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Von Malle bis Angsthasen

TDie kuriosesten Schützenfest-Momente 2026 im Kreis Stade

Die Schützenfestsaison 2026 bot viele verschiedene Highlights.

Die Schützenfestsaison 2026 bot viele verschiedene Highlights. Foto: Kress

Eine Mallorca-Sängerin im Festzelt, eine verschwundene Statue und die schwerste Königskette: Die Schützenfestsaison hatte einiges zu bieten. Das sind die zehn Highlights 2026.

Von Kilian Kress 15.09.2026, 18:40 Uhr

Landkreis Stade. Mehr als 120 TAGEBLATT-Artikel enthalten den Begriff „Schützenfest“ allein im Jahr 2026. Insgesamt sind es 62 Schützenfeste, die von April bis September gefeiert wurden. Zwischen Tradition und Feierlaune finden sich bemerkenswerte Kuriositäten.

Isi Glück sorgte für Mallorca-Stimmung in Steinkirchen. Zu ihrem Auftritt gehörten bekannte Songs wie „Delfin“ oder „Oberteil.“

Isi Glück sorgte für Mallorca-Stimmung in Steinkirchen. Zu ihrem Auftritt gehörten bekannte Songs wie „Delfin“ oder „Oberteil.“ Foto: T. Meyer

1. Besondere Feiern - von Malle-Party bis Bingo im Schützenzelt

Nach Ikke Hüftgold und „Layla“-Star Schürze war der Jubel in Steinkirchen in diesem Jahr groß. Isi Glück brachte ein Stück Mallorca ins Alte Land. Knapp 40 Minuten feierte sie mit den Schützen und sang über Delfine in ihrer Bauchtasche und obergeile Oberteile. Das TAGEBLATT berichtete.

Von Malle-Party war bei Bingo-Henni in Buxtehude wenig zu spüren. Während die Schützen am Schießstand standen, sollte in Altkloster das Zelt nicht leer bleiben. So lud man den Hamburger Henrik Moss, alias „Bingo-Henni“, ein. Knapp 50 Teilnehmer aus allen Altersgruppen spielten mit ihm unter anderem um die Teilnahme am Königsball.

Henrik Moss, alias „Bingo-Henni“, garantierte mit einer professionellen Moderation für eine besondere Stimmung im Schützenzelt von Altkloster.

Henrik Moss, alias „Bingo-Henni“, garantierte mit einer professionellen Moderation für eine besondere Stimmung im Schützenzelt von Altkloster. Foto: Svenja Weil

2. Vermisst: Wo ist Jazz Man?

Nicht nur auf der Bühne und im Festzelt ging es ungewöhnlich zu. In Großenwörden etabliert sich eine andere Tradition: Nachdem im Vorjahr bereits der beliebte „Krokodoc“ aus dem Großenwördener Hof verschwand, war es in diesem Jahr „Jazz Man“, eine kleine antike Statue, die nach dem Schützenfest nicht mehr aufzufinden war.

„Jazz Man“ ist seit dem Schützenfest in Großenwörden wie vom Erdboden verschluckt. Sein Platz im Großenwördener Hof bleibt für den Moment leer.

„Jazz Man“ ist seit dem Schützenfest in Großenwörden wie vom Erdboden verschluckt. Sein Platz im Großenwördener Hof bleibt für den Moment leer. Foto: Fitze

„Man kann sich schon fast darauf einstellen, dass beim Schützenfest etwas abhandenkommt“, sagt Felix Fitze, Besitzer von Jazz Man und Großenwördener Hof.

3. „Uralt und doch jung“ - von Vereinen und Schießtraditionen

Bei aller Kuriosität leben Schützenfeste vor allem von ihrer Tradition. 487 Jahre liegen zwischen der Gründung der Buxtehuder Schützengilde und ihrem Schützenfest in diesem Jahr. Mit dem Gründungsjahr 1539 ist die Gilde der älteste Schützenverein im Landkreis Stade.

In Issendorf feierte man in diesem Jahr das 30-jährige Bestehen. Damit ist der Verein der jüngste im Kreis.

Das Blasrohrschießen ist in vielen Dörfern im Landkreis eine Tradition. Erst im März entstand dieses Bild bei den Bezirksmeisterschaften in Drochtersen.

Das Blasrohrschießen ist in vielen Dörfern im Landkreis eine Tradition. Erst im März entstand dieses Bild bei den Bezirksmeisterschaften in Drochtersen. Foto: Schützenverein Drochtersen

Tradition ist auch beim Schießsport angesagt. Während in Altkloster auch noch mit Pfeil und Bogen geschossen wird, kommen in Elstorf und Kranenburg weiterhin Blasrohre zum Einsatz. Eine Tradition, die der Deutsche Schützenbund selbst als „uralt und doch jung“ beschreibt.

4. Aller guten Dinge sind drei

Wie lebendig solche Traditionen sein können, zeigt auch Torsten Zühlsdorff. 2026 wurde er zum dritten Mal Schützenkönig. Bereits 2003 und 2010 trug er die Königswürde in Düdenbüttel. Langweilig dürfte es trotzdem nicht werden: In diesem Jahr regiert er gemeinsam mit Tochter Saskia, die sich zur Schützenkönigin schoss.

Für Torsten Zühlsdorff ist die dritte Amtszeit als Schützenkönig eine besondere. Er regiert gemeinsam mit Tochter Saskia das Schützenvolk in Düdenbüttel.

Für Torsten Zühlsdorff ist die dritte Amtszeit als Schützenkönig eine besondere. Er regiert gemeinsam mit Tochter Saskia das Schützenvolk in Düdenbüttel. Foto: Privat

5. Schützenfest ist Familiensache

Die Verbindung von Schützenfest und Familie ist nicht nur in Düdenbüttel eng. Auch in Wischhafen konnte sich eine Familie besonders freuen: Königin, Jungschützenkönig und Jungschützenkönigin sowie die Beste Dame der Jungschützen gehören zur Familie Reuels. „Einfach großartig“, kommentiert Königin und Schriftwartin Inge Reuels. Auch der Ort fürs morgendliche Spiegeleier-Braten war damit schnell gefunden.

Das Schützenfest in Wischhafen ist vor allem durch Familie Reuels geprägt. Gleich vier Würdenträger stammen aus den Reihen der Familie.

Das Schützenfest in Wischhafen ist vor allem durch Familie Reuels geprägt. Gleich vier Würdenträger stammen aus den Reihen der Familie. Foto: Wischhafener Schützenverein

Als Ehepaar schossen sich Sven und Ines Tecklenburg in Balje sowie Sabrina Friedrich-Franz und Matthias Franz in Wedel an die Spitze.

6. Trubel um die Königswürde

Familienglück und Königsschießen liegen allerdings nicht überall so dicht beieinander. In Bremervörde legte Nico Ipsen drei Tage nach der Proklamation sein Amt als Schützenkönig aus privaten Gründen nieder. Der Kommandeur bestätigte dies gegenüber der „Bremervörder Zeitung“.

Nur drei Tage nach der Proklamation legte Nico Ipsen sein Amt als Schützenkönig von Bremervörde aus persönlichen Gründen nieder.

Nur drei Tage nach der Proklamation legte Nico Ipsen sein Amt als Schützenkönig von Bremervörde aus persönlichen Gründen nieder. Foto: Theo Bick

Anders herum war es in Elstorf: Bis zum späten Sonntagnachmittag hatte noch niemand auf die Königsscheibe geschossen. Die Sorge, erstmals ohne König dazustehen, wuchs. Am Ende blieb sie unbegründet: Mit dem 58-jährigen Frank Westphal freute sich das Dorf über einen neuen König.

Erst wollte niemand, dann kam er: Mit Frank Westphal hat Elstorf kurz vor Ende doch noch einen neuen Schützenkönig.

Erst wollte niemand, dann kam er: Mit Frank Westphal hat Elstorf kurz vor Ende doch noch einen neuen Schützenkönig. Foto: Schützenverein Elstorf

Weniger Jubel dürfte es in Brest gegeben haben. Bereits zum zweiten Mal in Folge bleibt der Königsthron unbesetzt. „Der Schützenverein ist bei den Leuten nicht mehr die Nummer eins“, sagt Gerhard Schmetjen, Vorsitzender des Schützenvereins Brest. Beruf, Familie und Freunde seien wichtiger - nicht nur in Brest, sondern auch anderswo. Schmetjen setzt deshalb auf die Jungschützen.

Auch in anderen Orten bleiben Würden unbesetzt: In Großenwörden und Wolfsbruch fehlt die Schützenkönigin, in Horneburg der Jungschützenkönig.

Ganz anders sah es in Gräpel aus: Dort schossen 53 Schützinnen und Schützen auf gerade einmal vier Königswürden.

7. Schwere Ketten in Buxtehude

Wer die Königswürde erringt, hat nicht nur Grund zum Feiern, sondern mitunter einiges zu tragen. Mit 28 Kilogramm Zusatzgewicht hat der König der Buxtehuder Schützengilde gut zu schleppen. Die Tradition der Kette reicht weit zurück. Mittlerweile mussten einige Plaketten abgenommen werden, da sie zu zerfallen drohten.

Rund 28 Kilogramm wiegt die Königskette von Lukas Manthe. Die Tradition der Kette reicht weit in die Geschichte der Buxtehuder Schützengilde zurück.

Rund 28 Kilogramm wiegt die Königskette von Lukas Manthe. Die Tradition der Kette reicht weit in die Geschichte der Buxtehuder Schützengilde zurück. Foto: Wisser

Auch den Kinderkönig erwartet eine große Kette. Während sie andere Vereine mit kleineren Schärpen ausstatten, trägt der elfjährige Johann Lattki mit der rund sieben Kilogramm schweren Kette mehr als so mancher Schützenkönig. Lattki wurde zum zweiten Mal in Folge Kinderkönig. Mit seiner Kette trägt er knapp über 100 Silberschilde - das wahrscheinlich älteste stammt aus dem 18. Jahrhundert.

