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Unwetter-Bilanz

TWarum der Tornado in Oederquart so besonders war

Ende Juli wurden bei einem Tornado in Oederquart Bäume entwurzelt.

Ende Juli wurden bei einem Tornado in Oederquart Bäume entwurzelt. Foto: Hellwig

2026 zählte der Wetterdienst bundesweit 31 Tornados - extrem wenige. Einer wütete bei Oederquart. Was auffällt.

Von Redaktion 05.10.2026, 05:50 Uhr

Stade/Hamburg. Bundesweit gab es in diesem Jahr bis dato deutlich weniger Tornados als üblich. Bis Ende September zählte der Deutsche Wetterdienst (DWD) deutschlandweit lediglich 31 Tornados.

„Ruft man sich die durchschnittliche jährliche Zahl von 49 bestätigten Tornados in Deutschland in Erinnerung, so gibt es noch reichlich Luft nach oben“, sagte der Tornado-Experte des DWD, Marcus Beyer. Besonders viele gab es im Jahr 2006, für das 121 Tornados bestätigt wurden.

Meiste Tornados in Niedersachsen

Die meisten Tornados gab es 2026 in Niedersachsen: neun. Danach folgte Hessen mit acht. Je drei gab es in Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und Thüringen. Je einen in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Baden-Württemberg. Keine Tornados wurden bestätigt für Sachsen-Anhalt, Bayern und das Saarland.

Starke Zerstörungen sind an mehreren Häusern in Hessen nach einem Tornado zu erkennen.

Starke Zerstörungen sind an mehreren Häusern in Hessen nach einem Tornado zu erkennen. Foto: picture alliance/dpa

Eine Besonderheit in diesem Jahr: 17 der 31 Tornados ereigneten sich an einem einzigen Tag, dem 19. August. Den ersten dieses Jahres gab es am 3. Juni nahe Borkum - es war eine Wasserhose, so nennt man einen Tornado über Wasser.

Der vielleicht schönste war der Tornado am 1. Juli am Bodensee - diese Wasserhose war „überaus fotogen“, wie Beyer sagte.

Verwüstungen in Oederquart

Am 26. Juli brachte eine einzige Gewitterzelle bei Cuxhaven gleich drei Tornados hervor, denn sie begann am späten Nachmittag zu rotieren. So erreichte ein Tornado Glückstadt und auf der anderen Elbseite auch Oederquart. Denn auch in einer eher ruhigen Tornadosaison können einzelne Ereignisse durchaus folgenschwer sein, hieß es vom DWD.

In Schleswig-Holstein waren 40 bis 50 Gebäude von dem Sturm beschädigt worden. In Oederquart erwischte es zwei Familien. Bäume wurden entwurzelt, ein Viewagen „umgepustet“, das Dach des Kuhstalls abgedeckt, Türen aus der Verankerung gerissen. „Es ist unglaublich, was alles innerhalb von fünf Minuten kaputtgehen kann“, sagte Marlies Ahlf dem TAGEBLATT.

Vater und Tochter - Hartwig Ringkewitz und Christina Suhr - waren völlig erschüttert von der Urkraft des Tornados.

Vater und Tochter - Hartwig Ringkewitz und Christina Suhr - waren völlig erschüttert von der Urkraft des Tornados. Foto: Helfferich

„Es fühlte sich an, als würde das Haus mitgerissen“, bestätigte auch Nachbarin Christina Suhr. Bei ihr und ihrer Familie wurden Eichen entwurzelt, zwei Pkw schwer beschädigt.

Kein Tornado-Wetter

Vor dem Hintergrund der Tornado-Armut ist das Ereignis im Landkreis doch schon besonders. Denn grundsätzlich galt: „Es mangelte schlicht an passenden Wetterlagen für das Auftreten von Tornados“, so Wetterexperte Beyer. Damit ein Tornado entstehen kann, braucht es warme, feuchte Luft am Boden, kalte Luft darüber und eine sogenannte Windscherung. Dabei nimmt der Wind mit der Höhe zu und dreht sich.

In diesem Jahr waren diese Verhältnisse selten gegeben. Ein Blick in die Tabellen des DWD zeigt zudem, dass alle Jahre mit wenigen Tornados eines gemeinsam haben: eine ausgeprägte Dürre.

Die Hauptaktivitätsmonate von Tornados in Deutschland sind laut DWD Mai bis September. Danach treten sie nur noch selten auf.

Sollten Sie einmal den Verdacht haben, dass ein bestimmtes Ereignis vielleicht ein Tornado gewesen ist, so schreiben Sie uns gerne an: tornado@dwd.de. (dpa/tip)

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