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Umstrittenes Bauprojekt

A20: Baustart in Niedersachsen und neuer Protest angekündigt

Bei Westerstede soll die Küstenautobahn A20 an die schon bestehende A28 anknüpfen. (Archivbild)

Bei Westerstede soll die Küstenautobahn A20 an die schon bestehende A28 anknüpfen. (Archivbild) Foto: Carsten Rehder/dpa

Für die ersten 13 Kilometer der Küstenautobahn A20 in Niedersachsen sollen nach jahrelangem Streit bald die Bagger rollen. Doch Umweltverbände und Initiativen kündigen neuen Protest an.

Von dpa Mittwoch, 11.03.2026, 17:15 Uhr

Westerstede/Bremervörde. Lange wurde darum gestritten, nun soll es losgehen: Die Bauarbeiten für den ersten niedersächsischen Abschnitt der Küstenautobahn A20 zwischen Westerstede (A28) und Jaderberg (A29) nahe Oldenburg sollen in diesem Frühjahr beginnen. Geplant sei der Baustart im zweiten Quartal, teilte die Autobahngesellschaft des Bundes auf dpa-Anfrage mit.

Bislang endet die A20 vom polnischen Stettin kommend östlich von Bad Segeberg in Schleswig-Holstein. Der Bund plant, die Autobahn bis nach Niedersachsen zu verlängern. So sollen die Nord- und Ostseeanrainerstaaten näher zusammenrücken und die Hinterlandanbindung der deutschen Seehäfen verbessert werden. Dafür sind auch neue Tunnel unter Elbe bei Drochtersen-Assel und Weser geplant.

Der 13 Kilometer lange Abschnitt zwischen Westerstede und Jaderberg ist der erste von sieben Abschnitten der insgesamt 114 Kilometer langen A20 in Niedersachsen. Zuerst hatte kürzlich die „Nordwest-Zeitung“ berichtet.

Jahrelanger Streit um ersten Bauabschnitt

Für den ersten Bauabschnitt rechnet die Autobahn GmbH mit einer Bauzeit von mindestens drei bis vier Jahren. Zunächst sollen einzelne Brücken- und Querungsbauwerke entstehen – 21 Stück insgesamt. Danach soll die Trasse der vierspurigen Autobahn gebaut werden. „Belastbare Angaben zur Fertigstellung des Abschnittes können angegeben werden, wenn die Hauptarbeiten vergeben worden sind“, teilte ein Sprecher der Autobahngesellschaft mit. Für den ersten Abschnitt werden die Baukosten auf mindestens 300 Millionen Euro geschätzt.

Um den Bau des ersten Autobahnabschnitts in Niedersachsen haben Gegner und Befürworter jahrelang gerungen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und mehrere Landwirte hatten dagegen geklagt. Aus ihrer Sicht hat das Vorhaben schwere Schäden für Moore und Wälder zur Folge. Da der BUND aber zuletzt eine Klage gegen einen Änderungsbeschluss zurückgenommen hatte, gilt seit August 2025 ein Planfeststellungsbeschluss. Das Bundesverkehrsministerium hatte im Dezember grünes Licht für den Bau gegeben.

BUND klagt gegen Planfeststellungsbeschluss

Der BUND-Landesverband Niedersachsen klagt nun gegen den Planfeststellungsbeschluss zum Abschnitt 6/Bremervörde der A20. „Wir von der betroffenen Kreisgruppe Rotenburg des BUND sind erleichtert über die Klage, denn die A 20 stellt die größte Umweltsünde im Bereich der Kreisgruppe dar. Sie greift in den Wasserhaushalt ein, vermehrt die Verschmutzung von Luft, Wasser und Böden und erhöht die Verlärmung“, sagt Ursula Trescher, stellvertreterende Vorstizende der BUND-Kreisgruppe.

Die Trasse zerschneide die Landschaft und erhöhe den Druck auf die sowieso schon stark reduzierten Tier- und Pflanzenarten. Und sie fördere schon allein durch die gewaltige Menge an erforderlichem Beton und Asphalt den Klimawandel. „Der BUND Niedersachsen bemängelt unter anderem Fehler in der Artenschutzprüfung und die unzureichende Berücksichtigung des Habitatschutzes“, heißt es seitens des Landesverbandes.

Der Planungsstand im Landkreis Stade

Und im Landkreis Stade? Genehmigt ist der Bau des Elbtunnels bei Drochtersen. Wie berichtet aber mit der Einschränkung, dass erst gebaut wird, wenn die Anschlüsse sowohl in Schleswig-Holstein als auch in Niedersachsen „vollziehbar planfestgestellt und damit verkehrswirksam“ sind.

Dazu gehört das Autobahnkreuz Kehdingen, das A20 und A26 miteinander verknüpft. Der Planfeststellungsbeschluss liegt vor, allerdings gibt es Privatklagen gegen den Bau. Damit ist er noch nicht vollziehbar.

Weiterer Protest angekündigt

Matthias Fonger, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Bremen, begrüßte kürzlich den näher rückenden Baustart. Er betonte, dass die Küstenautobahn einen Beitrag zur Wirtschaftskraft im Norden leisten werde. „Ich hoffe auf einen deutlichen Schub im Ausbau der A20, weil es eine militärstrategisch und geostrategisch wichtige Autobahn ist. Solche Dinge werden beschleunigen und werden einen Impuls auslösen.“

Doch neuer Protest ist bereits für Samstag auf dem Schlossplatz in Oldenburg angekündigt. Ein Bündnis um Fridays for Future, dem VCD Landesverband und dem BUND ruft zu der Demonstration unter dem Titel „A20 nie – Verkehrswende jetzt“ auf. Die Veranstalter rechnen mit rund 500 Teilnehmern.

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