Zähl Pixel
Nahverkehr

TPünktlichkeit der S5 und S3: „Hamburger S-Bahn so unzuverlässig wie nie“

Die Hamburger S-Bahn wird jährlich von 280 Millionen Fahrgästen genutzt.

Die Hamburger S-Bahn wird jährlich von 280 Millionen Fahrgästen genutzt. Foto: Wisser

Für die Pendler aus dem Kreis Stade ist die unzuverlässige S-Bahn ein Dauerärgernis. Neueste Zahlen belegen die Unpünktlichkeit. Dazu kommt ein besonders großer Frustfaktor.

author
Von Thomas Sulzyc,
author
Von Karsten Wisser
Mittwoch, 21.01.2026, 12:53 Uhr

Buxtehude. Es sollte alles besser werden Ende 2023. Damals reformierte die S-Bahn ihr Netz im großen Stil, im Landkreis Stade ersetzte die S5 die S3, womit sich die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit verbessern sollten. Gut zwei Jahre später lässt sich festhalten: Nichts ist besser geworden, im Gegenteil.

„Die Hamburger S-Bahn ist so unzuverlässig wie nie seit der Netzreform im Dezember 2023.“ Zu diesem Fazit kommt das privat betriebene und angesehene Medienportal Nahverkehr Hamburg. Zahlen bestätigen den gefühlten Rückgang der Zuverlässigkeit bei der Hamburger S-Bahn. Im August und Oktober 2025 fiel die Pünktlichkeit aller Linien auf 91,4 beziehungsweise 91,5 Prozent - Negativrekorde. Die S3 (88,3 Prozent) und S5 (88,9 Prozent) schnitten am schlechtesten ab.

Die Zahlen hat das besagte Medienportal analysiert und veröffentlicht. Es beruft sich dabei auf den Qualitätsmonitor S-Bahn. Dort bildet der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) die Pünktlichkeit der einzelnen Linien ab. Viele Pendler sind auf die S-Bahn angewiesen: 21.367 Arbeitnehmer pendeln täglich nach Hamburg, 2891 aus dem Kreis Stade arbeiten im Kreis Harburg.

Gründe für die Unzuverlässigkeit gibt es viele. Stellwerksausfälle, defekte Weichen, kaputte Signale, Kabelschäden und Bahnübergangsstörungen sind häufige Ursachen. 20 Bahnübergänge zwischen Neugraben und Stade erhöhen die Störanfälligkeit. Rettungswageneinsätze und die Ansage „Personen im Gleis“ verzögern den Verkehr zusätzlich.

S-Bahn am Dienstag wieder stark gestört

Ein Tiefpunkt war 2025, als der Abschnitt zwischen Neugraben und Cuxhaven für sechs Stunden stillstand, weil die Deutsche Bahn das Stellwerk in Neugraben nicht besetzen konnte. Am Dienstag traten erneut Probleme auf der Strecke zwischen Hamburg und Stade auf. Begründung: „Störungen an der Infrastruktur“.

Laut Medienportal Nahverkehr Hamburg sei der S-Bahn-Verkehr auf den Linien S5 und S3 von morgens bis mittags „stark gestört“ gewesen. 11 von 20 Verbindungen auf der Linie S5 fielen demnach aus. Die S5 verkehrte nur zwischen Stade und Neugraben.

Keine Lust auf S-Bahn-Fahrten nach Hamburg

Klaus Müller aus Jork spricht für den Fahrgastbeirat im Landkreis Stade. In Schulnoten bewertet er auf TAGEBLATT-Anfrage die Leistung der S-Bahn: „Auf der Strecke zwischen Stade und Neugraben kann man nur die Note 5, also mangelhaft, geben.“

Klaus Müller, Fahrgastbeirat Landkreis Stade, steht vor einer S-Bahn am Bahnhof Buxtehude.

Klaus Müller, Fahrgastbeirat Landkreis Stade, steht vor einer S-Bahn am Bahnhof Buxtehude. Foto: Thomas Sulzyc

Dem Streckenabschnitt zwischen Neugraben und Hamburg-Hauptbahnhof gibt er eine 3 bis 4, also befriedigend bis ausreichend. „Wegen der Unsicherheit habe ich immer weniger Lust, zu Abendveranstaltungen nach Hamburg zu fahren“, sagt Klaus Müller.

