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Konjunktur

Deutsche Wirtschaft wächst stärker - Staat tief im Minus

Hoffnungsschimmer: Die Wirtschaft in Deutschland hat im zweiten Quartal zugelegt. (Symbolbild)

Hoffnungsschimmer: Die Wirtschaft in Deutschland hat im zweiten Quartal zugelegt. (Symbolbild) Foto: Thomas Warnack/dpa

Die deutsche Wirtschaft bleibt trotz aller Krisen robust und wächst im dritten Quartal in Folge. Kommt der lange erhoffte Aufschwung - auch dank staatlicher Milliardeninvestitionen - endlich in Fahrt?

Von Jörn Bender und Alexander Sturm, dpa 25.08.2026, 09:10 Uhr
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Wiesbaden. Mit dem dritten Wachstumsquartal in Folge macht die deutsche Wirtschaft Hoffnung auf ein Ende der Konjunkturflaute. Trotz Rückschlägen infolge des Iran-Kriegs legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Zeitraum April bis Juni zum Vorquartal um 0,3 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt errechnet hat. Das Wachstum fiel damit 0,1 Punkte höher aus als zunächst erwartet.

Die Präsidentin des Statistischen Bundesamtes, Ruth Brand, erklärte: „Wie schon im ersten Quartal ging der Anstieg vor allem auf die gute Exportentwicklung zurück.“ Insgesamt wurden 2,0 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen exportiert als im ersten Quartal 2026. Dagegen legten sowohl die privaten als auch die staatlichen Konsumausgaben mit jeweils 0,1 Prozent nur leicht zu. Die Investitionen etwa in Maschinen und Fahrzeuge sanken.

„Gemessen an den stellenweise düsteren Konjunkturaussichten in Anbetracht des Iran-Kriegs fällt das deutsche Wachstum erstaunlich solide aus“, stellte der Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank, Thomas Gitzel, fest. „Die guten Nachrichten werden sich fortsetzen: Die Auftragsbücher im verarbeitenden Gewerbe sind gut gefüllt.“ Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen schreibt: „Alles in allem sprechen die heutigen Zahlen dafür, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr wieder einmal nennenswert zulegen wird.“

Defizit steigt deutlich

Allerdings bringt der Dürre-Sommer neue Probleme für Unternehmen und Verbraucher. Und die finanziellen Herausforderungen bleiben gewaltig: Im ersten Halbjahr gab der Staat 71,3 Milliarden Euro mehr aus, als er einnahm. Das staatliche Defizit war damit um 36,6 Milliarden Euro höher als im Vorjahreszeitraum.

Staatsfinanzen unter Druck: Das Defizit ist stark gewachsen. (Symbolbild)

Staatsfinanzen unter Druck: Das Defizit ist stark gewachsen. (Symbolbild) Foto: Kay Nietfeld/dpa

Bezogen auf die Wirtschaftsleistung lag das Defizit von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung im ersten Halbjahr 2026 bei 3,1 Prozent, wie das Bundesamt auf Basis vorläufiger Daten errechnete. Das ist etwas mehr als die 3,0 Prozent, die europäische Vorgaben zum Haushaltsdefizit erlauben.

Der Großteil des Defizits geht auf den Bund zurück, bei dem sich die Lücke um 29 Milliarden Euro auf etwas mehr als 48 Milliarden Euro vergrößerte. Auch bei den Ländern stieg das Minus, während die Gemeinden ihr Defizit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verringern konnten. Die Sozialversicherung verzeichnete ein Defizit von 1,8 Milliarden Euro, nachdem es im ersten Halbjahr 2025 noch einen Überschuss von 3,8 Milliarden Euro gegeben hatte. Dies lag vor allem an höheren Ausgaben in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung.

