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Mutmaßlicher Dealer

TLandgericht Stade: Opfer des brutalen Überfalls in Hechthausen sagt aus

Der Überfall in Hechthausen am 25. Mai wird zurzeit vor dem Landgericht Stade verhandelt.

Der Überfall in Hechthausen am 25. Mai wird zurzeit vor dem Landgericht Stade verhandelt. Foto: Vasel

Fünf Angeklagte müssen sich für einen brutalen Überfall auf einen mutmaßlichen Dealer in Hechthausen verantworten. Gewalt, Waffen und Drogen rücken in den Fokus.

Von Wiebke Kramp Mittwoch, 07.01.2026, 05:50 Uhr

Hechthausen. Das Opfer des Überfalls wird mit Handschellen in den Stader Gerichtssaal geführt. Er sitzt zurzeit in der JVA Vechta ein und muss sich wegen Drogendelikten verantworten. In diesem Fall aber ist er der Zeuge und Leidtragende.

Mit ruhiger Stimme und sichtlich emotionslos beschreibt der schmächtige, arbeitslose Mann aus Hechthausen vor der 3. Großen Strafkammer Szenen, die wie ein Krimi anmuten.

Die vier oder fünf maskierten Angreifer hatten es offensichtlich bei ihm gezielt auf Drogen und Bargeld abgesehen, nachdem sie am 25. Mai 2025 in Hechthausen abends in die Wohnung des 37-jährigen mutmaßlichen Dealers in Hechthausen eingedrungen waren.

Opfer wird mit Waffen bedroht und geschlagen

Sie bedrohten den Mann mit Waffen, schlugen ihn mit Fäusten und durchsuchten seine Wohnung. Zuvor hatten sie bereits seinen 60-jährigen Nachbarn brutal überfallen. Außerdem wurden zwei weitere Nachbarn bedroht.

In diesem Prozess vor der 3. Großen Strafkammer des Landgerichts Stade geht es um Waffen, Drogen und Gewalt. Der Tatvorwurf lautet gemeinschaftlich schwerer Raub, gefährliche Körperverletzung und Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge.

Für diese Taten müssen sich vier Männer zwischen 20 und 30 Jahren verantworten. Ein mutmaßlich Beteiligter ist flüchtig. Einem weiteren Angeklagten wird vorgeworfen, als Informant gedient zu haben, der später einen Teil der Beute erhalten sollte.

Er habe an diesem Abend am PC gespielt und dabei das Headset aufgehabt, schildert das 37-jährige Überfallopfer vor Gericht. Als er ein Geräusch bemerkte, habe er die Kopfhörer abgenommen und mitbekommen, dass mehrmals gegen die Haustür getreten wurde.

Anschließend will er gehört haben, dass gesagt wurde, es hintenrum zu versuchen. Als versucht worden sei, die Terrassentür einzudrücken und die Scheibe mit dem Teleskopschlagstock einzuschlagen, lief er vorn zur Haustür heraus.

Zwei Pistolen an den Kopf gehalten

„Irgendjemand hat mich dort zu Boden gebracht, einer hat sich auf mich draufgesetzt und ein paarmal zugeschlagen.“ Auch Pfefferspray soll eingesetzt worden sein. Den tätlichen Angriff überstand er körperlich relativ unbeschadet.

Anschließend hätten ihn zwei Leute in seine Wohnung gezogen. Dort fielen Fragen wie: „Wo sind deine Sachen, deine Drogen, dein Geld?“ Dabei seien ihm zwei Pistolen - eine schwarze und eine helle - an den Kopf gehalten worden. Wie viele der vermummten Angreifer sich genau in seinem Wohnzimmer aufgehalten haben, vermochte er nicht zu sagen. „Das ganze Wohnzimmer war voll. Es könnten fünf gewesen sein.“ Bedroht worden sei er mit den beiden besagten Pistolen, dem Schlagstock sowie einer Machete.

Ob er eine Idee habe, wie die Leute ausgerechnet auf ihn gekommen seien? Der Hechthausener mutmaßt, dass einer der Angeklagten, ein 21-jähriger Hechthausener, dafür verantwortlich sei. Denn dieser habe ihn später selbst darauf angesprochen.

Ohne jeglichen Groll zu zeigen, erläutert der Überfallene: „Er hat mich beim Dönerladen rausgeholt und gesagt, ich werde es ohnehin erfahren, dass er den Leuten meine Adresse gegeben hat.“ Er habe gemeint, dass sich die Täter gegenseitig verpfiffen hätten und bei der Polizei auch sein Name gefallen sei.

Spritzen im Wert von fast 26.000 Euro erbeutet

Als Richter Hase fragt, ob er daraufhin nicht sauer geworden sei, meint er ruhig: „Er hat sich ja bei mir entschuldigt.“ Diese Entschuldigung erneuert dieser Angeklagte vor Gericht, ebenso wie zwei 20-jährige Angeklagte, die betonen, es tue ihnen leid.

Gestohlen worden seien beim Überfall sein Laptop, ein Bodybag mit Portemonnaie mit EC-Karte und etwa 300 Euro Bargeld sowie aus dem Kühlschrank ihm ärztlich verschriebene Rheuma-Medikamente mit zwei Spritzen im Wert von fast 26.000 Euro.

Zerstört worden seien sein Handy und Fernseher. Seinen verschwundenen Laptop hätte er gerne wieder, sagt der Hechthausener dem Kammergericht, weil darin alle seine Passwörter abgespeichert seien.

Ob und welche Drogen wegkamen, steht bei seiner Befragung jedoch nicht zur Debatte, weil der Angeklagte dazu nicht Stellung beziehen muss, um sich nicht selbst zu belasten. Laut Anklage sollen aber die Täter dort Betäubungsmittel an sich genommen haben, um diese zu behalten beziehungsweise zu veräußern.

Mehreren Zeugenaussagen zufolge soll es sich bei dem Hechthausener um einen ortsbekannten Dealer gehandelt haben. Zwischen 8 und 22 Uhr habe man bei ihm an der Haustür alles und dabei gutes Material bekommen, meint ein Zeuge. Von diesem hatten einige der Angeklagten Stunden vor dem Angriff die Adresse des Mannes erfahren wollen. Er habe seine Bekannten jedoch gewarnt: „Sie haben mir gesagt, sie wollen da reingehen. Ich habe zu ihnen gesagt, macht das nicht, es wird nicht gut.“

Das Anklageregister ist lang

Das Anklageregister in diesem Prozess der Jugendkammer insgesamt ist lang. Drei der angeklagten jungen Männer werden unter anderem gemeinschaftlicher versuchter schwerer Raub, gefährliche Körperverletzung, schwerer Raub sowie Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge, Tragen von gefährlichen Gegenständen in Tatmehrheit mit Nötigung in Tateinheit mit Bedrohung vorgeworfen.

Einem weiteren Angeklagten werden Beihilfe zum Raub sowie zum Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zur Last gelegt. Während drei Angeklagte sich auf freiem Fuß befinden, sind zwei junge Männer, beide gebürtig aus Grosny, zurzeit inhaftiert. Der Prozess wird in drei weiteren Verhandlungen bis 3. Februar fortgesetzt.

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