Technische Schwierigkeiten treffen dabei auf mangelhafte Kommunikation. Die HVV-Fahrplan-App steht in der Kritik, da sie bei Ausfällen oder Verspätungen unzuverlässig ist. Während des Schneetreibens vor eineinhalb Wochen führte sie Zehntausende in die Irre.

Fahrgäste hetzen durch das Schneegestöber

Widersprüchlich war auf dem Buxtehuder Bahnhof die Information am Tag des starken Wintereinbruchs, Freitag, 9. Januar. Abends gegen 18 Uhr erfuhren die wartenden Fahrgäste auf den Bahnsteigen aus sich stets wiederholenden Durchsagen, die S5 fahre nicht, Fahrgäste in Richtung Neugraben müssten den Bus-Ersatzverkehr nehmen.

Die S-Bahn und die Regionalzüge von Start Unterelbe teilen sich den Bahnhof in Buxtehude. Hier fährt außerdem die EVB ab.

Die S-Bahn und die Regionalzüge von Start Unterelbe teilen sich den Bahnhof in Buxtehude. Hier fährt außerdem die EVB ab. Foto: Wisser

Fahrgäste verließen deshalb die Bahnsteige und das Bahnhofsgelände, warteten im Schneegestöber an den benachbarten Bushaltestellen. Nach Aussage eines Betroffenen eineinhalb Stunden - ohne dass ein Bus im Ersatzverkehr auftauchte.

Stattdessen fuhr überraschend ein S-Bahn-Zug der Linie 5 aus Stade kommend in Richtung Hamburg in den Bahnhof ein. Fahrgäste hetzten auf vereistem Boden zurück in den Bahnhof, um die S-Bahn nicht zu verpassen. Andere blieben in der Kälte an der Bushaltestelle stehen.

Widersprüchliche Fahrgastinformationen nerven

Nach den Schneefällen einen Tag zuvor machte Berufspendler Thomas Butter aus Hedendorf seinem Ärger in einer E-Mail an die S-Bahn Hamburg Luft: Er habe natürlich Verständnis für witterungsbedingte Einschränkungen, schrieb er. Aber kein Verständnis für widersprüchliche Fahrgastinfos. Butter ist der Ehemann der S-Bahn-Kritikerin und niedersächsischen CDU-Landtagsabgeordneten Birgit Butter.

Weder die Online-Informationen noch die Durchsagen auf den Bahnsteigen oder in den Zügen haben auch nur im entferntesten mit der Realität zu tun.

Thomas Butter, Berufspendler

„Es ist mir tagtäglich ein Rätsel, warum die S-Bahn nicht einmal ansatzweise verlässlich darüber informieren kann, zu welchem Zeitpunkt die Züge welchen Bahnhof erreichen - oder eben nicht erreichen“, schreibt Thomas Butter. Weder die Online-Informationen noch die Durchsagen auf den Bahnsteigen oder in den Zügen hätten auch nur im Entferntesten mit der Realität zu tun.

Harburg: Neue Gleise für den S-Bahn-Tunnel

Baustellen bergen weiteres Verspätungspotenzial. Zwei betreffen den Hamburger Süden. Im Mai sollen im Harburger S-Bahn-Tunnel die Gleise erneuert werden. Einschränkungen werden bald auf s-bahn-hamburg.de bekanntgegeben. Bis April kommt es abends wegen Gleisbauarbeiten zu Einschränkungen zwischen Stade und Neugraben.

Aus dem Takt war die S-Bahn am Montag, 12. Januar, im Berufsverkehr: Wer an diesem Tag von Neugraben in Richtung Stade fahren wollte, musste 47 Minuten zwischen den beiden Zugverbindungen der Linie S5 warten.

Aus dem Takt war die S-Bahn am Montag, 12. Januar, im Berufsverkehr: Wer an diesem Tag von Neugraben in Richtung Stade fahren wollte, musste 47 Minuten zwischen den beiden Zugverbindungen der Linie S5 warten. Foto: Sulzyc

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel