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Auftaktsieg

TWo ist die WM-Euphorie? Ein Streifzug durch den Kreis Stade nach dem 7:1

WM-Stimmung im Hoddows Gastwerk in Buxtehude: Inhaber Christoph Hoddow (rechts) reist diese Woche selbst in die USA.

WM-Stimmung im Hoddows Gastwerk in Buxtehude: Inhaber Christoph Hoddow (rechts) reist diese Woche selbst in die USA. Foto: Scholz

Euphorische Fans in der Harsefelder Eissporthalle, windige Leere am Lühe-Anleger und ein spendabler Wirt in Hedendorf. Das TAGEBLATT war am Sonntagabend unterwegs.

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Von Tim Scholz,
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Von Jan Bröhan
Montag, 15.06.2026, 14:10 Uhr

Landkreis. Zum deutschen Auftaktspiel gegen Curacao haben sich die Reporter auf die Suche nach der WM-Stimmung gemacht. Eine TAGEBLATT-Umfrage ergab nämlich kürzlich, dass der Funke bisher noch nicht übergesprungen ist. Wie sieht es jetzt aus?

18.30 Uhr, Eissporthalle: Der extra zusätzlich angelegte Parkplatz auf der Grünfläche bei der Eissporthalle in Harsefeld füllt sich. Einige wenige Autos sind mit Deutschland-Flaggen ausgestattet. Die kommenden Fans tragen größtenteils Deutschland-Trikots. Am Eingang: eine etwa 20 Meter lange Schlange. Eine Gruppe junger Fans tippt das Ergebnis - von 2:1 bis 7:1 ist alles dabei.

Public Viewing in der Eissporthalle Harsefeld

00:22 min

18.40 Uhr, Eissporthalle: Michael Wege wird über sein Funkgerät gerufen. Irgendwas gibt es bei so einer Großveranstaltung immer zu tun - trotz aller Routine. Wege ist seit 19 Jahren Betriebsleiter Sportstätten. „Ich habe hier schon einige Europa- und Weltmeisterschaften mitgemacht“, sagt er. 2014, als Deutschland Weltmeister wurde, war die Stimmung am besten. 2800 Fans strömten seinerzeit in die Eissporthalle und feierten bei den Spielen. Gut 800 würden es wohl heute, schätzt er. „Es wurde über die Jahre immer ruhiger“, sagt Wege. Er hofft auf einen Sieg, damit die WM-Stimmung steigt. Die neue LED-Leinwand sei gestochen scharf, freut sich Wege. „Kein Vergleich zu früher.“ Jetzt muss nur die Nationalmannschaft liefern.

Michael Wege ist seit 19 Jahren Betriebsleiter Sportstätten. Er hofft auf deutsche Siege, damit die Stimmung während des Turniers und damit auch in der Eissporthalle steigt.

Michael Wege ist seit 19 Jahren Betriebsleiter Sportstätten. Er hofft auf deutsche Siege, damit die Stimmung während des Turniers und damit auch in der Eissporthalle steigt. Foto: Bröhan

18.50 Uhr, Lühe-Anleger: Über dem Alten Land bricht kurz die Sonne durch die Wolkendecke, doch der Wind bleibt rau. Böen aus westlicher Richtung drücken gegen die Schirme vor den Buden. „Es ist ziemlich ruhig hier“, sagt Agim Hajrullahu, während er Getränkekisten hinter seinem Imbisswagen verräumt. Die meisten Stände haben bereits geschlossen - nicht nur wegen des Wetters.

Zum Anpfiff um 19 Uhr sind etwa ein Dutzend Besucher am Lühe-Anleger.

Zum Anpfiff um 19 Uhr sind etwa ein Dutzend Besucher am Lühe-Anleger. Foto: Scholz

18.50 Uhr, Eissporthalle: Hauke und Neele aus Ahlerstedt tragen nostalgisch angehauchte DFB-Trikots in Grün. Beide haben Bier in der Hand. EM- und WM-Spiele gucken sie immer in der Eissporthalle, erzählen sie. Schon in Stimmung? „Wie sau“, sagt Hauke. Beide glauben an die Nationalmannschaft. „Weltmeister“ ist ihr Tipp, gegen Curacao erwarten sie ein 3:1.

Hauke und Neele aus Ahlerstedt gucken die deutschen WM- und EM-Spiele immer in Harsefeld. Sie glauben an den Titel.

Hauke und Neele aus Ahlerstedt gucken die deutschen WM- und EM-Spiele immer in Harsefeld. Sie glauben an den Titel. Foto: Bröhan

18.56 Uhr, Eissporthalle: Die Fans klatschen nach der deutschen Nationalhymne.

„Fußball steht für uns nicht an erster Stelle“

18.57 Uhr, Lühe-Anleger: Frank und Anke aus Wolfenbüttel machen Urlaub im Alten Land. Stress, die Partie zu verpassen, machen sie sich nicht. „Das Interesse ist da, aber Fußball steht für uns nicht an erster Stelle“, sagt Frank. Stattdessen essen sie Fish and Chips und Fischbrötchen. Ihr Tipp: 2:0 oder 3:0 „für uns“.

