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TWarum sich Fußballprofi Marnon Busch ein Standbein in Stade aufbaut

Marnon Busch, hier mit seiner Frau Anna, kann sich vorstellen, nach seiner Fußballkarriere in Stade Kunden zu beraten.

Marnon Busch, hier mit seiner Frau Anna, kann sich vorstellen, nach seiner Fußballkarriere in Stade Kunden zu beraten. Foto: Jörg Struwe (nomo)

Marnon Busch denkt schon an die Zeit nach dem Fußball. Gemeinsam mit drei Partnern hat der Heidenheim-Profi in seiner Heimatstadt Stade ein Unternehmen gegründet.

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Von Tim Scholz
30.09.2026, 06:55 Uhr

Stade. Marnon Busch kommt kaum zum Durchatmen. Ständig ist der 31-Jährige von Menschen umgeben. Fußballer und Trainer aus der Region, Freunde, Familie, alte Bekannte, die sagen: „Wir kennen uns schon so lange, da warst du noch so klein.“ Zwischen Trikots, Bällen und Fußballschuhen erklärt er ihnen, was hier entstanden ist.

Busch ist einer der vier Geschäftsführer der „Altländer Print Force“, die am Montagabend im Gewerbegebiet Am Steinkamp in Stade ihre Eröffnung gefeiert hat. Mit seiner Frau Anna und seinem Sohn Matteo ist er dafür aus Baden-Württemberg nach Stade gekommen. „Ich habe ein paar Tage trainingsfrei“, sagt er.

Erfahrung von über 250 Bundesligaspielen

Im Hauptberuf ist der gebürtige Stader Fußballprofi. Nach den Stationen Werder Bremen und 1860 München spielt er seit 2017 beim Zweitligisten 1. FC Heidenheim. Der Außenverteidiger kommt auf insgesamt mehr als 250 Spiele in der ersten und zweiten Liga. Müsste man damit nicht ausgesorgt haben?

Marnon Busch im Ausstellungsraum seines Unternehmens in Stade.

Marnon Busch im Ausstellungsraum seines Unternehmens in Stade. Foto: Scholz

Einige Tage zuvor sitzt Busch zu Hause im 700 Kilometer entfernten Bolheim unweit von Heidenheim vor dem Computer und sichtet Bestellungen, die über Nacht eingegangen sind. „Vormittags bringe ich unseren Kleinen in die Kita und danach wird gearbeitet“, erzählt Busch im Videogespräch. Training ist erst am Nachmittag.

Zweites Standbein: So stellt sich der Profi auf

Laut Medienberichten investieren immer mehr bekannte Fußballer in Start-ups, um sich ein zweites Standbein für die Zeit nach der aktiven Laufbahn aufzubauen. Weltmeister Mario Götze gilt als einer der aktivsten Investoren in der Start-up-Szene.

Auch Busch hat sich schon früh mit der Zeit nach dem Fußball beschäftigt. „Viele Bundesliga-Fußballer haben nicht für ihr ganzes Leben ausgesorgt“, sagt er. In Heidenheim hätten sich viele Spieler „links und rechts“ nach Möglichkeiten umgesehen. Busch selbst hat ein abgeschlossenes Business-Studium, gründete eigene Firmen und investiert in Immobilien und „gute Business-Ideen“, wie er sagt. So auch bei der Altländer Print Force.

Rückennummer 2: Verteidiger Marnon Busch spielt aktuell beim Zweitligisten 1. FC Heidenheim.

Rückennummer 2: Verteidiger Marnon Busch spielt aktuell beim Zweitligisten 1. FC Heidenheim. Foto: Jörg Struwe (nomo)

Im vergangenen Jahr kamen die Stader Mirko Schlünzen (37) und Jan Mencke (36) mit einer Idee auf ihn zu. Sie möchten ein Unternehmen gründen, das Vereine und Mannschaften „aus einer Hand“ mit Sportkleidung und anderem Equipment ausstattet.

Mencke sei sehr nervös gewesen, als er die erste Nachricht an Busch schickte, erzählt er. Eine Sprachnachricht nach der anderen habe er wieder verworfen. „Am Ende war sie 14 Minuten lang.“ Zehn Minuten später meldete sich Busch: Er werde sich das „Hörbuch“ anhören, sobald er Zeit habe.

Nicht nur Geldgeber

Vor dem Heidenheimer Auswärtsspiel gegen St. Pauli trafen sie sich in der Lobby des Teamhotels. Schlünzen und Mencke erzählten Busch, dass es eine große Nachfrage nach einer solchen „360-Grad-Lösung für Vereine“ gebe. Busch war überzeugt und holte seinen Heidenheimer Team- und Zimmerkollegen Tim Siersleben (26) mit ins Boot. Im Februar gründeten die vier das Unternehmen.

Die drei Geschäftsführer aus Stade (von links): Jan Mencke, Marnon Busch und Mirko Schlünzen.

Die drei Geschäftsführer aus Stade (von links): Jan Mencke, Marnon Busch und Mirko Schlünzen. Foto: Jörg Struwe (nomo)

Für Schlünzen und Mencke ist es ein großer Schritt. Die beiden „besten Freunde“, wie sie sagen, kündigten ihre Jobs. „Das war keine 08/15-Entscheidug“, sagt Mencke. Er kennt sich vor allem mit der Produktion aus. Schlünzen bringt Erfahrung in Buchhaltung mit. Busch und Siersleben verfügen über ein großes Netzwerk, unter anderem zu einem führenden Online-Shop für Teamsport, mit dem sie inzwischen zusammenarbeiten. „Wir wollten nicht nur Geldgeber sein, sondern vom ersten Tag an mitgestalten“, sagt Busch.

So funktioniert ihr Geschäftsmodell

Die vier verstehen ihr Unternehmen nicht als gewöhnliches Sportgeschäft. Vereine und Mannschaften können nach Termin in ihren „Hub“ kommen, sich das Sortiment anschauen und Materialien vergleichen. Anschließend können die Trikots am Bildschirm gestaltet werden.

„Das ist wie privates Shopping für Vereine und Mannschaften, egal aus welcher Liga“, sagt Busch. Außerdem kann die Altländer Print Force die Textilien mit Hilfe eigener Drucker „veredeln“, wie es in der Branche heißt, also mit Logos oder Schriftzügen versehen. Dadurch sei die Firma weniger von anderen Dienstleistern und deren Lieferzeiten abhängig, sagt Busch.

Busch scrollt am Computer durch die Bestellliste: Fanschals, Shorts, Jacken, Eistonnen, Trikots. Einige D/A-Fußballer wie Nico von der Reith hat das Unternehmen bereits mit Fußballschuhen ausgestattet. Sein eigener Heimatverein SSV Hagen hat einen Ausrüstervertrag mit der Altländer Print Force.

„Wir wollen expandieren, aber es auch nicht überziehen“, sagt Busch. Der Fokus solle auf dem Persönlichen liegen. Auch er selbst kann sich vorstellen, nach seiner Fußballkarriere in Stade Kunden zu beraten. „Ich habe in fast jeder Marke gespielt und kenne mich damit aus“, sagt er.

Vertrag, Nachwuchs, Heimat: Busch über seine Zukunft

Sein Vertrag in Heidenheim läuft am Saisonende aus. Wie es weitergeht, ist offen. „Ich mag diese Floskel nicht, aber Fußball ist ein Tagesgeschäft“, sagt er. Eine schwere Verletzung könne die Karriere schon morgen beenden. „Unterbewusst treibt mich das vielleicht an, mir ein zweites Standbein aufzubauen.“

Außerdem erwarten er und seine Frau Anna im Winter Nachwuchs, einen Sohn. „Ich möchte ein väterliches Vorbild sein“, sagt Busch. So wie sein eigener Vater, der bei der Dow in Stade arbeitete.

„Papa ist früh morgens aus dem Haus gegangen und kam spät abends wieder zurück. Im Leben bekommt man nichts geschenkt.“ Wäre er nicht Fußballprofi geworden, dann vielleicht Polizist, sagt Busch. Doch in seiner Jugend stand ohnehin der große Traum über allem.

Ein paar gute Jahre als Fußballprofi habe er noch, sagt Busch. Danach möchte er „auf jeden Fall“ mit seiner Familie nach Stade zurückkehren. „Wir haben genug Feste und Geburtstage verpasst“, sagt er. Er kann sich dann vorstellen, nochmal für den SSV Hagen aufzulaufen. Ganz ungezwungen Fußball spielen und danach die dritte Halbzeit genießen.

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