TStades Seehafen: Hoffen auf Ausbau, Sorgen um die Chemie
Die Baustelle am LNG-Terminal in Stade-Bützfleth. Dahinter der Hafen mit den beiden Piers für AOS (links) und die Dow (rechts) sowie die Multi-Purpose-Fläche (hell) für Massengut. Foto: Martin Elsen
Der Betrieb im Stader Seehafen hat sich stabilisiert. Große Ausbaupläne wecken Hoffnung. Doch eine große Unsicherheit am Chemiestandort auf Bützflethersand bleibt.
Stade. Sechs Millionen Tonnen wurden umgeschlagen im tideunabhängigen und seeschifftiefen Hafen in Stade-Bützfleth. Das sind 500.000 Tonnen mehr noch als 2024, als sich die Umschlagszahlen nach einer sehr schwachen Phase wieder erholt hatten. So waren 2023 nur 3,8 Millionen Tonnen verzeichnet worden. Zum Vergleich: Hamburg, Deutschlands größter Seehafen, verzeichnete im vergangenen Jahr einen Gesamtumschlag von 115 Millionen Tonnen.
AOS ist ausgelastet, aber was ist mit Dow und Olin?
Ausschlaggebend für die Zahlen sind die großen Chemieunternehmen: Dow, Olin und AOS. Die Aluminium Oxid Stade löscht hier Bauxit aus Afrika. Das rot-braune Gestein ist Rohstoff für die spätere Aluminiumoxid-Produktion. AOS ist gut ausgelastet. Dass die Zahlen noch nicht das Niveau früherer Jahre erreicht haben, liegt an der gedrosselten Produktion von Dow und Olin, die ihre Basisstoffe über die zweite Pier beziehen.
Damit ist auch schon das Problem benannt: Die hohen Energiekosten, aktuell noch einmal befeuert vom Iran-Krieg, verleiden den Chemieproduzenten das Geschäft. Marcus Schlichting ist der Mann im Stader Hafen, der den Überblick hat. Er sagt: „Unsere chemischen Unternehmen leiden leise.“
Schlichting ist Geschäftsführer des Hafendienstleisters Elbclearing und Vorsitzender des Vereins Stader Hafen. Er freut sich, dass sich die Umschlagszahlen erholt haben, auch wenn sie noch nicht die wünschenswerte Größenordnung erreicht hätten.
Gut laufe der Umschlag von Baustoffen wie Mineralgemisch. Das wird für den Untergrund bei Großbaustellen wie Windparks oder der Suedlink-Stromleitung gebraucht und eben auch über den Stader Hafen umgeschlagen. Die Zukunftsaussichten sind diffus, eine große Hoffnung bleibt.
Stades Seehafen soll gen Norden erweitert werden
Der Hafen Stade hat Entwicklungsmöglichkeiten. Für eine Hafenerweiterung in Richtung Norden laufen die Planungen für den Antrag zur aufwendigen Planfeststellung. Das teilte Hafenbetreiber NPorts jüngst bei einer landesweiten Pressekonferenz in Oldenburg mit.
NPorts ist eine 100-prozentige Tochter des Landes Niedersachsen. Ziel sei es, eine Baugenehmigung bis 2027 zu erhalten. Dafür würden Baugrunduntersuchungen sowie Kampfmittelsondierung durchgeführt und verschiedene Gutachten erstellt.
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Als Norderweiterung ist ein 24 Hektar großes Multifunktionsterminal mit Gleisanschluss gemeint. 2025 Jahr hatte NPorts mit der Planung der Erweiterung des bestehenden Nordwestkais um 825 Meter und einer aufgespülten Hafenfläche von 24 Hektar begonnen. Die Kosten dafür lagen bei 500.000 Euro.
In den kommenden Jahren würden weitere 3,5 Millionen Euro allein in die Planung und das Genehmigungsverfahren investiert. Die Nutzung des Liegeplatzes und der Lagerflächen ist für Stückgutumschlag angedacht. Stand heute wird das Projekt etwa 350 Millionen Euro kosten. Vor 2033 wird dort aber kein Schiff festmachen können. Und das ist schon eine sehr optimistische Jahreszahl.
Nachvollziehbar, dass Schlichting aufs Tempo drückt. Er weiß: Hafenbau braucht Zeit, meistens mehr als ihm lieb ist. Aber ansiedlungswillige Betriebe wie Hansekraft mit ihrem Holzkraftwerk oder Prime Lithium mit der Herstellung von Basisstoffen für E-Auto-Batterien benötigten konkrete Perspektiven.
Ansiedlungswillige Betriebe brauchen klaren Kurs
Beide Firmen würden jeweils einen der drei neu geschaffenen Liegeplätze nutzen, so Schlichting. Für den dritten, noch freien Platz schlägt Schlichting ein Interessenbekundungsverfahren vor. Auch sollte sich das Land Gedanken machen, wie der Hafenausbau finanziert werden könnte. Schon in Cuxhaven war neben Bund und Land auch die Wirtschaft an Bord bei der Finanzierung.
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Wo gebaut wird, muss ein Ausgleich für die Natur geschaffen werden. Für die Herrichtung der Kompensationsflächen für die Liegeplätze 5-7 in Cuxhaven und für den Anleger für verflüssigte Gase wie LNG in Stade werden rund 150 Hektar große Flächen naturschutztechnisch entwickelt, teilt NPorts mit.
Bleibt noch eine Frage offen: Was ist mit der FSRU, mit dem Spezialschiff zum Umwandeln des LNG in Stade? Das wurde nach Jordanien verchartert, der Vertrag sei um drei Monate bis Ende Juni verlängert worden. Dann, so hat es Schlichting erfahren, kommt die FSRU zurück nach Stade. Aber bis dahin fließt noch viel Wasser die Elbe hinunter.
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