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Elbe Klinikum

TDer Mann fürs Knie: Dr. Körner verabschiedet sich - aber nicht so ganz

„Das Knie ist mein Organ geworden“: Dr. Hans-Wolfram Körner am Dienstag im OP des Buxtehuder Elbe Klinikums.

„Das Knie ist mein Organ geworden“: Dr. Hans-Wolfram Körner am Dienstag im OP des Buxtehuder Elbe Klinikums. Foto: Scholz

Er hat Tausende Knie operiert und ist in Buxtehude fast jedem bekannt. Nach über 33 Jahren hört Hans-Wolfram Körner auf. Mit seiner Nachfolgerin stand er bereits im OP.

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Von Tim Scholz
Dienstag, 13.01.2026, 19:15 Uhr

Buxtehude. Wer gedacht hatte, Dr. Hans-Wolfram Körner stünden ruhige letzte Arbeitstage bevor, hat sich geirrt. Schnee und Glätte haben noch einmal für volle OP-Pläne und volle Betten gesorgt. „Brüche, Brüche, Brüche“, sagt Körner. An diesem Donnerstag wird er zum letzten Mal im Operationssaal stehen - nach mehr als 33 Jahren am Elbe Klinikum Buxtehude.

Seit Oktober 1992 ist der gebürtige Goslarer dort tätig, zuletzt als Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin. Er sei „Vollblutchirurg“, sagt er, einer, der nie viel Aufhebens um seine Person gemacht hat. „Ich bin eher preußisch unterwegs“, sagt er. „Ich will, dass die Arbeit für mich spricht.“

Heutiger Bayern-Profi ließ sich von Körner behandeln

Dass sie das offenbar getan hat, zeigt sich immer wieder. Kürzlich, bei einer Talkrunde in Buxtehude, hob ein Großteil des Publikums die Hand auf die Frage, wer schon einmal von Körner behandelt worden sei. Gehe er durch die Fußgängerzone, erkenne er so manchen, „den ich mal aufgeschnitten habe“, scherzte der 66-Jährige. Zu seinen Patienten zählten auch Spitzensportler wie Fußball-Nationalspieler Jonathan Tah.

Körner beim Talk „Menschen des Jahres 2025“ im Modehaus Stackmann.

Körner beim Talk „Menschen des Jahres 2025“ im Modehaus Stackmann. Foto: Sulzyc

Körners Weg nach Buxtehude war eine bewusste Entscheidung - „gegen die Karriere und für die Familie“, erklärt er. Zuvor lebte er zwölf Jahre mit seiner Frau Rita, einer Juristin, im Ruhrgebiet, arbeitete am Klinikum Velbert mit der größten Allgemeinchirurgie Nordrhein-Westfalens. „Eigentlich war alles stimmig.“

Als ihre ersten beiden Kinder geboren wurden, suchten sie ein „Häuschen“, doch die seien unbezahlbar gewesen, erzählt Körner. Also zogen sie in die Heimat seiner Frau, ins Alte Land. „Uns war die Familie wichtiger als das eigene Ego.“

„Meine Bewerbung lag ganz oben auf dem Stapel“

Er bewarb sich damals „blind“ in Buxtehude und Stade, bekam zunächst Absagen. Später, als eine Stelle in Buxtehude frei wurde, hatte er scheinbar Glück. „Meine Bewerbung lag ganz oben auf dem Stapel“, so Körner.

Er lernte vor allem von Dr. Gert Junker und entwickelte sich vom Allgemeinchirurgen zum Spezialisten für Orthopädie und Unfallchirurgie. „Das Knie ist mein Organ geworden“, sagt Körner. Ein hochkomplexes Gelenk, ein eigener Kosmos.

„Das Knie ist mein Organ geworden“, sagt Körner. Am Dienstag haben er und sein Team drei Knieprothesen eingesetzt.

„Das Knie ist mein Organ geworden“, sagt Körner. Am Dienstag haben er und sein Team drei Knieprothesen eingesetzt. Foto: Scholz

Unter seiner Leitung entwickelte sich das Elbe Klinikum zu einer überregional renommierten Adresse für Kniechirurgie. Rund 40.000 Knieoperationen wurden in den vergangenen 30 Jahren in Buxtehude durchgeführt, jährlich werden fast 1000 Endoprothesen implantiert. Das Haus ist Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung - „Champions League“, wie Körner es einst formulierte.