Lage bei Staatsfinanzen spitzt sich zu

Bei den Staatsfinanzen bleibt die Lage angespannt. Weil der Staat schuldenfinanziert Milliarden in Straßen, Schienen und Verteidigung steckt, erwarten Experten, dass die Defizitquote steigen wird: von 2,7 Prozent im Gesamtjahr 2025 auf mehr als 4 Prozent 2027. 

Der wachsende Schuldenberg Deutschland erhöht nach Einschätzung mancher Ökonomen die Gefahr, dass Deutschlands Kreditwürdigkeit heruntergestuft wird. Sollten die Ratingagenturen der Bundesrepublik die Bestnote AAA („Triple A“) entziehen, würde es für den Staat teurer, sich bei Investoren am Markt frisches Geld zu besorgen. Höhere Zinskosten würden den Staatshaushalt belasten - zumal die Renditen von zehnjährigen Bundesanleihen kürzlich ohnehin auf den höchsten Stand seit 2011 stiegen.

„Erwarten wieder kräftige Wachstumsraten“

Zuletzt mehrten sich immerhin die Anzeichen, dass die deutsche Wirtschaft an Fahrt gewinnt - getragen von starken Exporten, hohen Unternehmensgewinnen und einer Belebung am Bau, wo wieder deutlich mehr Wohnungen genehmigt werden. Auch die Zuversicht in den Unternehmen nimmt wieder zu, das Ifo-Geschäftsklima stieg im August den vierten Monat in Folge. 

Nachdem die deutsche Wirtschaft bereits im ersten Quartal mit 0,4 Prozent kräftiger zugelegt hatte als erwartet, trauen Ökonomen Europas größter Volkswirtschaft in diesem Jahr etwa ein Prozent Wachstum zu. Die staatliche Förderbank KfW hob ihre Prognose um 0,4 Prozentpunkte auf 1,1 Prozent an. 

Das wäre zwar noch kein fulminanter Aufschwung, aber deutlich mehr als die 0,2 Prozent Plus 2025 nach zwei Jahren schrumpfender Wirtschaftsleistung. „Wir erwarten ab dem Schlussquartal dieses Jahres wieder positive, teils kräftige Wachstumsraten“, sagt KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher.

Niedrigwasser dämpft vorübergehend Erholung

Während die Milliarden-Ausgaben der Bundesregierung für Infrastruktur und Verteidigung die Konjunktur stützen, birgt das Rekord-Niedrigwasser am Rhein das nächste Risiko: Da der Warentransport über das Wasser stockt, wird die Produktion in Branchen wie der Chemieindustrie gedämpft. 

Das Niedrigwasser im Rhein bremst die deutsche Wirtschaft. (Archivbild)

Das Niedrigwasser im Rhein bremst die deutsche Wirtschaft. (Archivbild) Foto: Federico Gambarini/dpa

„Im dritten Quartal dürften die Folgen der niedrigen Pegelstände auf wichtigen Wasserstraßen die Erholung der deutschen Wirtschaft vorübergehend ausbremsen“, prognostizierte jüngst die Bundesbank. Die Wirtschaft dürfte von Juli bis September „allenfalls noch leicht zulegen“.

Iran-Konflikt und kein Ende

Hohe Energiepreise bleiben zudem eine Belastung für Firmen und Verbraucher. Nach Auslaufen des Tankrabatts stieg die Inflationsrate im Juli direkt um 0,5 Prozentpunkte auf 2,8 Prozent. In den nächsten Monaten könnte die Teuerung weiter anziehen. Denn der Konflikt zwischen den USA und dem Iran ist weiter ungelöst und die wichtige Handelsstraße von Hormus faktisch blockiert.

Die deutschen Staatsfinanzen sind angespannt. (Symbolbild)

Die deutschen Staatsfinanzen sind angespannt. (Symbolbild) Foto: Jan Woitas/dpa

Höhere Verbraucherpreise bremsen den privaten Konsum. (Symbolbild)

Höhere Verbraucherpreise bremsen den privaten Konsum. (Symbolbild) Foto: Sebastian Kahnert/dpa

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