Demos und Dosenbier: Punk-Camp auf Sylt gestartet
Nach einem juristischen Tauziehen ist am Montag das Punk-Protestcamp auf der Nordseeinsel gestartet - Netto aus der Nähe von Mannheim gehört zum Orga-Team. Foto: Lea Albert/dpa
Mit Bannern und Zelten sind auch im fünften Sommer wieder zahlreiche Punks aus ganz Deutschland nach Sylt gereist. Unter dem Motto „Normalize Revolution“ üben sie mit dem Protest-Camp auch Kritik.
Tinnum. Mit Flaggen, Bannern, Zelten und auch einigen Bierdosen ist auf Sylt das Punk-Protestcamp gestartet - nach einem juristischen Tauziehen um die Verhinderung des Treffens. Rund 40 Zelte standen zum Start der Aktion am Mittag auf der sogenannten Festwiese in Tinnum nahe des Flughafens. Veranstalter des vierwöchigen Camps auf der Nordseeinsel unter dem Motto „Normalize Revolution“ ist die Organisation „Aktion Sylt“.
Kapitalismus-Kritik auf Sylt
„Das Camp ist ein Ort, an dem alle willkommen sind, solange sie nicht die Grenzen des anderen missachten“, sagte Netto aus der Nähe von Mannheim, der zum Orga-Team gehört. Seinen Nachnamen möchte er der Deutschen Presse-Agentur nicht nennen.
Zu den Grundsätzen des Camps zählen seiner Meinung nach Solidarität und Kapitalismus-Kritik - diese Punkte standen auch in den Vorjahren im Fokus des Camps. Seit dem ersten Punk-Sommer vor vier Jahren ist Netto jedes Jahr dabei. Das Camp sei für ihn ein „gelebter Gegenentwurf zur eigentlichen Gesellschaft“.
Entgegen der Auffassung des Landkreises Nordfriesland sieht Netto das Camp als politische Versammlung, wie es zuletzt auch das Verwaltungsgericht entschieden hatte. Dass der Kreis das Camp stoppen möchte, ist aus seiner Sicht ein „Angriff auf das Recht der Versammlungsfreiheit.“
Er vermutet, dass die Kritik damit zusammenhängt, dass es sich bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern um Punks handelt. Grundsätzlich seien vorbeikommende Urlauberinnen und Urlauber sowie Sylterinnen und Sylter der Gruppe aber bisher wohlgesonnen.
Demos, Musik und Workshops auf Sylt
„Ich finde, wir sind eines der wenigen politischen Camps, dass direkt die Ansprüche der Unterschicht - also Straßenleute und Wohnungslose - vertritt“, sagte Andi aus Süddeutschland der dpa, auch er möchte seinen Nachnamen nicht nennen. Auf Sylt wird nach Ansicht des 26-Jährigen deutlich, wie sehr wohlhabendere Menschen bevorzugt werden. Das Camp habe sich im Laufe der vergangenen vier Jahre entwickelt und inzwischen „seine Stimme gefunden“.
„Ich sympathisiere mit den Punks - ich sehe zwar nicht so aus, trage die Idee aber im Herzen“, sagte Teilnehmer Fred aus Stuttgart der dpa. Er ist im dritten Sommer auf der Nordseeinsel mit dabei. Laut Organisatoren sind in den kommenden Wochen Workshops, Demonstrationen, Musikveranstaltungen im Camp sowie Laufdemonstrationen ins Zentrum der Insel geplant.
Start auf Sylt war unklar
Ob das Camp überhaupt starten kann, war bis zuletzt noch unklar. Der Kreis Nordfriesland hatte vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) Beschwerde gegen einen Beschluss des Verwaltungsgerichts zum Punk-Protestcamp eingelegt - der Kreis zweifelt am politischen Charakter des Camps. Das Verwaltungsgericht hatte zuvor entschieden, dass das Protestcamp vorerst stattfinden darf. Das OVG hat nach Angaben des Verwaltungsgerichts vom Freitag noch nicht über die Beschwerde entschieden.
Es ist der fünfte Punksommer in Folge auf der Insel. Mit dem 9-Euro-Ticket waren im Sommer 2022 zahlreiche Punks aus ganz Deutschland nach Sylt gereist und hatten mit dem ersten Protestcamp bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Damals campierten rund 100 Punks in Zelten vor dem Rathaus in Westerland. Seit 2023 ist das Camp weiter außerhalb auf dem Tinnumer Festplatz untergebracht.
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Am Montag ist auf Sylt das Punk-Protestcamp gestartet. Foto: Lea Albert/dpa