TEinbrecher verwüsten Haus: Seniorenpaar lebt bis heute in Angst
Angeklagte im Saal 209 des Landgerichtes Stade und ihre Anwälte. Foto: Kul
Ein Einbruch an Weihnachten 2024 und sein langer Schatten: Vor dem Landgericht Stade schildert die Tochter, wie sehr Angst und gesundheitliche Probleme ihre Eltern aus dem Kreis Cuxhaven bis heute belasten.
Stade/Wurster Nordseeküste. Nach einem Einbruch an Weihnachten 2024 schildert eine Tochter vor dem Landgericht Stade, wie Angst und gesundheitliche Probleme das Leben ihrer betagten Eltern bis heute prägen. Zwei Männer sind angeklagt.
Zerbrochene Scheiben, durchwühlte Zimmer und Blut auf dem Bettzeug: Als eine 59-Jährige am zweiten Weihnachtstag 2024 mit ihren 85 und 83 Jahre alten Eltern in ihr Einfamilienhaus in Wurster Nordseeküste zurückkehrte, bot sich der Familie ein Bild der Verwüstung. Vor dem Landgericht Stade berichtet die Tochter des Seniorenpaars nun von den Folgen.
Der Vorsitzende Richter der 1. Großen Strafkammer fragt die Zeugin, welche Räume betroffen waren. „Ich nenne am besten die Räume, die nicht durchwühlt waren. Das waren das Gäste-WC und der Hauswirtschaftsraum. Ansonsten war alles durchwühlt“, antwortet sie. Zwei Männer von 41 und 48 Jahren sind jetzt wegen gemeinschaftlichen Wohnungseinbruchdiebstahls angeklagt.
Angeklagte sollen das Haus durchsucht haben
Die Bewohner waren kurz zuvor zusammen mit ihrer Tochter bei der krebskranken Tante in Nürnberg zu Besuch gewesen. Die mutmaßlichen Täter sollen die Abwesenheit genutzt haben, um in den frühen Morgenstunden des 25. Dezember gewaltsam in das Haus einzudringen.
Das waren Verlobungsgeschenke von meinem Vater an meine Mutter. Die sind über 60 Jahre alt.
Tochter des Seniorenpaares
Dabei wurden Glasscheiben eingeschlagen. Einer der mutmaßlichen Täter verletzte sich an der Hand; sein Blut befleckte das Bettzeug. Nach Angaben der Tochter wurden 600 Euro aus einem Sparschwein, weitere 400 Euro aus einer Brieftasche und Goldschmuck gestohlen. „Das waren Verlobungsgeschenke von meinem Vater an meine Mutter. Die sind über 60 Jahre alt“, erzählt sie. Der Sachschaden belaufe sich auf 15.000 Euro. Rund 13.000 Euro entfielen auf den Teppich, der wegen der vielen Glasscherben nicht mehr zu reinigen war.
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Eine Nachbarin und ehemalige Polizistin schlägt Alarm
Entdeckt wurde der Einbruch von einer aufmerksamen Nachbarin. „Bei uns gehen die Lichter kurz vor Mitternacht aus. Als die Täter sich dem Haus näherten, sprang der Bewegungsmelder an“, berichtete die 65-Jährige, die früher Polizistin war. Zunächst habe sie sich nichts dabei gedacht und an Verwandte der Nachbarn geglaubt. Als sie Taschenlampenlicht im Haus bemerkte, alarmierte sie die Polizei.
Wenige Minuten später umstellten die Beamten das Haus und stellten die beiden Männer in der Wohnung auf frischer Tat. Einer hatte sich hinter einem Schrank versteckt, der andere in einem Kleiderschrank. Der an der Hand verletzte Mann wurde noch vor Ort vom Rettungsdienst versorgt und später im Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide an der Hand operiert. Knapp zwei Jahre später müssen sich die beiden Angeklagten jetzt vor dem Landgericht Stade verantworten. Einer von ihnen ist vorbestraft und befand sich zur Tatzeit wohl im Hafturlaub.
Der Einbruch belastet das Seniorenpaar bis heute
Als die Tochter des Seniorenpaars vernommen wurde, bat einer der Angeklagten sie um Entschuldigung. „Es tut mir von ganzem Herzen leid“, sagt er. Doch die Tochter konnte die Entschuldigung nicht im Namen ihrer Eltern annehmen.
Der Einbruch hat bei ihren Eltern bleibende psychische und gesundheitliche Folgen hinterlassen, wie sie sagt. Ihre Mutter habe geweint und sei zusammengebrochen, als sie das Haus gesehen habe. Seitdem hätten die Eltern Angststörungen und könnten nicht schlafen. Sie gingen auch nicht mehr nach draußen. Bei der Mutter seien Herzrhythmusstörungen mit schnellem Puls, Schweißausbrüche und Atemnot aufgetreten. Auch der Vater habe gesundheitliche Probleme.
Ein zweiter Einbruch im selben Haus im Januar
Was fatalerweise noch hinzukommt: Im Januar dieses Jahres kam es nach mehr als einem Jahr zu einem zweiten Einbruch in das Haus des Paares - gerade, als es ihnen etwas besser ging. „Meine Eltern fühlen sich in ihrem Haus nicht mehr sicher. Dabei konnten sie trotz ihres Alters bis dahin alleine zurechtkommen“, sagt die Tochter, die einige Straßen weiter wohnt.
Der Prozess wird am Montag, 5. Oktober, sowie am Montag darauf fortgesetzt. Das Urteil wird für Freitag, 23. Oktober, erwartet. Bis zum Urteil gilt die Unschuldsvermutung.
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