S-Bahnhof Jungfernstieg

Auf dem Bahnsteig der Linie S 3 hat ein 33-Jähriger seine Ex-Frau (34) und auch die gemeinsame Tochter erstochen, sondern auch die gemeinsame Tochter. Das Mädchen wurde nur ein Jahr alt.

Von Markus Lorenz 12.04.2018, 19:25 Uhr

„Die Tat war sehr, sehr entsetzlich in der Art der Ausführung, sehr gezielt und sehr, sehr massiv“, erklärte Polizeisprecher Timo Zill.

Der mutmaßliche Messerstecher Mourtala M. flüchtete zunächst vom Tatort, warf das Messer in einen Papierkorb. Dann rief er über 110 die Polizei, teilte seinen Aufenthaltsort mit und ließ sich an der Mönckebergstraße widerstandslos festnehmen. Was den Mann zu seiner Tat getrieben hat, blieb zunächst unklar. Bis in den Abend hinein wurde er vernommen, heute soll er einem Haftrichter vorgeführt werden. Zill: „Wir gehen bisher von einer Beziehungstat aus.“

Auch vom genauen Tatablauf werden nur Bruchstücke bekannt. Klar ist, dass M. im Getümmel der City-Station seine ehemalige Partnerin und seine Tochter vehement angegriffen hat.

Augenzeugenberichte, der Täter habe versucht, beiden die Kehle durchzuschneiden, bestätigte die Polizei zunächst nicht. Der Bahnsteig wird videoüberwacht, die Ermittler sind dabei, die Bilder auszuwerten.

Das Kleinkind verblutete noch auf dem Bahnsteig. Notärzte und Sanitäter konnten die Mutter zunächst reanimieren, brachten sie in eine Klinik. Dort erlag die 34-jährige Frau am Mittag ihren schweren Stichverletzungen. Die Frau hatte offenbar weitere vier Kinder.

Hinweise darauf, dass die Familie vom Sozialamt betreut wurde, gab es einstweilen nicht. Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) twitterte: „Die abscheuliche Tat bestürzt uns alle… Meine Gedanken sind bei den Geschwistern, um die sich der Kinder- und Jugendnotdienst nun liebevoll kümmern wird.“

Etliche Fahrgäste mussten das blutige Drama mit ansehen. Etwa ein Dutzend von ihnen war so geschockt, dass sie vom Kriseninterventionsteam betreut wurden. Die Rettungskräfte waren mit einem Großaufgebot vor Ort, auf dem Jungfernstieg landete ein Rettungshubschrauber. Der S-Bahnverkehr war über Stunden gesperrt oder eingeschränkt.

Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) reagierte „erschrocken und traurig“. Die Nordkirche twitterte: „Wir sind traurig. Gott halte das getötete Kind und seine Mutter. Gott weise den rechten Weg. Ein jeder von euch beschütze das Leben, behüte den Frieden.“ Der katholische Erzbischof Stefan Heße teilte mit: „Wir als Christen wollen an die beiden ermordeten Menschen und an alle Angehörigen denken und für sie gerade in diesen schweren Stunden beten.“

Scharfe Kritik kam von der AfD. Landeschef Dirk Nockemann warf den anderen Fraktionen in der Bürgerschaft Unfähigkeit vor. Erst am Vortag sei ein Antrag der AfD, Messerattacken nach Tatbegehungsform und Ethnie der Täter auszuwerten, von der Mehrheit im Parlament abgelehnt worden.

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