130 Meeresverschmutzungen bei Überwachungsflügen entdeckt
Auf der Nordsee ist viel Schiffsverkehr unterwegs. (Symbolbild) Foto: Sina Schuldt/dpa
Mit Spezialflugzeugen werden die Nord- und Ostsee kontinuierlich auf Umweltverschmutzungen überwacht. 2025 wurden mehr als 100 Verunreinigungen entdeckt – und oft auch die mutmaßlichen Verursacher.
Cuxhaven. Bei Überwachungsflügen über der Nord- und Ostsee haben Marineflieger und das Havariekommando im vergangenen Jahr 130 Umweltverschmutzungen aufgespürt. In 48 Fällen, also bei mehr als einem Drittel der Verunreinigungen, identifizierten die Besatzungen der Sensorflugzeuge auch mögliche Verursacher, wie das Havariekommando in Cuxhaven auf dpa-Anfrage mitteilte. Die Aufklärungsquote sei damit im Vergleich zu 2024 von 25 Prozent auf etwa 37 Prozent gestiegen.
Inwieweit die Umweltsünder danach strafrechtlich belangt wurden, ist nicht bekannt. Das gesammelte Beweismaterial übergibt das Havariekommando an die zuständigen Ermittlungsbehörden. Die Verfahren würden sich teils über Jahre erstrecken und es komme auch immer wieder dazu, dass Verfahren eingestellt würden, teilte ein Sprecher des Havariekommandos mit.
Welche Verschmutzungen entdeckt wurden
Bei den entdeckten Verschmutzungen handelte es sich um Öl und unbekannte Substanzen, die zum Beispiel aus Tankwaschungen und von Bohrwasser auf See stammen könnten.
In der Nordsee wurden 109 Verschmutzungen festgestellt, in der Ostsee 21. Davon befanden sich 51 Fälle den Angaben zufolge in deutschen Gewässern, die übrigen Verschmutzungen wurden in Seegebieten der Niederlande, Dänemarks und Schwedens festgestellt und dort an die Behörden gemeldet.
Fast alle in deutschen Gewässern gefundenen Ölverschmutzungen hätten eine Menge von weniger als 100 Litern oder sogar weniger als fünf Litern gehabt und seien damit nicht zu bekämpfen gewesen, hieß es. Zusammengerechnet wurde bei 36 Öl-Verschmutzungen ein Volumen von 151 Kubikmetern Öl erfasst.
Wie die Überwachungsflüge ablaufen
Die Meeresüberwachung aus der Luft gibt es seit 40 Jahren. Das Ziel ist es, Verschmutzungen in deutschen Gewässern zu finden und möglichst die Verursacher zu identifizieren. Dafür arbeitet das Havariekommando, eine Einrichtung des Bundes und der fünf norddeutschen Küstenländer, mit den Marinefliegern in Nordholz in Niedersachsen zusammen.

Zwei Spezialflugzeuge dienen der Überwachung in Nord- und Ostsee. (Archivbild) Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Dort sind zwei spezielle Sensorflugzeuge vom Typ Dornier Do 228 stationiert, die von Soldaten des Marinefliegergeschwader 3 „Graf Zeppelin“ geflogen und gewartet werden. Die Flugzeuge sind mit einem Radar, Infrarot- und Ultraviolettsensoren ausgestattet, die Ölfilme und andere Verschmutzungen auf der Wasseroberfläche erfassen können. Die Maschinen mit je zwei Piloten und einem Operator sind nach Angaben des Havariekommandos bis zu viermal täglich in der Luft, um Verschmutzungen zu erfassen.
Trend zu weniger Verschmutzungen auf See
Gemessen an der Einsatzdauer wurde 2025 im Schnitt etwa alle elf bis zwölf Flugstunden eine Verschmutzung entdeckt. Der Wert entspreche dem Niveau des Vorjahres, teilte der Havariekommando-Sprecher mit. 472 Einsätze wurden im vergangenen Jahr geflogen.
Zum Vergleich: Zu Beginn der Ölüberwachung sei in den ersten zehn Jahren zwischen 1986 und 1996 noch etwa alle vier Flugstunden eine Verschmutzung auf den Meeren registriert worden. „Das kontinuierliche Absinken seitdem führen wir unter anderem auf die kontinuierliche Überwachung seit nun 40 Jahren zurück, die auch der Abschreckung dient“, heißt es von der Behörde.
Dass zuletzt teils wieder etwas mehr Umweltverschmutzungen aufgespürt wurden, führt das Havariekommando auf den Einsatz neuer, empfindlicherer Messsensoren zurück, mit der auch sehr kleine Verunreinigungen aufgespürt werden können.
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