TBlutbad in Stade: Corinna Lange „schockiert über den Hass im Netz“
Vor dem Backsteingebäude legten Nachbarn und Anwohner Blumen nieder. Foto: Kai Moorschlatt/dpa
Der Kanzler ist „erschüttert bis ins Mark“, die Innenministerin glaubt, dass „diese schreckliche Tat Stade lange beschäftigen wird“ – und andere wiederum schwurbeln.
Stade/Berlin. Bundeskanzler Friedrich Merz hat nach den tödlichen Schüssen in Stade sein Mitgefühl ausgedrückt. „Die Nachricht aus Stade erschüttert bis ins Mark“, schrieb der CDU-Politiker auf der Plattform X. Viele Menschen, „die helfen und schützen wollten“, hätten ihr Leben verloren oder seien verletzt worden.
„Mein Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Angehörigen“, schrieb Merz weiter. Zudem dankte er den Polizistinnen und Polizisten „für ihren schnellen Einsatz“.
T Polizei: Drei Stader Opfer stammten aus Region Hannover
Bei der Gewalttat in der Dankersstraße waren am Montag sechs Erwachsene getötet worden. Nach Angaben der Polizei handelt es sich bei den Todesopfern um vier Mitarbeiterinnen und zwei Mitarbeiter der Jugendhilfeeinrichtung.
Auch Bundespräsident Steinmeier drückte seine Anteilnahme aus. In Berlin sagte Steinmeier, er sei tief erschüttert über das Ausmaß der Gewalt in einem Raum, der Schutz bieten soll. „Meine Anteilnahme gilt den Angehörigen der Toten und Verletzten, die so viel Schmerz ertragen müssen“, so Steinmeier weiter.
Ministerpräsident Lies: Keine voreiligen Schlüsse ziehen
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hat vor „voreiligen Schlüssen“ gewarnt. Es sei „jetzt die Zeit für Trauer, Anteilnahme und sachliche Ermittlungsarbeit und nicht für Spekulationen und Verunsicherung“, sagte Lies einer Mitteilung der Staatskanzlei zufolge.
„Die Vorkommnisse in Stade sind erschütternd und machen die gesamte Landesregierung tief betroffen“, hieß es weiter. Er bitte alle darum, „jetzt keine voreiligen Schlüsse zu ziehen und den Ermittlungen den nötigen Raum zu geben“, sagte Lies.
„Kaltblütige“ Tat
Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) sprach von einer „kaltblütigen“ Tat. Sie bezeichnete die Tat zudem als singulären Fall. Dieser Fall habe nichts mit früheren Fällen zu tun, sagte die SPD-Politikerin am Abend und betonte: „Ich bin mir sicher, dass diese schreckliche Tat Stade lange beschäftigen wird. Und sie wird auch Spuren hinterlassen.“

Innenministerin Daniela Behrens im Stader Kreishaus. Foto: Vasel
Stades Landrat Kai Seefried sprach den Opfern und ihren Angehörigen und Freunden sein aufrichtiges Mitgefühl aus und dankte den Menschen, die vor Ort geholfen haben. Seefried: „Das alles ist schwer erträglich! Mir geht es hier genauso wie vielen Menschen in unserer Region, die großes Leid und Trauer empfinden.“
„Je mehr man davon erfährt, desto sprachloser ist man“, sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt in Berlin über die Tat. Es werde nun alles für eine weitere Aufklärung der Tat getan, sagte der CSU-Politiker. Es habe sich nicht um eine „in der Vergangenheit schon polizeilich sehr stark auffällige Person gehandelt“. Zu weiteren Hintergründen oder der Herkunft des Tatverdächtigen äußerte sich Dobrindt nicht, weil dazu noch Erkenntnisse fehlten. „Auch da gibt es noch Aufklärungsbedarf“, sagte er.
Kritik an Hass und Fake News im Netz
„Ich bin immer noch fassungslos und sprachlos über diese Tat, die sechs unschuldige Menschen aus ihrem Leben gerissen hat“, sagte die SPD-Landtagsabgeordnete Corinna Lange aus Deinste dem TAGEBLATT. Sie sei „schockiert über den Hass im Netz“. Sie kritisiert Fake News und die ausländerfeindlichen Äußerungen, die verbreitet worden sind. Sie moniert, „dass man nicht mehr auf das hört, was die Polizei sagt“. Sie habe ihre Kommentarfunktion ausgestellt.