Ein Beruf „irgendwo zwischen Uhrenmacher und Tischler“

Medizinisch hat sich in dieser Zeit vieles verändert: von beschlagener Arthroskopie-Optik hin zu hochauflösenden Bildern und einer präziseren Operationsplanung. Inzwischen werden die Chirurgen beim Implantieren künstlicher Kniegelenke von einem OP-Roboter unterstützt. „Die Technik ist heute nicht mehr vergleichbar“, sagt Körner.

Und doch sei vieles weiterhin Handarbeit. Nicht umsonst sprach er vor einigen Jahren bei der Chirurgie vom „goldenen Handwerk“: „Der Beruf bewegt sich irgendwo zwischen Uhrenmacher und Tischler.“

Als Chefarzt kennt Körner aber auch die andere Seite: Bürokratie, Meetings, wirtschaftlicher Druck. Besonders kritisch sieht er im Gesundheitswesen den Spagat zwischen Ethik und Ökonomie.

„Man soll moralisch einwandfrei und gleichzeitig profitabel sein“, sagt er. Gerade für Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung sei das schwierig, anders als für hoch spezialisierte Kliniken. „Ich finde es schade, dass es zu viele Rosinenpicker gibt“, sagt er.

Chefarzt Dr. Hans-Wolfram Körner am Dienstag im OP des Buxtehuder Elbe Klinikums.

Chefarzt Dr. Hans-Wolfram Körner am Dienstag im OP des Buxtehuder Elbe Klinikums. Foto: Scholz

Die Belastung des Berufs hat Körner nie beschönigt. Beginn um 7.15 Uhr, Feierabend zwischen 17 und 19 Uhr. 50 bis 80 Stunden pro Woche, Nachtarbeit, ständige Verantwortung. „Das geht gegen die eigene Gesundheit“, sagt er, und weiß, wovon er spricht. Studien zeigen eine geringere Lebenserwartung bei Chirurgen. Sport war für ihn immer ein Ausgleich: Joggen, mittlerweile auch Golf.

Ruhestand? Das ist Doc Körners Plan für die Zukunft

Privat ist Körner Vater von vier Kindern, allesamt Mediziner, und fünffacher Großvater. Zeit mit den Enkeln ist ihm wichtig. Als Mannschaftsarzt des Buxtehuder SV hörte „Doc“ Körner im Sommer nach mehr als drei Jahrzehnten auf. Freien Eintritt bei den Heimspielen hat er auf Lebenszeit, hat es aber noch nicht in die neue Arena geschafft. „Ich bin viel mit den Enkeln unterwegs.“

Körner dürfte in den vergangenen Jahrzehnten nahezu jede BSV-Spielerin behandelt haben.

Körner dürfte in den vergangenen Jahrzehnten nahezu jede BSV-Spielerin behandelt haben. Foto: Jan Iso Jürgens

Ganz zur Ruhe wird sich Körner dennoch nicht setzen. Ihm liegen einige Angebote vor, er wolle die aber noch „sondieren“. Was schon feststeht: Künftig werde er zusammen mit seinem Sohn operieren, sagt Körner, der sei niedergelassener Arzt in Lübeck und ebenfalls Experte für das Knie.

Warum seine Nachfolgerin die richtige Wahl ist

Seine Nachfolgerin in Buxtehude steht bereits fest: Dr. Karina Bohlen, Leitende Oberärztin an der Schön-Klinik in Hamburg-Eilbek, die sich laut Körner international einen Ruf in der robotischen Kniechirurgie erarbeitet hat. Gemeinsam standen sie bereits im OP. „Menschlich und fachlich passt sie hervorragend hierher“, sagt er.

Am Donnerstag wird Körner noch zwei Knie operieren und ein letztes Mal den OP im Buxtehuder Elbe Klinikum verlassen, vielleicht mit dem Gefühl, den Beruf gewählt zu haben, der am besten zu ihm passt. Körner: „Ich würde alles wieder so machen.“

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