Fußball-Nationalmannschaft

Klopps meistdiskutierte Personalie: Wer ist Marc Kosicke?

Marc Kosicke über Jürgen Klopp: „Er kommt in einen Raum und du wirst selber größer.“

Marc Kosicke über Jürgen Klopp: „Er kommt in einen Raum und du wirst selber größer.“ Foto: Jennifer Brückner/dpa

Zum Team Jürgen Klopp gehört auch sein langjähriger Berater Marc Kosicke. Der hat sich nicht nur von Brad Pitt inspirieren lassen, sondern auch das Bayern-Motto „Mia san mia“ ausformuliert.

Von Martin Moravec, Klaus Bergmann und Arne Richter, d 26.07.2026, 10:55 Uhr

Frankfurt/Main. Die Geschichte zwischen Jürgen Klopp und Marc Kosicke beginnt so: 2005 arbeitete Kosicke noch als Marketing-Direktor für den Sportartikelriesen Nike, Klopp war Trainer des Fußball-Bundesligisten 1. FSV Mainz 05. Eines Tages marschierte der Mann, der später Bundestrainer werden sollte, ins Büro des Mannes, der kurz danach sein Berater werden sollte, und wollte für Nike Markenbotschafter werden.

Kosicke war von dem Auftritt Klopps, der zusammen mit seinem Anwalt auch gleich fertige Verträge mitgebracht hatte, angetan. Allerdings musste er ihm mitteilen, dass der US-Konzern nur Spieler unter Vertrag nimmt.

„Es war nie mein Plan, ihn als Klienten zu gewinnen“

Später trafen sich Kosicke, Klopp und der Anwalt in einer Kneipe, tranken ein paar Weißbier zusammen und wurden, so hat es Kosicke immer wieder erzählt, ein Team. „Es war nie mein Plan, ihn als Klienten zu gewinnen“, erinnerte sich der Mann mit der Glatze. Dennoch wurde Klopp sein Klient. Sein allererster.

Marc Kosicke (r) saß bei Jürgen Klopps Vorstellung ganz vorne.

Marc Kosicke (r) saß bei Jürgen Klopps Vorstellung ganz vorne. Foto: Florian Wiegand/dpa

Vor wenigen Tagen saß Klopp auf dem Podium am DFB-Campus in Frankfurt und wurde als neuer Bundestrainer vorgestellt. Kosicke nahm bei der Pressekonferenz im Plenum ganz vorne Platz. „Wir wollen jeden Stein umdrehen“, kündigte Klopp an. „Dafür muss man seine Leute haben, die sich gemeinsam mit mir darum kümmern.“

Zum inneren Zirkel gehört Kosicke. Klopp war es selbst, der ihn als seinen „Co-Trainer für Strategie, Entwicklung und Innovation“ vorstellte. In der DFB-Mitteilung zum neuen Bundestrainer tauchte sein Name und dessen Funktion aber gar nicht auf. DFB-Präsident Bernd Neuendorf erklärte, dass Kosicke ein „externer Mitarbeiter“ sein werde. Alle „organisatorische Dinge für das gesamte Trainerteam“ werden künftig bei Kosicke zusammenlaufen.

„Angriffsfläche“ durch Kosicke? 

„Es war ganz klar, dass die beiden so eng miteinander verwoben sind, dass sie nur im Paket zu haben sind“, bekannte Neuendorf. Kosicke werde „eine wichtige Schnittstelle“ sein. Er sei „eng angebunden in den Verband“ und habe Zugang „bis hoch in mein Büro.“

Kosicke saß auch mit am Tisch, als Neuendorf und Vize Hans-Joachim Watzke kurz nach dem Aus von Julian Nagelsmann als Bundestrainer mit ihrem „Wunschkandidaten“ Klopp in New York verhandelten. Kosicke wird künftig nicht mehr für andere Trainer tätig sein. An ihm lässt sich der riesige Einfluss Klopps am besten ablesen. Die Personalie Kosicke biete eine „gewisse Angriffsfläche“, meint schon jetzt Sky-Experte Dietmar Hamann.