Der Kinderkönig der Schützengilde Buxtehude trägt ebenfalls eine pompöse Königskette. Für den elfjährigen Johann Lattki ist es das zweite Jahr in Folge als Kinderkönig.

Der Kinderkönig der Schützengilde Buxtehude trägt ebenfalls eine pompöse Königskette. Für den elfjährigen Johann Lattki ist es das zweite Jahr in Folge als Kinderkönig. Foto: Jan Iso Juergens IsoluxX Fotogr

8. Schwitzende Schützen - mehr Wasser als Bier

Doch nicht nur Königsketten machten den Schützen zu schaffen. Temperaturen jenseits der 30 Grad sorgten für besondere Bedingungen.

In Apensen blieben die Joppen, die Uniformjacken der Schützen, in diesem Jahr erstmals seit der Gründung 1907 zu Hause. Die „Marscherleichterung“ wurde vom Vereinsvorsitzenden Oliver Dammann angeordnet. Der Hut hingegen blieb - auch als Sonnenschutz.

In Apensen blieben die Joppen in diesem Jahr zu Hause. Marscherleichterung wegen Hitze galt somit auch für den neuen Schützenkönig Kai Elmers und seine Adjutanten.

In Apensen blieben die Joppen in diesem Jahr zu Hause. Marscherleichterung wegen Hitze galt somit auch für den neuen Schützenkönig Kai Elmers und seine Adjutanten. Foto: Laudien

„Vom Vorsitzenden kam außerdem der Hinweis, dass wir mehr Wasser als Bier trinken sollen", berichtet Schützin Maike Falk vor dem Apensener Schützenfest.

9. Pressewart verkündet eigene Königswürde

„Pressewart Max Prigge ist neuer Schützenkönig in Bützfleth“, schreibt Max Prigge selbst in einer Pressemitteilung an das TAGEBLATT. Der 32-Jährige war bereits 2022 Schützenkönig in Hagen. In diesem Jahr folgte Bützfleth. „Ich freue mich sehr auf das anstehende Königsjahr in diesem geilen Verein!“, zitiert er sich selbst.

Max Prigge ist Schützenkönig in Bützfleth. Die Pressemitteilung zu seiner Königswürde verfasste der 32-Jährige als Schriftwart des Vereins selbst.

Max Prigge ist Schützenkönig in Bützfleth. Die Pressemitteilung zu seiner Königswürde verfasste der 32-Jährige als Schriftwart des Vereins selbst. Foto: Schützenverein Bützfleth

10. Besondere Würden

Und dann gibt es noch Titel, die selbst innerhalb der Vereine aus dem Rahmen fallen.

Jägermeisterkönig:in: In Großenwörden wird die Würde unter den 18- bis 28-Jährigen ausgeschossen. Die Proklamation findet als einzige während des Schützenballs am Samstagabend statt. Seit der Einführung 2003 gab es jedes Jahr eine Jägermeistermajestät. Dieses Jahr gewann Ramona Seebeck.

Als Jägermeisterkönigin ist Ramona Seebeck (Zweite von links) unverwechselbar zu erkennen. Neben den großen Schulterklappen gehören auch orangene Krawatte und Hut zu ihrer Uniform.

Als Jägermeisterkönigin ist Ramona Seebeck (Zweite von links) unverwechselbar zu erkennen. Neben den großen Schulterklappen gehören auch orangene Krawatte und Hut zu ihrer Uniform. Foto: Schützenverein Großenwörden

Zigarrenkönig: Mal wird er ausgeknobelt, mal beim Dart ermittelt oder doch ausgeschossen. In Oldendorf ist der Zigarrenkönig eine echte Tradition. Seinen Namen hat die Spaßwürde vom anschließenden gemeinsamen Zigarrenrauchen, sagt Vereinsvorsitzender Marco Brümmer.

Angsthase der Jungschützen: Was nach einem Titel klingt, den man nicht unbedingt erhalten möchte, ist gar nicht so leicht zu erringen. In Assel muss man dafür drei Schüsse auf der Scheibe platzieren und möglichst wenige Ringe erzielen. Die 1994 entstandene Würde ist beliebt: „Man hat damit keine Verpflichtungen wie ein Jungschützenkönig“, erklärt Jan Steffens vom SV Assel. „Beim Angsthasen gibt es jedes Jahr einen starken Wettbewerb, denn jeder möchte diese Würde einmal erringen.“ In diesem Jahr durfte sich Lares Niemeyer freuen.

So neigt sich eine Schützensaison voller Highlights und Kuriositäten dem Ende entgegen. 2027 geht es weiter - und auch das TAGEBLATT wird wieder berichten.

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