Michael Eble und Silja Köpcke.
Die CDU Jork hat ein Problem - wenige Monate vor der Kommunalwahl am 11. September. Die Parteivorsitzende Silja Köpcke und der Fraktionsvorsitzende Michael Eble haben vor Pfingsten mit „sofortiger Wirkung“ ihren Rücktritt von ihren Parteiämtern erklärt.
Die CDU soll wieder stärkste Kraft im Rat werden: Dieses große Ziel haben sich die Christdemokraten in Jork für die Kommunalwahl am 11. September gesetzt. Die Chancen standen/stehen gut, schließlich ist der Bürgerverein durch die Kritik (auch aus der Bevölkerung) an Bürgermeister Gerd Hubert (BVJ) angeschlagen.
Auch für den Rat werden die Silja Köpcke und Partei-Vize Michael Eble im Herbst nicht mehr kandidieren. Damit nicht genug – auch die Ratsmitglieder Elke Krog und Stefan Pölk haben gemeinsam mit Eble und Köpcke hingeschmissen und treten nicht wieder an. Damit wird die CDU Jork mit einer fast komplett neuen Mannschaft in den Wahlkampf ziehen müssen. Mit dem Obstbauern Gerd Feindt aus Moorende kandiert lediglich ein langjähriges Mitglied der CDU-Fraktion wieder für den Rat. Derzeit stellt die CDU neun von 29 Ratsmitgliedern. Köpcke und Eble wollten ursprünglich weitermachen. Nach Informationen des TAGEBLATT standen die beiden auf Platz 2 (Köpcke) und Platz 3 (Eble) der Vorschlagsliste des Vorstands für die Listenaufstellung am Freitag, 20. Mai, 19.30 Uhr, auf der „Esteburg“ in Moorende.
Doch bei der Aufstellung der Liste zeigte sich, dass die Parteivorsitzende aus Jork-Lühe keinen großen Rückhalt im erweiterten Parteivorstand mehr hat. Denn bei der Entscheidung, wer die CDU Jork als Spitzenkandidat auf Platz 1 in den Wahlkampf führt, setzte sich der Kreistagsabgeordnete Udo Feindt aus Jork mit 10:1 Stimmen deutlich durch. Köpcke, seit 2009 stand sie an der Spitze der Partei, war bereits seit ihrer knappen Wiederwahl als Vorsitzende der Mitgliederversammlung im Januar 2016 angezählt. Von den 35 anwesenden Mitgliedern stimmten damals 20 für Köpcke, 15 für ihren Gegenkandidaten Bernd Sänger. Ein Hauptkritikpunkt von Sänger & Co. war, dass die Parteispitze die (Vorstands-)Mitglieder zu wenig eingebunden habe. Deshalb wurde der Vorstand auf 16 Personen erweitert. Doch aus der Kapitänin und ihrer neuen Mannschaft wurde kein Team – auch, weil sich einige an der engen Zusammenarbeit der Fraktion mit SPD und Grünen und Teilen des Bürgervereins im Hinterzimmer störten; sie wollten, dass die CDU ihr eigenes Profil schärft. Auch zwischenmenschlich lag und liegt im Verband einiges im Argen. Inhaltlich lagen beide Lager – bei kommunalen Fragen – nicht weit auseinander, die Konsolidierung des Haushalts hatte Priorität. „Ich hatte keine Mehrheit mehr“, sagte Köpcke sichtlich enttäuscht.
Die vier Politiker drücken das in ihrem Brief an die 80 Parteimitglieder so aus: „Der Grund liegt darin, dass wir seitens des Vorstandes nicht mehr über den für eine konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit notwendigen Rückhalt verfügen und so unsere Vorstellungen über die künftige inhaltliche und personelle Ausrichtung unseres Verbandes auch nicht umsetzen können.“
Die Entscheidung sei ihnen nicht leichtgefallen, betonten Krog, Köpcke und Eble unisono gegenüber dem TAGEBLATT. In der Fraktion laufe es rund. „Wir werden im Rat bis zum Schluss gute Arbeit für die CDU leisten.“ Das seien sie ihren Wählern schuldig. Eble: „Es muss kein Rückzug auf Dauer sein.“ Silja Köpcke bleibt Vorsitzende der Frauen Union im Kreis Stade, und auch als stellvertretende Kreisvorsitzende der CDU macht die Altländerin weiter. Eble bedauerte, dass man mit Ratsmitgliedern von SPD und Grünen und Teilen des BVJ „vertrauensvoller zusammenarbeiten kann als mit Teilen der eigenen Partei“.
Bei Andeutungen bleibt es, richtig schmutzige Wäsche will öffentlich keine Seite waschen.
Bernd Sänger kann die Entscheidung der vier „nicht verstehen“, zumal Köpcke und Eble beide sehr gute Listenplätze bekommen sollten. In einer Demokratie müssten Mehrheitsentscheidungen akzeptiert werden.
Wer den Parteivorsitz übernimmt, ist offen. Udo Feindt und Alexander Schlüsselburg müssen als stellvertretende Vorsitzende erst einmal in die Bresche springen – kommissarisch. Sänger steht bereits, sollten ihn Parteifreunde vorschlagen. „Ich würde die CDU als Team in den Wahlkampf führen“, sagt Sänger.
Silja Köpcke galt in Jork als das Gesicht des eher linken, liberalkonservativen und Merkel-treuen CDU-Flügels. Köpcke stürzte 2009 den damaligen Fraktions- und Parteichef Hinrich Rohbohm, nachdem er als Autor der national-konservativen Jungen Freiheit und seiner Kritik an Kanzlerin Angela Merkel („diese FDJ-Sekretärin eliminiert einen Konservativen nach dem anderen in der CDU“) nicht nur parteiintern in die Kritik geraten war.
Der Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Kai Seefried drückte sein Bedauern aus. Er arbeite mit seiner Stellvertreterin „hervorragend“ zusammen. Die CDU Jork müsse sich jetzt gut für die Wahl aufstellen.