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Handball-Bundesliga

TGegen den Trend: Wie der BSV junge Fans in die Halle Nord locken will

Die Immenbecker Fußballer waren in dieser Saison bereits zweimal in der Halle Nord und wollen wiederkommen.

Die Immenbecker Fußballer waren in dieser Saison bereits zweimal in der Halle Nord und wollen wiederkommen. Foto: Jan Iso Jürgens

Sterben die Handball-Fans aus? Beim BSV-Fanclub liegt der Altersdurchschnitt bei 62 Jahren. Der Verein hingegen beobachtet einen gegenteiligen Trend auf der Tribüne.

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Von Tim Scholz
Dienstag, 07.04.2026, 07:50 Uhr

Buxtehude. Auf der Gegengerade der Halle Nord sitzt eine Gruppe junger Männer. Anfang 30, Fußballer aus Immenbeck, Becher Bier in der Hand. Es ist ihr zweiter Besuch bei einem BSV-Heimspiel in dieser Saison. „Es ist schon cool, dass es hier Bundesliga-Handball gibt. Da sollte man das auch miterleben“, sagt Marco Scholz.

Mirco Poppe steht neben ihm, er ist HSV-Fan, häufig im Volksparkstadion - und trotzdem gerne in der deutlich kleineren Halle Nord. Wegen der Akustik und der Atmosphäre. „Selbst bei zehn Toren Rückstand wird die Mannschaft hier nach vorne gepeitscht.“

Für den BSV dürften die Kicker aus Immenbeck eine interessante Zielgruppe sein. Denn immer wieder wird öffentlich die Frage diskutiert, wie zuletzt in einem Kommentar im „Hamburger Abendblatt“: Sterben die Handball-Fans aus?

Handballikone fordert mehr Lifestyle und Starkult

Offizielle Statistiken über das Alter des Publikums gibt es nicht, auch nicht beim BSV. Aber hier lässt sich beobachten, dass es eher älter ist. Wie in vielen anderen Hallen der Frauen- und Männer-Bundesliga hält sich dieser Eindruck hartnäckig.

Häufig werden zum Beweis TV-Quoten herangezogen. Bei Länderspielen im Free-TV ist ein großer Teil der Zuschauer über 60 Jahre alt. Handballikone Stefan Kretzschmar fordert deshalb immer wieder, den Sport für junge Menschen attraktiver zu machen. Mehr Lifestyle, mehr Starkult, mehr Präsenz in den sozialen Medien.

Die Fanclub-Vorsitzende Christine Haase.

Die Fanclub-Vorsitzende Christine Haase. Foto: privat

Fragt man beim BSV-Fanclub „Has‘ und Igel“ nach, bestätigt sich das Bild teilweise. Der Altersdurchschnitt liegt bei 62 Jahren. Auch bei anderen Vereinen sieht es ähnlich aus - etwa beim Fanclub der Füchse Berlin, wo nur 25 der 210 Mitglieder jünger als 30 sind.

Warum viele Fans älter sind

Der BSV-Fanclub hat rund 140 Mitglieder. Die Vorsitzende Christine Haase ist mit Anfang 40 Jahren selbst vergleichsweise jung und sagt: „Einen typischen Frauenhandball-Fan gibt es nicht.“ Die Mitglieder seien zwischen 13 und 90 Jahre alt, Männer und Frauen etwa gleich verteilt.

Warum der Schnitt dennoch hoch ist? „Ich glaube, das hängt auch mit Vereinsmeierei zusammen. Die Jugend hat darauf weniger Lust“, sagt Haase. Gemeinschaft finde heute oft anders statt - in kleineren Gruppen oder digital. Auch finanzielle Fragen könnten eine Rolle spielen. „Viele überlegen sich genau, wofür sie ihr Geld ausgeben.“

Und weiter: „Vielleicht fragen sich auch viele: Was wird in einem Fanclub überhaupt von mir erwartet?“ Die Fanclub-Mitglieder machen sich Gedanken, wie man jüngere Menschen erreichen kann. „Wir haben viele Ideen, hilft aber nicht“, sagt Haase.

Zeichnet sich in Buxtehude ein anderer Trend ab?

