TWarum Lühes Dorfsheriff Kubik nicht alleine bleiben darf und soll
Dorfsheriff Torben Kubik mit seinem Vorgänger Jan Dohrmann und Samtgemeindebürgermeister Timo Gerke vor dem Rathaus in Steinkirchen. Foto: Vasel
Die Altländer kämpfen dafür, dass Dorfsheriff Torben Kubik in Steinkirchen nicht auf verlorenem Posten steht. Das sind ihre Argumente, und die sind offenbar überzeugend.
Steinkirchen. Bei der Feuerwehrversammlung hatte Polizeioberkommissar Torben Kubik einen Hilferuf abgesetzt. Samtgemeindebürgermeister Timo Gerke und die Politik waren sich einig: Mit Blick auf Sicherheit und Arbeitsbelastung müsste die Station in Steinkirchen mit zwei Beamten besetzt werden. Schon im Oktober 2025 hatte sich Gerke an die Polizeiführung gewandt, doch Zusagen „gab es bis heute nicht“.
Warum fordern die Altländer eine Verstärkung?
Für Samtgemeindebürgermeister Timo Gerke ist Polizeioberkommissar Torben Kubik mehr als ein Polizist. Kubik leiste Präventionsarbeit - bei der Schulwegsicherheit und bei der Bekämpfung von Jugendkriminalität. Gerke verweist auf Kinder und Jugendliche, die durch Diebstähle, Einbrüche und Raub auffielen. Das habe der Beamte eingedämmt. Er habe einen guten Zugang nicht nur zu jungen Straftätern - und sei gleichwohl Autoritätsperson.

Blick auf die Polizeistation in Steinkirchen. Foto: Vasel
Durch seine Orts- und Personenkenntnis habe er wiederholt Taten schnell aufklären können. Das erfordere Zeit. Doch die Arbeitsbelastung sei hoch, so Gerkes Eindruck. „Wir wollen nicht, dass er zur Wasserschutzpolizei zurückgeht“, sagt Gerd Dehmel (CDU). Doch dafür müsse das Land mit Blick auf die Fürsorgepflicht mehr tun. Die Politik sorge sich um seine Sicherheit.

Sogar mit „Fallen“ wie dieser muss Dorfsheriff Torben Kubik bei seinen Einsätzen rechnen. Foto: Samtgemeinde Lühe
Es könne nicht sein, dass Kubik allein auf der Wache arbeite oder unterwegs sei. In Notfällen bräuchten die Beamten aus Stade und Buxtehude fast eine Viertelstunde, um ihren Kollegen zu unterstützen. Das habe er selbst erlebt, so Gerke. „Die Gewaltbereitschaft nimmt zu, auch auf dem Land“, so Ulrike Mohr von den Grünen. Messereinsätze und dass Kubik von einem Mann das Brustbein gebrochen wurde, habe sie sehr erschrocken: „Das Land ist gefordert.“
Mit Blick auf die Tourismussaison und Erntezeit sollte zumindest zwischen April und Oktober ein weiterer Kollege die Wache verstärken, ist sich Gerke mit Gerd Dehmel (CDU), Jürgen Michaelis (SPD), Ulrike Mohr (Grüne) und Inge Massow-Oltermann (FWGL) einig. Im Sommer müsse er sich nicht nur um die Sicherheit der 10.000 Einwohner kümmern. Durch Lühe-Anleger, Bassenflether Strand und Feriendorf sei viel los. Massow-Oltermann: „Wir schätzen seine Bürgernähe.“ Doch die könne er nur leben, wenn er nicht in Akten ersticke.
Warum setzt die Politik nicht nur auf eine Resolution?
Der Ausschuss für Feuerschutz und öffentliche Ordnung werde sich mit dem Hilferuf befassen. Das hat der Vorsitzende Marco Harlef (CDU) angekündigt. Er arbeitet an einer Resolution. Die Altländer wollen Polizeipräsidentin Kathrin Schuol auffordern, für eine Doppelbesetzung der Polizeistation in Steinkirchen zu sorgen. Nicht nur in der Saison, betont CDU-Parteivorsitzender Gerd Dehmel.
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Außerdem haben die Altländer die Landtagsabgeordneten Birgit Butter (Buxtehude) und Melanie Reinecke (Stade) eingeschaltet. Denn das Personalproblem lasse sich nicht vor Ort lösen. Butter will sich im März mit der Polizeipräsidentin treffen. Auf der Agenda stehe nicht nur Steinkirchen, sondern auch die Präsenz der Polizei in den beiden Städten und den Gemeinden im Kreis Stade.
Hält die Polizei die Ein-Mann-Wachen für zeitgemäß?
Laut Innenministerin Daniela Behrens (SPD) kann die Ein-Personen-Besetzung wie in Steinkirchen, Oldendorf und Apensen in ländlichen Regionen organisatorisch erforderlich sein. Die Sicherheit der Polizeibeamten habe für die Ministerin höchste Priorität. Ihr Pressesprecher Maximilian Felmberg verweist auf technische Sicherheitsvorkehrungen, abgestimmte Einsatzkonzepte und eine enge Vernetzung mit umliegenden Dienststellen.
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Im Fall Steinkirchen gibt es nach dem Protest offenbar Bewegung. „Die Sicherheit unserer Beamtinnen und Beamten hat oberste Priorität“, sagt Polizeipräsidentin Schuol. Strukturen müssten sich stets an Gefährdungs- und Einsatzlage orientieren. Für ländliche Regionen bedeute das: Präsenz gewährleisten und zugleich Rahmenbedingungen schaffen, die sicheres Arbeiten ermöglichen. Deshalb würden bestehende Organisationsformen regelmäßig überprüft und, wo erforderlich, angepasst, sagt der Sprecher der Polizeidirektion Lüneburg, Laurits Penske.
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Die Polizei müsse dabei sowohl die Sicherheit der Einsatzkräfte als auch „eine flächendeckende und lageangepasste Präsenz nachhaltig gewährleisten“. Auf Deutsch: Für größere Einsätze muss weiter ausreichend Personal in Buxtehude und Stade vorhanden sein.
Die Entwicklung der Fallzahlen und die damit verbundene Belastungssituation, aber auch die Gefährdungslagen der Kollegen würden „fortlaufend analysiert und bewertet“. Die Führung in Lüneburg verweist auf die Unterstützung Kubiks durch einen Buxtehuder Beamten in der Saison 2025. Seinerzeit hatte der Buxtehuder Polizist Thorsten Fetz aus dem Kriminalermittlungsdienst des Polizeikommissariats Buxtehude seinen Kollegen unterstützt. Deshalb sei die Polizeiführung zu dem Schluss gekommen, für die Polizeistation Steinkirchen „eine entsprechende saisonale Unterstützung auch für 2026 vorzusehen“. Die Begründung: In den touristisch geprägten Sommermonaten sei mehr los.
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