Kosicke kennt den DFB ziemlich gut. Der Vater dreier Söhne hat schließlich früher auch seinen Kumpel Oliver Bierhoff beraten, der von 2004 bis 2022 zuerst als Teammanager und später als Direktor für die Nationalmannschaft arbeitete. Mit dem ehemaligen Nationalstürmer gründete er 2007 auch die Agentur Projekt B, die später zu Project Five wurde.

Oktoberfest und Brad Pitt

Wie sie auf den Namen kamen? Kosicke und Bierhoff saßen 2006 zusammen, so hat es Kosicke im Podcast „TOMorrow“ einmal erzählt, und blätterten zufällig durch Illustrierte. Da stießen sie auf eine Story über Hollywood-Star Brad Pitt und dessen Produktionsfirma Plan B. Das klang ziemlich cool, fanden sie. Aus Plan B wurde Projekt B und später eben Project Five.

Jürgen Klopp wird seit zwei Jahrzehnten von Marc Kosicke beraten.

Jürgen Klopp wird seit zwei Jahrzehnten von Marc Kosicke beraten. Foto: Florian Wiegand/dpa

Kosicke arbeitete zunächst im Sponsoring und Marketing für Adidas, ehe er zu Nike wechselte. Der gebürtige Bremer, der in Kassel Teile seiner Jugend verbrachte, verhandelte Schuhdeals im deutschsprachigen Raum, Deals etwa mit der späteren Tennis-Legende Roger Federer oder der Basketball-Ikone Dirk Nowitzki.

Von Klopp bis Knorr

Doch Kosicke, der an der Sporthochschule Köln studiert hatte, wollte sein eigener Herr werden. Gewundert hatte er sich schon lange, dass Athleten Berater hatten, Trainer aber nicht. Dort erkannte er eine Nische. „Die Idee war, sich um Führungspersönlichkeiten im Sport zu kümmern“, erzählte Kosicke. „Ich hatte Glück, dass Jürgen Klopp dachte, das sei eine gute Idee.“

Zu den Klienten in Kosickes Agentur zählen auch Sandro Schwarz, David Wagner oder Heiko Vogel, bis 2021 war auch Klopps Bundestrainer-Vorgänger Nagelsmann darunter, außerdem Handballer Juri Knorr, Zehnkämpfer Niklas Kaul oder TV-Moderator Sven Voss.

Klopp war beim ersten Treffen mit Kosicke noch nicht der spätere Star-Trainer von Borussia Dortmund oder des FC Liverpool. Er hatte aber schon in Mainz etwas Besonderes. „Er kommt in einen Raum und du wirst selber größer“, beschrieb Kosicke die Ausstrahlung Klopps. „Er schafft es, eine Atmosphäre zu kreieren, die unglaublich leistungsfördernd ist, weil es alle gerne tun.“

„Mia san mia“-Claim geht auf Kosicke zurück

So wie Kosicke den DFB schon lange kennt, kennt er auch den FC Bayern. Auf ihn geht ein Stück weit das „Mia san mia“-Motto zurück. 2008 lernte er auf einem Flug Bayern-Patron Uli Hoeneß kennen, der ihm den Auftrag gab, den Wertekanon des deutschen Fußball-Rekordmeisters auszuformulieren. „Sie haben das Selbstverständnis jeden Tag gelebt, aber wussten nicht, wie es heißt“, erzählte Kosicke. „Es war schon da, ich habe es aufgeweckt.“

Den Kanon ließ Kosicke für die Präsentation beim Vorstand in Lederhosenleder binden, der Slogan wurde darauf gestanzt. Kosicke hatte den Titel aber falsch geschrieben. „Die Mir ist eine Raumstation“, bemerkte Hoeneß trocken. Der Leitfaden gefiel der Führungsetage dennoch. Nur Lizenzrechte an dem wortmächtigen Claim sicherte sich Kosicke nicht.

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