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Zwei Selbstbedienungs-Hofläden stehen in einer Dorfstraße

Ina Osterholz vom „Hofladen Osterholz“ .

Ina Osterholz vom „Hofladen Osterholz“ .

Direkt nebeneinander liegen in Nottensdorf in der Dorfstraße Alte Eichen zwei Hofläden, die beide auf dasselbe System setzen: Der Kunde bedient sich selbst und zahlt, indem er den Betrag in eine Kasse steckt. Ina Osterholz vom „Hofladen Osterholz“ und Ulla Kossendey von „Ulla’s Lädchen“ haben damit gute Erfahrungen gemacht.

Von Sabine Lohmann Montag, 23.05.2016, 19:59 Uhr

Direkt nebeneinander liegen in Nottensdorf in der Dorfstraße Alte Eichen zwei Hofläden, die beide auf dasselbe System setzen: Der Kunde bedient sich selbst und zahlt, indem er den Betrag in eine Kasse steckt. Ina Osterholz vom „Hofladen Osterholz“ und Ulla Kossendey von „Ulla’s Lädchen“ haben damit gute Erfahrungen gemacht.

Eigenes Obst und Gemüse, Äpfel und Erdbeeren, Kartoffeln und Eier und vieles mehr gibt es im Hofladen von Hans-Jürgen und Ina Osterholz. Von 8 bis 8, auch sonnabends und sonntags, ist er geöffnet – möglich macht das die Selbstbedienung. „Bitte klingeln“ steht auf einem Schild im kleinen Verkaufsraum. Doch nicht immer taucht die Bäuerin auf. „Ich bin meistens hier, aber nicht immer“, sagt Ina Osterholz. Eine Kraft einzustellen, die den Hofladen offen hält, rechnet sich nicht. Auch Automaten sind für sie keine Option, dazu sei der Laden zu klein und abgelegen.

Den Hofladen gab es schon, als die Bauerntochter aus Grundoldendorf in die Osterholz’sche Landwirtschaft einheiratete. In der Beerensaison wurden an der Haustür eigene Erdbeeren verkauft, erinnert sich Ina Osterholz, damals saß ihre Schwiegermutter noch an der Kasse. Seit 15 Jahren wird selbstbedient. „Dahinter steht kein Konzept, es hat sich so ergeben.“ Nottensdorf wurde größer, das Sortiment „peu à peu“ erweitert, und die Bäuerin hatte keine Zeit, den ganzen Tag im Laden zu stehen.

Sie habe Vertrauen, dass ihre Kunden zahlen, sagt die 58-Jährige, „wir setzen darauf, dass die Menschen hier im Dorf ehrlich sind“. Die meisten Kunden kennt sie, sie kommen immer wieder. Und sie weiß, dass die Nottensdorfer das Selbstbedienungssystem gut finden. Nur so können sie am Sonntagmorgen noch Eier fürs Frühstück holen. Eine gute Lösung ist das System auch für Landwirt Hans-Jürgen Osterholz, in Altersteilzeit bei der Telekom beschäftigt. Der vier Hektar große Obsthof wird von ihm nur noch im Nebenerwerb bewirtschaftet. Der Hofladen sei das dritte Standbein, erzählt die Bäuerin. Der Vorteil: Bei der Selbstvermarktung der eigenen Früchte kassiert sie die Handelsspanne.

Auch im benachbarten Hofladen „Ulla’s Lädchen“ gibt es eine Kasse, eine Klingel und ein Schild. „Benötigen Sie Hilfe oder haben Sie Fragen, bitte klingeln.“ Dann kommt manchmal Ulla Kossendey aus dem Einfamilienhaus gegenüber, in dem sie zusammen mit der Familie ihres Sohnes wohnt. Die 69-Jährige ist keine Landfrau, sondern stammt aus Hamburg, zog vor fast fünf Jahrzehnten in das Haus, das ihr Mann Anton Kossendey, gebürtiger Schragenberger und Prokurist bei ThyssenKrupp Schulte in Hamburg, in dem damals noch ländlich-bäuerlichen Nottensdorf gebaut hatte. Vor drei Jahren richteten sie den Hofladen ein. Ein Jahr später starb er, seitdem kümmert sich die Witwe allein um den Hofladen. Obst und Gemüse liefern ihre Tochter, die mit einem Obstbauern im Alten Land verheiratet ist, und befreundete Landwirte. In kleinen Holzkisten an der Wand bietet sie Marmeladen, Säfte und Honig von eigenen Bienen an. Nur der Alkohol ist eingeschlossen. In einem Glasschrank stehen Apfelsaftboxen, Obstler, Apfelsecco, Fruchtweine.

Auf einer großen Waage können Kunden auch kleine Mengen Obst abwiegen. Ulla Kossendey macht es vor: Bei einem Kilopreis von einem Euro kostet ein 160 Gramm leichter Apfel 16 Cent. Zu zahlen in die Kasse – ein zweckentfremdeter Briefkasten. Aus einer kleinen Schale können sie sich Wechselgeld nehmen. Ansonsten notieren sie, was noch zu zahlen ist oder sagen Bescheid. „Muss zweimal Eier bezahlen“ hat eine „Heike“ auf einen kleinen Zettel gekritzelt.

„Es klappt gut“, sagt Ulla Kossendey, „es lohnt sich, der Umsatz ist gut.“ Ihre Kunden seien Menschen aus dem Dorf, vor allem mobile ältere Menschen aus den beiden Altenheimen, selten Touristen. Ulla Kossendey vertraut ihren Kunden. „Man darf nicht misstrauisch sein, sonst hat es keinen Sinn.“ Sie sieht nur Vorteile: Sie hat eine Aufgabe, die sie in ihrem Alter in Bewegung hält, ohne sie ans Haus zu binden. Sie kann in Ruhe zum Sport fahren und sich mit Freundinnen treffen – und zwischendurch immer mal wieder die Kisten in ihrem Lädchen auffüllen.

Trickreiche Diebe
Kartoffel-Klau: Kamera zur Überwachung

LANDKREIS. Bloß nicht noch mit Namen in die Zeitung, nicht noch mehr von denen anlocken, die gleich die ganze Kasse mitnehmen. Der Betreiber eines kleinen Kartoffel-SB-Häuschens in der Nähe von Stade winkt bei der TAGEBLATT-Anfrage ab. Dass Kartoffelsäcke nicht bezahlt werden, dass statt Münzen auch mal Knöpfe in der Kasse landen, das sei normal, erzählt er. Aber er hat auch schon andere Erfahrungen gemacht und seitdem eine Aufrüstungskampagne hinter sich.
„Die Kassen wurden aufgebrochen. Also habe ich eine stabilere gebaut und gedacht, nun ist Ruhe.“ Aber auch diese Kasse wurde aufgebrochen. „Dann schraubst du die noch mal richtig an und denkst, das passiert nicht wieder.“ Es passierte aber doch. „Dann baust du eine, die noch nicht mal mit dem Bolzenschneider aufzubrechen ist und denkst, das passiert nicht wieder.“ Doch weit gefehlt: Die Diebe nahmen die fest verschraubte Kasse mit – samt Regal. Dabei hält sich die Summe der Diebstähle in Grenzen, schließlich wird die Kasse täglich geleert, eine Kamera überwacht das nah am Wohngebäude des Betreibers stehende Holzhäuschen. „Im Moment ist es eher ruhig“, sagt er und hofft, dass das andauert. (gh)

 

Ulla Kossendey von „Ulla’s Lädchen“ .

Ulla Kossendey von „Ulla’s Lädchen“ .

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