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Acht Todesfälle 2025

TA26, B73, E-Bike-Unfälle: So gefährlich ist es im Verkehr im Kreis Stade

Im April 2025: An der Kreuzung Bahnhofstraße/Wallstraße in Stade kam es zu einem Zusammenstoß.

Im April 2025: An der Kreuzung Bahnhofstraße/Wallstraße in Stade kam es zu einem Zusammenstoß. Foto: Polizei Stade

„Auf der A26 kracht es aber häufig“ oder „Typisch, wieder sind Senioren schuld“: Im Straßenverkehr halten sich gefühlte Wahrheiten - welche zutreffen, verrät die Statistik.

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Von Tim Parge
Donnerstag, 16.04.2026, 20:16 Uhr

Landkreis. Es ist längst kein Zufall, dass im April die bundesweite Kontrollwoche der Polizei im Straßenverkehr, der sogenannte Blitzermarathon, stets zusammenfällt mit der Veröffentlichung der Unfallzahlen in den niedersächsischen Polizeiinspektionen (PI). Das Signal: Angesichts weiterhin hoher Unfall- und Verletztenzahlen sind schärfere Kontrollen absolut notwendig.

Das zeigt auch die Bilanz für den Landkreis Stade. Auf den Straßen im Kreis hat es im Jahr 2025 mit insgesamt 4992 Unfällen ein neues Zehn-Jahres-Hoch gegeben. Das berichtet die PI Stade in ihrer Verkehrsunfallstatistik. Das sind 245 Unfälle mehr als im Jahr 2024 (4747).

„Die neuerliche Zunahme stellt einen ernstzunehmenden Trend dar, der sowohl auf ein gestiegenes Verkehrsaufkommen, neue Mobilitätsformen, aber auch auf individuelles Fehlverhalten zurückzuführen ist“, beklagt Polizeidirektor Wilfried Reinke, Leiter Einsatz der PI Stade.

Weitere Kennzahlen:

  • Acht Menschen verloren im vergangenen Jahr bei sechs Unfällen ihr Leben. Dabei war niemand jünger als 18 Jahre.
Die Zahl der Verkehrstoten in der Zehn-Jahre-Schau.

Die Zahl der Verkehrstoten in der Zehn-Jahre-Schau. Foto: Verkehrsunfallstatistik PI Stade

Das mit drei Toten tragischste Unglück ereignete sich im November 2025 auf der Landesstraße 111 auf Höhe Grauerort. Dort kam ein junger Mann mit seinem BMW nach einem Überholvorgang mit überhöhter Geschwindigkeit in den Gegenverkehr und stieß mit einem Lkw zusammen. Der 24-jährige Mann aus Drochtersen und seine beiden Mitfahrerinnen (26 und 62 Jahre) starben noch an der Unfallstelle.

  • Ebenso wie die Gesamtzahl ist die Zahl der Unfälle mit Verletzten gestiegen. 786 Menschen (+46 im Vergleich zu 2024) verletzten sich den Angaben zufolge leicht, 102 Verkehrsteilnehmer (+9) im Landkreis Stade schwer.

  • Etwa ein Viertel aller Unfälle passierte im ruhenden Verkehr oder beim Ein- und Ausparken. Dazu passt: Ebenfalls bei knapp einem Viertel ist ein Beteiligter unerlaubt vom Unfallort geflüchtet. Das ist also bei mehr als 1000 Karambolagen der Fall. Damit werden im Landkreis Stade statistisch gesehen drei Fahrerfluchten täglich begangen. Dies stellt eine Straftat dar, die mit Geldstrafe oder drei Jahren Gefängnis geahndet werden kann.

Behauptung: Auf der Autobahn 26 kracht es sehr häufig

Der Eindruck trügt offenbar nicht. Zwar heißt es von Stades Polizeisprecher Rainer Bohmbach, die Autobahn zwischen Stade und Neu Wulmstorf, auf der es kein Tempolimit gibt, sei kein Unfallschwerpunkt. Vielmehr seien unaufmerksame und nicht umsichtige Fahrer und Fahrerinnen schuld am Unfallgeschehen. So hat es im vergangenen Jahr 115 Unfälle auf der A26 gegeben - so viele wie auch 2024; statistisch jeden dritten Tag einer.

Gestorben ist auf der Autobahn 2025 zwar niemand. Mit 7 schwer verletzten und 35 leicht verletzten Verkehrsteilnehmern ist jedoch ein neuer Höchstwert aufgestellt worden. Die entsprechende Berichterstattung dazu dürfte den Eindruck eines erhöhten Unfallgeschehens verstärken.

Vor allem die Zahl der Verletzten bei Unfällen auf der A26 hat sich deutlich erhöht.

Vor allem die Zahl der Verletzten bei Unfällen auf der A26 hat sich deutlich erhöht. Foto: Verkehrsunfallstatistik PI Stade

Behauptung: In der Hansestadt Stade kommt es häufiger zu Unfällen als in Buxtehude

Ja, das stimmt. Von allen knapp 5000 Unfällen entfallen laut Polizeistatistik 34 Prozent auf das Stadtgebiet der Hansestadt Stade, 21 Prozent aller Zusammenstöße ereigneten sich im Buxtehuder Stadtgebiet.

Überhaupt gilt: Rund 70 Prozent der Unfälle geschehen innerhalb, 30 Prozent außerhalb geschlossener Ortschaften.

Behauptung: Hauptunfallursache ist Raserei

Polizeisprecher Bohmbach weiß: „Bei Verkehrsunfällen mit Schwerverletzten oder Toten war nicht angepasste oder überhöhte Geschwindigkeit die häufigste Ursache.“ Bei der Mehrzahl der Unfälle sei jedoch wie im Vorjahr ungenügender Abstand, der häufig zu Auffahrunfällen führe, ausschlaggebend.

Zunehmend stellten Polizisten im Landkreis auch Ablenkung am Steuer fest – vor allem durch Smartphones. Dies führe zu gefährlichen Situationen und Unfällen.

  • Positiv in der Entwicklung: Die Zahl der Unfälle, bei denen ein Fahrer unter Alkoholeinfluss stand, sank auf 63 (-22). Einfluss von Cannabis (THC) wurde bei sieben Unfällen festgestellt, Einfluss von anderen Betäubungsmitteln oder Medikamenten bei sechs. Wichtig: Dies sagt nichts darüber aus, wie viele Auto- oder Lkw-Fahrer die Polizei bei Trunkenheitsfahrten erwischt hat.
  • Erstaunlich hoch: Bei 900 (!) Unfällen war kreuzendes Wild ursächlich. Das sind runtergebrochen knapp drei Wildunfälle täglich im Kreis. Am häufigsten kam es laut Polizeistatistik in den Gebieten der Hansestädte Buxtehude und Stade sowie in den Samtgemeinden Harsefeld und Fredenbeck zu Wildunfällen.

Behauptung: Senioren verursachen mehr Unfälle als jüngere Verkehrsteilnehmer

Das stimmt mit Verweis auf die Statistik nicht. So sei die Gruppe der Fahranfänger (18 bis 24 Jahre) wie im Vorjahr mit knapp 18 Prozent am Gesamtunfallgeschehen beteiligt. 148 (+27) junge Erwachsene seien verletzt worden, 17 von ihnen schwer. Bohmbach: „Hauptunfallursache bei den jungen Fahrenden ist ungenügender Sicherheitsabstand, gefolgt von überhöhter Geschwindigkeit.“

Zum Vergleich: Insgesamt wurden im Kreis Stade 194 (+64) Senioren (ab 65 Jahre) bei Unfällen verletzt, 39 schwer. Senioren seien zu 22 Prozent am Unfallgeschehen beteiligt. Hier seien auch am häufigsten Abstände nicht eingehalten worden, dazu kämen Fahrfehler beim Wenden

und Rückwärtsfahren sowie die Missachtung von Vorfahrtsregelungen.

Im Juli 2025 geriet ein 67-jähriger Autofahrer auf der B73 in Buxtehude in den Gegenverkehr und stieß mit einem entgegenkommenden Auto frontal zusammen. Der 40-jährige Fahrer wurde dabei tödlich verletzt.

Auf der B73 kollidierte ein Toyota mit einem VW eines Pflegedienstes. Ein 40-Jähriger starb einen Tag später an seinen Verletzungen.

Auf der B73 kollidierte ein Toyota mit einem VW eines Pflegedienstes. Ein 40-Jähriger starb einen Tag später an seinen Verletzungen. Foto: Hellwig

Im November 2025 überquerte eine 77-jährige Fußgängerin die Harburger Straße in Buxtehude und übersah dabei einen von rechts kommenden Pkw, wurde frontal erfasst und erlag ihren Verletzungen.

Behauptung: Immer mehr E-Bikes bedeuten auch schwerere Verletzungen

Niedersachsenweit hat es einen Anstieg tödlich verunglückter Fahrradfahrer um fast 30 Prozent auf 63 Tote gegeben. „Besorgniserregend“, wie Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens bilanzierte. Über die Hälfte der Getöteten sei mit einem E-Bike mit Tretunterstützung von bis zu 45 km/h unterwegs gewesen. Zwei Drittel waren im Seniorenalter, zwei Drittel trugen zudem keinen Helm.

Für Stade ergibt sich ein weniger dramatisches Bild. Im Landkreis nahm die Polizei 192 Unfälle auf, ähnlich viele (+6) wie im Jahr zuvor. Auch die Verletztenzahlen blieben nahezu gleich: 129 (+4) Leichtverletzte, 12 (-1) Schwerverletzte. Zu tödlichen Verletzungen kam es nicht. Mehr als die Hälfte der Unfälle entfällt auf E-Bikes und S-Pedelecs mit Tretmotor von bis zu 25 beziehungsweise 45 km/h. Polizeisprecher Bohmbach betont: Bei E-Bike-Unfällen seien alle Altersgruppen „von 6 bis 94 Jahren“ vertreten gewesen. Knapp 90 Prozent der Radfahrer seien im Kreis Stade innerhalb geschlossener Ortschaften verunfallt.

  • 144 Mal (+31) verunglückten Motorradfahrer. Die Zahl der Schwerverletzten stieg von 18 auf 21, die der leicht verletzten Kradfahrer von 53 auf 67.

Ein 26-jähriger Motorradfahrer aus Balje ist im August 2025 gestorben. Er wollte ein Trecker-Gespann überholen, obwohl dieses zum Linksabbiegen ansetzte. Der Suzuki-Fahrer prallte in die Front des Traktors.

Behauptung: E-Scooter-Fahrer tragen deutlich zum Unfallgeschehen bei

Eine Entwicklung, die wohl ein klares Ja verdient. Die Zahl der Unfälle mit E-Scootern hat sich im Kreis Stade im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Bei insgesamt 86 Unfällen (+36) verletzten sich 47 Menschen leicht, 2 schwer. Laut Bohmbach waren bei der Hälfte der Unfälle Minderjährige beteiligt. Kontrollen von E-Scooter-Fahrern seien bereits ausgeweitet worden, heißt es von Polizeidirektor Reinke.

  • Insgesamt ist die Zahl verletzter Kinder (0 bis 14 Jahre) im Straßenverkehr leicht gestiegen. 71 Kinder (+5) wurden verletzt, sieben von ihnen schwer. Die Zahl der Schulwegunfälle sank auf 13 (-8).

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