Ungemütliches Wetter: Kurz vor Anpfiff am Lühe-Anleger.

Ungemütliches Wetter: Kurz vor Anpfiff am Lühe-Anleger. Foto: Scholz

19.00 Uhr, Lühe-Anleger: Anpfiff in den USA. Und hier an der Elbe? Fabian und Friederike aus Uelzen haben das deutsche Spiel kaum auf dem Zettel. Die beiden sind mit ihren Rennrädern einige Tage unterwegs, heute schon 130 Kilometer - trotz des ungemütlichen Wetters. Die WM verfolgt er nicht, sagt Fabian, auch aus politischen Gründen.

Friederike und Fabian machen Halt am Lühe-Anleger.

Friederike und Fabian machen Halt am Lühe-Anleger. Foto: Scholz

19.07 Uhr, Eissporthalle: Die Stimmung steigt, es wird lauter, die Masse fiebert bei einer Großchance mit. Dann trifft Nmecha zum 1:0. Arme werden hochgerissen, der Jubel ist kurz. Der Hallensprecher ist noch nicht ganz auf der Höhe, erst zwei Minuten später feiert er per Mikrofon: „Das erste Tor für Deutschland!“

Ausgleich! In der Eissporthalle wird es ruhig

19.11 Uhr, Lühe-Anleger: Aus dem Wohnmobil von Lucja und Slawomir aus dem Sauerland dringt die Kommentatorenstimme. „Deutschland führt schon 1:0“, erklärt Slawomir und schwenkt den Bildschirm in Richtung des Reporters. Die beiden kommen gebürtig aus Polen, doch Polen ist nicht dabei. „Jetzt hoffen wir auf Deutschland. Vielleicht ist das Viertelfinale drin“, sagt Lucja.

Lucja und Slawomir halten auf dem Rückweg aus dem Norwegen-Urlaub am Lühe-Anleger an.

Lucja und Slawomir halten auf dem Rückweg aus dem Norwegen-Urlaub am Lühe-Anleger an. Foto: Scholz

19.21 Uhr, Lühe-Anleger: Silvia und Arno aus Südhessen sind zum Schiffegucken an die Elbe gekommen. „Eigentlich schauen wir gerne Fußball“, sagt Silvia. Doch: „Die USA, die FIFA - so macht Fußball keinen Spaß“, ergänzt Köln-Fan Arno. Währenddessen zieht der Tanker Athenian Faith am Lühe-Anleger vorbei.

Einige Besucher kamen am Sonntag zum Schiffegucken an den Lühe-Anleger.

Einige Besucher kamen am Sonntag zum Schiffegucken an den Lühe-Anleger. Foto: Scholz

19.22 Uhr, Eissporthalle: Deutschland kassiert den Ausgleich. Es bleibt ruhig in Harsefeld, geschimpft wird wenig, einige schütteln mit einem Lächeln den Kopf.

19.22 Uhr, Lühe-Anleger: „Comenencia schraubt ihn ins deutsche Tor, aus dem Nichts“, tönt es nach dem 1:1 aus dem Radio. Auf dem Parkplatz an der Elbe stehen lediglich 20 Autos.

Kollektiver Jubel nach dem 3:1 - Wenig los in Buxtehude

19.32 Uhr, Eissporthalle: Der Hallensprecher ruft zwei Gewinner aus, sie sollen zur Technik kommen. Till Steffens und Tim Thesen haben im Vorfeld beim Torwandschießen gewonnen. Die beiden Eishockeyspieler der Harsefeld Tigers bekommen jeweils eine Zehnerkarte fürs Freibad. „Da war auch ein bisschen Glück dabei“, sagen sie lachend.

Till Steffens und Tim Thesen (rechts) haben beim Torwandschießen in der Eissporthalle gewonnen.

Till Steffens und Tim Thesen (rechts) haben beim Torwandschießen in der Eissporthalle gewonnen. Foto: Bröhan

19.39 Uhr, Eissporthalle: Die Masse reißt die Arme hoch, der DJ ist auf Zack. Das 2:1 für Deutschland wird lautstark gefeiert.

19.49 Uhr, Buxtehude: Am Petriplatz werden Bühne, Buden und Dixi-Klos abgebaut. Auf dem Boden liegen noch Bratwurstpappen und Becher - Überbleibsel des dreitägigen Altstadtfestes.

19.51 Uhr, Eissporthalle: Havertz verwandelt den zuvor schon laut bejubelten Elfmeter zum 3:1-Pausenstand. Neele ist zufrieden und genügsam: „So kann es bleiben“, sagt sie. Viele strömen an die frische Luft. Einige Eltern verlassen mit ihren jungen Kindern die Veranstaltung. Am Ausgang werden sie darauf aufmerksam gemacht, dass sie noch mal Eintritt zahlen müssten, wenn sie wiederkommen wollen.

„Früher war ich bei einer WM aufgeregter“

19.51 Uhr, Irish Pub: Halbzeit. Vor dem „Rebel‘s Choice“ in der Buxtehuder Altstadt versammeln sich die Raucher. „Drinnen ist auf jeden Fall Stimmung“, sagen Flo und Allegra. „Aber früher war ich bei einer WM aufgeregter“, gesteht Flo.

Das Irish Pub "The Rebel's Choice" in der Buxtehuder Altstadt.

Das Irish Pub "The Rebel's Choice" in der Buxtehuder Altstadt. Foto: Scholz

20.02 Uhr, Irish Pub: Drinnen sitzen 40 Leute, „ist in Ordnung, gerade nach drei Tagen Altstadtfest“, sagt Tim Franz vom Irish Pub. „In der K.o.-Runde hoffe ich auf mehr Euphorie.“

20.10 Uhr, VSV-Treff: Vor dem VSV-Treff, dem Vereinsheim der VSV Hedendorf/Neukloster, begrillt Luca Rosnau einige Gäste. Von drinnen ist Jubel zu hören. Einer zückt sein Handy und bestätigt: „Ja, das 4:1, von Musiala.“

Marko Rosnau, Betreiber des VSV-Treffs, zeigt die deutschen Spiele. Am Samstag wird auch der Nebenraum, in dem er hier sitzt, voll, weil sich Hedendorfer Fußballteams angekündigt haben.

Marko Rosnau, Betreiber des VSV-Treffs, zeigt die deutschen Spiele. Am Samstag wird auch der Nebenraum, in dem er hier sitzt, voll, weil sich Hedendorfer Fußballteams angekündigt haben. Foto: Bröhan

20.10 Uhr, Irish Pub: Jörg Guntermann aus Jork beklatscht das 4:1. Trotz der deutlichen Führung findet er den deutschen Auftritt durchwachsen. „Wir sind nach vorne nicht zwingend genug“, sagt er. Am Samstag wird er wieder hier sein, dann trifft Deutschland auf die Elfenbeinküste. Sein Titelfavorit ist Frankreich.

Jörg Guntermann aus Jork verfolgt die WM-Spiele im Irish Pub in der Buxtehuder Altstadt.

Jörg Guntermann aus Jork verfolgt die WM-Spiele im Irish Pub in der Buxtehuder Altstadt. Foto: Scholz

20.26 Uhr, VSV-Treff: Sané vergibt eine Großchance, die gut 50 Gäste stöhnen auf. Gastwirt Rosnau winkt ab und sagt: „Auswechseln.“ Er geht eine Zigarette rauchen.

Beim siebten Tor gibt Gastwirt Rosnau einen aus

20.34 Uhr, Buxtehude: Das 5:1 durch Brown. Aus der Kneipe Mirwald‘s am Geesttor dringt Jubel. Ansonsten sind in der Innenstadt kaum Menschen unterwegs.

Nach drei Tagen Altstadtfest ist wenig los am Sonntagabend in Buxtehude.

Nach drei Tagen Altstadtfest ist wenig los am Sonntagabend in Buxtehude. Foto: Scholz

20.37 Uhr, VSV-Treff: Rosnau raucht im Nebenraum und überlegt, eine Runde auszugeben, wenn auch noch das sechste Tor fällt. Und tatsächlich, kurz darauf trifft Undav zum 6:1. „Der trifft immer“, sagt ein VSV-Trainer. Rosnau klingelt mit seinem Glöckchen hinterm Tresen. „Beim siebten Tor gibt es eine Runde Nuss“, schreit er, manche klatschen.

Im VSV-Treff ist zum ersten Mal Public Viewing, weil es sonst eine traditionelle Veranstaltung im Dorf gab, die jetzt aber nicht mehr stattfindet.

Im VSV-Treff ist zum ersten Mal Public Viewing, weil es sonst eine traditionelle Veranstaltung im Dorf gab, die jetzt aber nicht mehr stattfindet. Foto: Bröhan

20.51 Uhr, VSV-Treff: Havertz trifft sehenswert zum 7:1. Die Kurzen gehen über den Tresen, die VSVer stoßen mit vielen ausgestreckten Armen an.

Wird die Stimmung weiter steigen?

20.56 Uhr, Westfleth-Passage: Im Restaurant Hoddows Gastwerk ist die Stimmung am Tisch neben dem Eingang ausgelassen. Weiße DFB-Trikots, schwarz-rot-goldene Deko und Klapperhände. Auf einem Fernseher über der Theke läuft das Spiel. „Wir schauen es zusammen mit Familie und Freunden“, erklärt Inhaber Christoph Hoddow. „2:0, 3:1, 5:0 - wir haben alle falsch getippt.“ Als Undav trifft, wird geklatscht, getrötet und gerasselt. „Der Undav steht immer richtig“, heißt es am Tisch. Hoddow selbst reist in dieser Woche in die USA und wird bei den deutschen Spielen vor Ort sein.

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20.59 Uhr, VSV-Treff: Abpfiff. Die Hedendorfer beklatschen den Sieg. Die WM-Stimmung ist schon gestiegen. Am Samstag ist das nächste Deutschland-Spiel und Kreispokal-Endspieltag. Die Ü30 und Ü50 der VSV sind dabei - und haben sich schon bei Rosnau angekündigt. Es wird sicherlich feucht-fröhlich.

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