dieser Saison gewonnen hat. Foto: Scholz
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