Zähl Pixel
Jahr der Landfrauen

Erbfolge bremst Frauen als Chefinnen auf dem Bauernhof aus

Die Hofnachfolge ist meist männlich, Frauen besitzen wenig Land.

Die Hofnachfolge ist meist männlich, Frauen besitzen wenig Land. Foto: Philipp Schulze/dpa

Frauen sind in der Landwirtschaft immer noch unterrepräsentiert - als Leiterinnen von Betrieben und auch beim Besitz von Land. Der Hauptgrund: Das Erbe geht meist an einen Sohn.

Von dpa 02.09.2026, 06:05 Uhr
3 Monate Premium-Zugriff auf tageblatt.de für nur 0,99 €! Jetzt sichern!

Hannover. Nur sehr wenige Landwirtinnen tragen offiziell Verantwortung auf Höfen oder besitzen Land. „Wegen der Erbfolge und der Tradition ist der älteste Sohn immer noch Haupterbe“, sagte Zazie von Davier vom Thünen-Institut in Braunschweig. Das sei auch der Grund, warum sich zeitnah nichts ändern könne. 

„Gesellschaftliche Veränderungen gehen nicht so schnell. Selbst wenn sich ein junges Paar entscheidet, der Tochter alles zu vererben, wird es erst in etwa 30 Jahren der Fall sein“, erklärt die Wissenschaftlerin. Der zweite Grund sei, dass Frauen auch für die Kinder zuständig seien. „Es bedarf einer Umstellung in der Familie zur Vereinbarkeit von Berufen in Führungspositionen“, betont von Davier. 

Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen sind weltweit rund 38 Prozent der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft Frauen. Gleichzeitig sei weniger als 15 Prozent des Landbesitzes in weiblicher Hand. Der ungleiche Zugang zu Land, Kapital, Bildung und weiteren Ressourcen begrenze damit auch das Potenzial der Landwirtschaft. 

Auch die Situation in Deutschland zeige Handlungsbedarf. Untersuchungen zeigten, dass lediglich 24 Prozent der Frauen, die in der Landwirtschaft arbeiten, einen Teil oder das gesamte Eigentum an Flächen und Gebäuden besitzen. Nur rund elf Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe werden von Frauen geleitet. Regional ist das unterschiedlich. „Frauen leiten eher kleinere Betriebe und einige haben die Nachfolge der früheren LPG-Großbetriebe im Osten übernommen“, berichtet von Davier. 

Niedersachsen will bessere Strukturen für Frauen schaffen

„Frauen müssen gleichberechtigt Zugang zu Land, Kapital, Förderung und Wissen haben und an Entscheidungen beteiligt sein. Das ist eine Voraussetzung für eine zukunftsfähige Landwirtschaft“, sagt Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne). Niedersachsen will deshalb die strukturellen Rahmenbedingungen für Frauen in der Landwirtschaft stärker in den Blick nehmen. 

Dazu gehörten insbesondere der Zugang zu Land und Kapital, die Vereinbarkeit von Familie und Betriebsführung sowie die soziale Absicherung selbstständiger Unternehmerinnen. Auch bei der Weiterentwicklung der gemeinsamen Agrarpolitik sollen die besonderen Bedarfe von Frauen stärker berücksichtigt werden. 

Dass Frauen unterrepräsentiert sind, sei auch ein statistisches Problem, sagt von Davier: „Es gibt offiziell nur einen Betriebsleiter, in der Wirklichkeit sind aber noch mehr Menschen beteiligt“. In den USA seien inzwischen vier Menschen in der Leitung zugelassen. Die Folge: „Statistisch sind die weiblichen Anteile auf rund ein Drittel hochgeschnellt“, berichtet sie.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel