Der Buxtehuder Rallycross-Fahrer Andreas Steffen hat am Sonntag das Finale der SuperCars in der Belgischen Meisterschaft auf dem Estering gewonnen. Er musste bei den Belgiern starten. Wegen seines Sprits.
Ein Handschlag, eine Umarmung, zwei Worte: „Good race!“ Dann verschwindet Kristian Szabo und überlässt Andreas Steffen das Rampenlicht. Steffen, umringt von Fotografen und Gratulanten, fuhr mit etwas weniger als einer Sekunde Vorsprung auf den Ungarn Szabo zum Sieg auf dem Estering, seiner Heimstrecke. „Alles an diesem Wochenende ist top gelaufen“, sagt Steffen. Damit meint er nicht nur den Erfolg bei den SuperCars in der Belgischen Meisterschaft, Steffen fuhr von allen 111 Fahrern in Buxtehude auch die schnellste Runde und leistete sich keine Fehler. Er kann wieder lächeln.
Das war zuletzt anders. Der Grund: Steffen durfte nicht mehr in der Deutschen Meisterschaft mitfahren. Nach dem ersten Lauf auf dem Lausitzring habe der Deutsche Motorsport Bund (DMSB) das Reglement geändert, sagt Teambetreuerin Carina Krause. Steffens Rennsprit mit der Bezeichnung P 1, mit dem er in der Welt- und Europameisterschaft starten darf, ist nicht mehr zugelassen. Handelsüblicher Sprit von der Tankstelle dagegen schon. Doch den will Steffen nicht in seinen Ford Fiesta tanken. „Uns ist die Gefahr einfach zu groß, dass bei der WM oder EM trotz einer gründlichen und aufwendigen Reinigung Rückstände im Fahrzeug gefunden werden“, sagt Krause. Steffen könnten dann eine Disqualifikation, eine Sperre, oder gar ein Lizenzentzug drohen. Die Saison in der Deutschen Meisterschaft ist daher abgehakt. Steffen startete auf dem Estering erstmals in der Belgischen Meisterschaft. „Sprit-Ärger macht Deutschen zum Belgier“, titelte die „Bild“-Zeitung im Vorfeld des Rennens.
Auch die Verantwortlichen des Automobilclubs Niederelbe (ACN), dem Steffen vorsitzt, ärgert’s. „Dabei geht es nicht nur um Andreas“, sagt Rolf-Jürgen Lützow, der 2. Vorsitzende. „Die neue Regelung reduziert die Attraktivität der Deutschen Meisterschaft.“ Internationale Starter, so Lützow, würden davon abgehalten, bei den Rennen zu starten. Auch auf dem Estering habe es diesmal weniger Gaststarter gegeben. „Die wollen das Risiko nicht eingehen, erwischt zu werden.“ Lützow fordert daher, dass der DMSB den bei der EM und WM gängigen und zugelassenen Rennsprit möglichst schnell freigibt.
Warum aber wurde das Sprit-Reglement gerade nach dem ersten Rennen auf dem Lausitzring verändert? Dort, erzählt ein DMSB-Delegierter auf dem Estering, der namentlich nicht genannt werden möchte, sei das Thema, welche Kraftstoffe in der Meisterschaft eigentlich zugelassen seien, zum ersten Mal aufgekommen. „Die Frage hat sich jahrelang nicht gestellt“, sagt dieser. Und so sei festgestellt worden, dass dem DMSB für den Kraftstoff, den Steffen verwendet, keine „Referenz“ vorliege, um diesen zu zertifizieren. Der Delegierte geht aber davon aus, dass der P 1-Kraftstoff für die Deutsche Meisterschaft freigegeben werden könne. Der Hersteller müsse dem Verband dafür eine Probe zur Verfügung stellen.
Das Verhältnis zwischen Andreas Steffen und dem DMSB ist offenbar angespannt. Mit deutlichen Worten möchte sich der Buxtehuder Fahrer aber zurückhalten. Nach seinem Triumph bei den Belgiern sagt er trotzdem: „Das, was der DMSB sich da ausgedacht hat, spottet jeder Beschreibung. Der Sieg ist so etwas wie eine Genugtuung.“ Und eine gelungene Generalprobe für den WM-Lauf am 13. und 14. Oktober auf seiner Heimstrecke. Das sagt Steffen, auch wenn er weiß, dass er gegen die Fahrer der Werksteams mit Millionenbudgets nahezu chancenlos ist.
