Tornado? – Nein, hier wirbelt etwas anderes
Ein großer Wirbel über einem Feld im Landkreis Vechta hat am Montag auf den ersten Blick an einen Tornado erinnert. (Handout) Foto: Bernd März/extremwetter.tv/dpa
Ein mächtiger Wirbel über einem Feld im Landkreis Vechta. Wie das Naturphänomen entsteht.
Steinfeld. Ein mächtiger Luftwirbel zieht über ein trockenes Feld, Staub steigt meterhoch in die Luft: Aufnahmen aus dem Landkreis Vechta erinnern auf den ersten Blick an einen Tornado. Doch der Deutsche Wetterdienst (DWD) gibt Entwarnung: Bei dem Naturschauspiel handele es sich zweifelsfrei um einen sogenannten Staubteufel.
Der Wirbel war am Montagnachmittag auf einem Feld in der Steinfelder Heide bei Steinfeld beobachtet worden. Doch was unterscheidet einen Staubteufel von einem Tornado – und wie entsteht ein solcher Wirbel?
Keine Gewitterwolke nötig
Meteorologisch müssten Staubteufel und Tornados klar voneinander unterschieden werden, erklärt Oliver Reuter von der Tornadoexpertengruppe des DWD. Staubteufel werden auch als Kleintromben bezeichnet, Tornados dagegen als Großtromben.
Der entscheidende Unterschied liegt über den Köpfen der Beobachter: Ein Tornado steht mit einer hochreichenden Schauer- oder Gewitterwolke in Verbindung. Bei einem Staubteufel fehlt eine solche Verbindung. Die kleinen Wirbel entstehen vielmehr typischerweise an nahezu wolkenfreien Tagen mit viel Sonnenschein.
Überhitzte Luft beginnt zu rotieren
Damit ein Staubteufel entsteht, muss sich die Luft unmittelbar über dem Boden stark erwärmen. Ein überhitztes Luftpaket löst sich vom Boden, steigt auf und kann dabei in starke Rotation geraten. Viel Sonneneinstrahlung und höchstens lockere Bewölkung begünstigen das Phänomen.
Besonders geeignete Bedingungen bieten nach Angaben des DWD offene Flächen wie trockene oder abgemähte Felder und Wiesen sowie große Sportplätze. Auch aus Wüsten sind Staubteufel bekannt. Der aufgewirbelte Staub macht die eigentlich unsichtbare Luftbewegung deutlich sichtbar.
Meist klein und kurzlebig
Auch in Niedersachsen und anderen Teilen Deutschlands können Staubteufel größere Ausmaße erreichen. Besonders häufig sei dies allerdings nicht, erklärt Reuter. Die meisten Staubteufel seien sehr kleinräumig und kurzlebig und würden deshalb kaum wahrgenommen.
In der Regel seien Staubteufel zudem deutlich schwächer als Tornados. Nach Angaben des DWD erreichen ihre Windgeschwindigkeiten überwiegend Werte bis etwa 50 Kilometer pro Stunde. In Ausnahmefällen können die Wirbel allerdings deutlich stärker werden und Sturmstärke erreichen.
Ganz ungefährlich sind sie damit nicht. Treffen stärkere Staubteufel etwa auf einen Campingplatz, können sie nach Angaben des Wetterdienstes durchaus Schäden anrichten.