BSV-Geschäftsführer Timm Hubert beobachtet dagegen einen Wandel auf der Tribüne der Halle Nord. „Ich würde sagen, dass sich bei uns eher ein gegenteiliger Trend abzeichnet.“

Die BSV-Geschäftsführer Timm Hubert (links) und Peter Prior.

Die BSV-Geschäftsführer Timm Hubert (links) und Peter Prior. Foto: Jan Iso Jürgens

Zahlen über das Alter der Zuschauer erhebt der BSV zwar nicht, „aber wir kennen unser Publikum ganz gut“, sagt er. Früher seien viele Dauerkarten „vererbt“ worden, das Publikum entsprechend älter gewesen. Heute wollten sich viele nicht mehr langfristig binden. „Die kommen lieber zu fünf Spielen pro Saison, kaufen dafür gerne ein teureres Ticket, trinken ein Bier und essen eine Bratwurst“, erklärt Hubert.

Vor allem junge Familien rücken aus Sicht des BSV in den Fokus. „Die wollen ein Erlebnis haben, mit Spannung und Wohlfühlfaktor“, sagt Hubert. Auch der Kinder- und Jugendblock sei dank der großen Nachwuchsabteilung und der „starken“ Handballregion meist gut gefüllt. Rabattaktionen helfen dabei.

Neue Halle, neue Möglichkeiten

Zuversicht herrscht beim BSV auch wegen der neuen Arena. „In der Halle ist ein ganz anderes Handball-Erlebnis möglich“, sagt Hubert. Der Verein arbeitet weiter am Entertainment, will den Einsatz von Ton- und Lichttechnik verbessern, mehr Showacts einbinden und der Halle mehr „BSV-Charakter“ verleihen. „Da haben wir noch Potenzial.“

Mit dem Zuspruch ist der BSV bisher zufrieden: Im Schnitt 1332 Zuschauer pro Partie bedeuten Platz fünf in der Liga. In allen Heimspielen kamen jeweils mehr als 1000 Fans, viermal war die Halle mit 1500 Plätzen ausverkauft - zuletzt am vergangenen Samstag im letzten Hauptrundenspiel gegen Halle-Neustadt (29:30).

Viel Luft nach oben in den sozialen Netzwerken

Gleichzeitig will der BSV verstärkt auf Social Media setzen, etwa über seinen TikTok-Kanal. „Wir wollen weitere Formate entwickeln, zum Beispiel mehr Einblicke ins Training geben“, erklärt Hubert. „Natürlich achten wir auf die Privatsphäre. Aber die Spielerinnen müssen sich auch bewusst sein, dass eine gewisse Nähe zur Community dazugehört.“

Kollektiver Jubel: Zuletzt war die Halle Nord meistens ausverkauft.

Kollektiver Jubel: Zuletzt war die Halle Nord meistens ausverkauft. Foto: Jan Iso Jürgens

Auch Handball-Reporter Finn-Ole Martins vom Sender „Dyn“ sieht bei den Aktivitäten der Vereine in den sozialen Netzwerken noch „viel Luft nach oben“, wie er kürzlich im Podcast des VfL Oldenburg sagte. Martins nimmt Clubs und Spielerinnen in die Verantwortung, „die Leute auf Social Media mitzunehmen und zu zeigen, was es ausmacht, Handball zu spielen, und sie dafür zu begeistern“.

Das sagen die Fans zu den teuren Tickets

Ein weiteres Diskussionsthema bleiben auch die Ticketpreise. Mit über 30 Euro für die teuerste Karte gehört Buxtehude zu den Spitzenreitern der Liga. „Wir haben die Preise trotz höherer Kosten nicht erhöht und wollen versuchen, sie zu halten.“ Rund 20 Prozent des Budgets stammen aus Ticketeinnahmen.

Dass der Preis nicht zwingend abschreckt, zeigen die Immenbecker Fußballer. Sie zahlten 23 Euro. „Für die neue Halle ist das voll okay“, sagt Marco Scholz. Und Mirco Poppe ergänzt: „Es wird nicht das letzte Mal sein, dass wir hier sind.“

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