Mit diesem Beitrag drücken die Gleichstellungsbeauftragten im Landkreis auch ihr Mitgefühl mit Opfern, Angehörigen und Betroffenen aus. Foto: gleich.gestellt
Sie kritisiert die Schuldzuweisungen an die Politik. Sie bedanke sich bei den Einsatzkräften, „für die das auch ein sehr, sehr schwerer Einsatz war und die bestmöglich gehandelt haben in dieser Situation und wir ja Lob auch ehrlicherweise von allen Seiten bekommen haben für den Umgang der Polizei mit der Situation“.
T Pressekonferenz mit Innenministerin: Hintergründe zur Bluttat in Stade
„Manche Ereignisse teilen das Leben in ein Davor und ein Danach – die Schüsse in Stade gehören dazu. Noch sind Fragen offen – deshalb verbieten sich vorschnelle Urteile oder einfache Erklärungen. Jetzt ist die Zeit für Mitgefühl mit den Angehörigen und für Respekt vor den Einsatzkräften, die unter außergewöhnlicher psychischer Belastung vorbildlich geholfen haben und diese Bilder noch lange mit sich tragen werden“, sagte die Landtagsabgeordnete Birgit Butter (CDU).
„Trauer, Wut, Fassungslosigkeit - Stade, 29. 6. 2026“ steht in dem Beitrag, den die Gleichstellungsbeauftragten im Landkreis Stade mit einem Bild von Kerzen im Dunkel gemeinsam auf Instagram veröffentlicht haben. Sie widmen sich erst einmal der Trauer und drücken ihr tiefes Mitgefühl mit den Opfern, ihren Angehörigen und allen Betroffenen aus.
AfD-Abgeordneter Krah verbreitet Hetze
AfD-Chefin Alice Weidel nannte die Tat in Stade einen „Amoklauf“: „Meine Gedanken sind bei den Opfern und Angehörigen, deren Leid unermesslich sein muss.“
Ihr AfD-Parteikollege Maximilian Krah verbreitete ohne die gesicherten Hintergründe der Tat zu benennen Hass und Hetze im Internet. Er postete bei X verschwörerisch: „Deutschland ist bunt und vielfältig geworden – dank Merkel und ihren Epigonen. Nur die AfD wird es wieder heilen!“
Gewerkschaft Verdi fordert mehr Schutz
Der Verdi-Landesbezirk Niedersachsen-Bremen reagierte mit tiefer Betroffenheit auf die Gewalttat gegen Beschäftigte der Einrichtung. „Unsere Gedanken sind bei den Opfern, ihren Familien, ihren Freundinnen, ihren Kolleginnen. Wir danken unseren Kolleginnen im Elbe-Klinikum, im Rettungsdienst und bei der Polizei für ihren Einsatz“, sagte Verdi-Landesbezirksleiterin Andrea Wemheuer.
Vor dem Hintergrund der Gewalttat in der Jugendhilfeeinrichtung fordert die Gewerkschaft einen besseren Schutz für die Beschäftigten. „Der strikte Schutz der Kolleginnen in der sozialen Arbeit muss mit Nachdruck und systematisch angegangen werden“, sagte Wemheuer. Sozialarbeiterinnen und Mitarbeiterinnen des Jugendamtes arbeiteten häufig im Kontext von Opferschutz. Regelmäßig entstünden dabei Situationen, bei denen es Kontaktpunkte mit Tätern gebe. „Dem stehen mangelhafte Schutzkonzepte und fehlende Ressourcen gegenüber, um die Beschäftigten bestmöglich abzusichern“, klagte die Verdi-Landesbezirksleiterin.
Hilfe und Unterstützung für die Betroffene
„Es ist mir ein großes Anliegen, die Betroffenen, Angehörigen und auch Menschen, die unmittelbare Zeugen der Tat waren, sowie den Einsatzkräften vor Ort mit all unserer Kraft zu unterstützen. Wir können nicht ungeschehen machen, welches Leid durch den Akt der Gewalt über so viele Menschen gebracht wurde. Wir können aber nach besten Kräften an der Seite der Betroffenen stehen und ihnen alle zur Verfügung stehende Hilfe zukommen lassen“, teilte der Niedersächsische Landesbeauftragte für Opferschutz, Thomas Pfleiderer, mit.
Für Menschen, die eine Ihnen nahestehende Person verloren haben, verletzt wurden oder das Geschehen auf andere Weise miterleben mussten, wurde ein kostenloses Beratungstelefon eingerichtet. Die Betroffenen werden zurzeit darüber informiert, „dass sie dort von sehr erfahrenen psychosozialen Beraterinnen und Beratern akute Unterstützung erhalten“. (bv/dpa/tip)
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