Die Lokalmatadoren plus Top 3
SuperCars: 1. Andreas Steffen (Ford Fiesta/Buxtehude) 3:51:73 Min., 2. Kristian Szabo (VW Polo/UNG) 3:52:81, 3. Johnny Verkuringen (Subaru Impreza/BEL) 4:11:78.
SuperCars: 1. Dietmar Brand (VW Golf 6R) 4:16:69, 2. Victor Smolski (Audi S4) 4:25:07.
SuperNational-: 1. Pawel Hankiewicz (VW Polo Mk 4) 4:15:07, 2. Jens Barkhoff (VW Polo 9n) 4:21:96, Bjoen Blockx (VW Golf 3) 4:28:77.
SuperNational+: 1. Andy Leysen (BMW M5) 4:18:51, 2. Björn Barkhoff (VW Polo 9N GTI) 4:19:23, 3. David Weigand (BMW E46 Compact M) 4:23:40.
Rallycars: 1. Jan Becker/Bianca Paries (Subaru Impreza) 4:07:20, 2. Janine Brandt (BMW E36) 4:34:14, 3. Bastian Sichelschmidt (BMW E30/Mulsum) 4:35:53.
Produktionswagen < 1400 ccm: 1. Ulrich Riese (VW Polo 6N) 4:41:42, 2. Björn Brüning-Zedler (Citroen AX GTI/Buxtehude) 4:42:96, 3. Philipp Büssemaker (Seat Ibiza 6k) 4:47:15), ... 5. Jan Spiller (Peugeot 106/Guderhandviertel) 4:58:11, 6. Mirian Umland (Citroen AX GTI/Buxtehude) 5:03:38.
Produktionswagen > 1400 ccm: 1. Philipp Knof (Peugeot 205) 4:34:32, 2. Maik Böhling (Ford Focus) 4:39:59, 3. Steve Koblinski (Honda Civic) 4:42:02.
Großes Pech für Andreas Huschenbett
BUXTEHUDE. Den ersten Lauf der Deutschen Meisterschaft hat Andreas Huschenbett noch gewonnen. Dann begann die Pechsträhne des Staders. Erst drehte sich sein Opel Corsa C auf der Strecke in Gründau, und einen Monat später auch auf dem Estering. Beide Male schied Huschenbett frühzeitig aus. „Auf den Titel habe ich keine Chance mehr“, sagt der letztjährige Vizemeister der Klasse Super Nationals. „Das ist sehr, sehr ärgerlich.“
Huschenbett suchte die Rennleitung auf. Seiner Meinung nach lag die Schuld bei Verfolger Jens Barkhoff, der den Unfall in der ersten Kurve nach dem Start verursacht habe. Der Opel Corsa stellte sich quer, der Renault Clio des Buxtehuders Ralph Wilhelm krachte in sein vorderes Rad. Auch Wilhelm fiel wenig später aus. So erreichte keiner der Lokalmatadoren bei den Super Nationals das Ziel im Finallauf. Swen Grupe (Beckdorf), Kurt Umland (Buxtehude) und Fred Czaja (Stade) hatten bereits den Sprung ins Halbfinale verpasst.
Czaja musste am Sonnabend nach einem Unfall im ersten Training die Segel streichen. Bei seinem VW Golf 1 erwischte es einen Teil der Lenkung. „Ich hätte es noch reparieren können, doch das wäre nur unter Stress möglich gewesen“, sagt Czaja. Grupe, bekannt als „rasender Friseur“, plagten am Sonnabend Elektronikprobleme seines VW Golf. „Wir haben bis in die Nacht hinein geschraubt“, sagt er. Er konnte starten. Dann aber kam es zu einer Kollision, die Stoßstange brach – Aus für Grupe. „In 17 Jahren Motorsport habe ich noch nie so ein bescheidenes Wochenende erlebt.“
Kurt Umland fuhr zwar schnelle Zeiten, bis sein VW Polo „ungewöhnliche Geräusche“ machte. „Das hängt entweder mit dem Motor oder dem Getriebe zusammen“, sagt Umland. Klar war nur, dass das Wochenende gelaufen war. Anders als für seine Kinder, Tochter Mirian und Sohn Florian, die ebenfalls im Motorsport zu Hause sind und bei den Produktionswagen starteten. Florian Umland, der in der vergangenen Saison Deutsche Meister geworden war, schied im Finale vorzeitig aus. Schwester Mirian fuhr bei ihrem Estering-Debüt im Citroen AX auf den sechsten Platz. „Für mich ist das alles ein Lernprozess“, sagt sie. Im Zelt der Familie lagen Freude und Ernüchterung nah beieinander.