Zähl Pixel
Winter-Paralympics in Italien

Drama und Medaillen für Langläufer und Alpin-Ass Forster

Die Siegerehrung mit Deutschland, Russland und China.

Die Siegerehrung mit Deutschland, Russland und China. Foto: Martin Schutt/dpa

Ärger und Jubel im Langlauf: Leonie Walter wird bestraft, Sebastian Marburger und Linn Kazmaier holen Medaillen. Auch Alpin-Ass Anna-Lena Forster hat bei den Paralympics wieder Grund zur Freude.

Von Jana Glose und Martin Kloth, dpa Dienstag, 10.03.2026, 16:45 Uhr

Tesero/Cortina d'Ampezzo. Auf dem Siegerpodest fühlte sich Linn Kazmeier neben der russischen Siegerin Anastasija Bagijan sichtlich unwohl. Die sehbehinderte Langläuferin senkte den Blick und hielt ihr Plüschmaskottchen fest, als die russische Flagge gehisst und die Hymne gespielt wurde. Beim Abschlussfoto auf dem Podium für die Entscheidung im Klassik-Sprint standen Silbermedaillengewinnerin Kazmaier und ihr Guide mit deutlichem Abstand zum russischen Duo und den drittplatzierten Chinesen. 

Einen Tag nach Gold für Warwara Worontschichina im alpinen Super-G wurde bei den Winter-Paralympics in Italien zum zweiten Mal die russische Hymne gespielt - erstmals mit deutscher Beteiligung. „Ich finde es total schwierig“, sagte die 19-jährige Kazmaier trotz aller Freude über Platz zwei. „Auf der sportlichen Seite war sie heute die Stärkste und da kann man ihr auf der sportlichen Seite Respekt zollen. Aber vier Jahre keine Dopingkontrollen und dann auch der politische Hintergrund - da kann man Sport und Politik nicht trennen.“ 

Drama um Walter und ihren Guide 

Eigentlich hätten zwei Deutsche neben der Russin stehen sollen, doch Leonie Walter wurde nachträglich wegen eines Regelverstoßes am Anstieg auf den letzten Platz gesetzt, sodass Kazmaier auf Rang zwei vorrückte. Walters Guide Christian Krasman hatte beim Umschauen zu seiner sehbehinderten Athletin mehrmals einen Seitenschritt gemacht, der als Skatingschritt gewertet wurde. „Es ist super unglücklich. Die Jury meint es nicht böse mit uns, die folgt nur den Regeln“, sagte Bundestrainer Ralf Rombach. 

Während also nur eine deutsche Fahne neben der russischen Flagge wehte, feierte die russische Goldmedaillengewinnerin ihren Triumph. „Ich freue mich sehr, dass zum ersten Mal seit vielen Jahren die russische Nationalhymne gespielt und die russische Flagge zu Ehren unseres Sieges gehisst wird“, sagte Bagijan beim russischen Sender Match TV. „Ich möchte diese Goldmedaille meinem ganzen Land und allen, die uns angefeuert haben, widmen.“

Silber für Marburger und Tränen trotz Sportgeschichte 

Im Trubel um das folgenschwere Missgeschick ging die Silbermedaille von Sebastian Marburger fast unter. Bei seiner paralympischen Premiere musste sich der 28-Jährige im Zielsprint bei den stehenden Männern nur dem belarussischen Sieger Raman Svirdydzenka geschlagen geben - obwohl er vor den Wettkampf noch krank war. 

Tränen flossen bei Kathrin Marchand, die bei ihrem historischen Start Vierte wurde. „Ich bin zufrieden mit dem vierten Platz, aber es ist immer noch der erste Verlierer. Ich werde halt immer Vierte“, sagte die 35-Jährige, die bereits als Ruderin bei den Paralympics in Paris knapp eine Medaille verpasste und auch aus Frust darüber im Langlauf neue Impulse suchte. Trotzdem schrieb die Kölnerin als erste Athletin, die sowohl bei Olympischen Spielen als auch bei den Paralympischen Sommer- und Winterspielen gestartet ist, Sportgeschichte. 

Forster mit Aufholjagd und Silber

Erneuten Grund zur Freude hatte Alpin-Ass Anna-Lena Forster. Drei Tage nach ihrem Abfahrtssieg jubelte die 30 Jahre alte Monoskifahrerin in Cortina d’Ampezzo über Silber in der Super-Kombination. Nach jeweils einem Lauf im Super-G und im Slalom hatte sie nur 0,46 Sekunden Rückstand auf Siegerin Audrey Pascual Seca aus Spanien. Im Slalom gelang ihr dabei ein starkes Rennen, bei dem sie 2,36 Sekunden Rückstand aus dem Super-G noch aufholte.

„So soll es sein. Dass es so spannend wird, ist wichtig für unseren Sport. Klar hätte ich es auch anders machen und im Super-G mehr Gas geben können. Aber jetzt mit dem Slalom bin ich einfach happy und kann selbstbewusst in die Technikrennen gehen“, sagte sie im Zielraum. Nach einem Ruhetag steht am Donnerstag auf dem Programm, am Samstag folgt dann der Slalom.

Am Alpin-Hang in Cortina d’Ampezzo blieb Russland in der Super-Kombination eine mögliche weitere Goldmedaille verwehrt. Alexej Bugajew schied als Führender nach dem Super-G im Slalom aus. Seine Teamkollegin Warwara Worontschichina, für die am Vortag erstmals seit 2014 wieder die russische Hymne bei Paralympics gespielt worden war, patzte bereits im Super-G und kam nicht ins Ziel.

Hat Geschichte geschrieben: Kathrin Marchand.

Hat Geschichte geschrieben: Kathrin Marchand. Foto: Martin Schutt/dpa

Sebastian Marburger jubelt über Silber.

Sebastian Marburger jubelt über Silber. Foto: Martin Schutt/dpa

Anna-Lena Forster jubelt über ihre Silbermedaille.

Anna-Lena Forster jubelt über ihre Silbermedaille. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel