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Gasversorgung

TFür eine halbe Milliarde Euro: Energieleitung kann gebaut werden

Für die Rohre wurden schon vor dem Planfeststellungsbeschluss Lagerplätze eingerichtet.

Für die Rohre wurden schon vor dem Planfeststellungsbeschluss Lagerplätze eingerichtet. Foto: Fehlbus

Die Energietransportleitung ETL 182 soll Gas aus dem Kreis Stade nach Achim transportieren. So sieht der weitere Ablauf des Projekts bis Herbst 2027 aus.

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Von Miriam Fehlbus
Samstag, 10.01.2026, 07:50 Uhr

Fredenbeck. Bisher waren alles vorbereitende Maßnahmen, nun kann es losgehen. Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) hat den Antrag auf Planfeststellung für den Bau und Betrieb der Energietransportleitung „ETL 182 Elbe Süd - Achim“ endgültig genehmigt. Trägerin des Vorhabens ist die Gasunie Deutschland Transport Services GmbH (Gasunie).

Eines der größten Pipelineprojekte Deutschlands

„Gasunie hat grünes Licht für den Bau eines der größten Pipelineprojekte Deutschlands bekommen - ich freue mich über diesen wichtigen Meilenstein, auf den wir uns in den vergangenen Jahren intensiv vorbereitet haben“, sagte Britta van Boven, Geschäftsführerin von Gasunie Deutschland.

Anlieferung der 18 Meter langen Rohre zum Lagerplatz in Klein Wohlerst.

Anlieferung der 18 Meter langen Rohre zum Lagerplatz in Klein Wohlerst. Foto: Fehlbus

In den vergangenen Monaten wurden bereits die riesigen Rohre mit Bahn und Lkw an Sammelplätze gebracht. Diese befinden sich im Bereich des Landkreises Stade in Steinkirchen, Agathenburg, Steinbeck, Bargstedt und Klein Wohlerst.

Betreten verboten. Die Lagerplätze könnten für spielende Kinder gefährlich sein, befürchtet Gasunie.

Betreten verboten. Die Lagerplätze könnten für spielende Kinder gefährlich sein, befürchtet Gasunie. Foto: Fehlbus

Die Flächen wurden wie Mega-Parkplätze befestigt, teilweise mit Asphaltschichten versehen. Diese Befestigung wird am Ende zurückgebaut, sagte Sprecher Philipp von Bergmann-Korn gegenüber dem TAGEBLATT. Gut gesichert sind die Rohre mit 1,40 Meter Durchmesser durch hohe Zäune und Videoüberwachung.

Kosten werden bei 550 Millionen Euro liegen

Aufgrund der zeitlichen Vorgaben im Netzentwicklungsplan Gas 2022 bis 2032 hatte Gasunie zunächst für einige Teilbaumaßnahmen den vorzeitigen Beginn beantragt, der im August 2025 unter Vorbehalt zugelassen wurde. Mit dem jetzt erlassenen Planfeststellungsbeschluss können sämtliche Baumaßnahmen umgesetzt werden. Die Kosten werden mit rund 550 Millionen Euro beziffert.

Viele Rohre warten in Bargstedt auf den Einbau. Sie sind durch Stacheldrahtzaun und Videoüberwachung gesichert.

Viele Rohre warten in Bargstedt auf den Einbau. Sie sind durch Stacheldrahtzaun und Videoüberwachung gesichert. Foto: Fehlbus

Weil sich die größten Kostenblöcke aus Materialbeschaffung und Abschluss eines Generalunternehmervertrags mit den Baufirmen ergeben, sollte eine Kostensteigerung begrenzt sein, heißt es als Antwort auf eine Kleine Anfrage aus dem vergangenen Jahr im Landtag. Wetter und Bodenverhältnisse könnten beim Bau noch zu finanziell relevanten Veränderungen führen.

„Jetzt können die Bagger rollen“, sagt Britta van Boven, Geschäftsführerin von Gasunie Deutschland.

„Jetzt können die Bagger rollen“, sagt Britta van Boven, Geschäftsführerin von Gasunie Deutschland. Foto: FOTOSTUDIO_54/Gasunie

Gerade liegt viel Schnee auf dem Boden. Aber die Geschäftsführerin von Gasunie Deutschland blickt optimistisch auf den Zeitplan: „Jetzt können die Bagger rollen und wir werden mit unserer ganzen Energie und Professionalität daran arbeiten, die Leitung fristgerecht im Herbst 2027 in Betrieb nehmen zu können“, so Britta van Boven.

Im Alten Land wird die Leitung in zwei Metern Tiefe verlegt

Die Leitung verbindet die Netzpunkte „Elbe Süd“ auf Höhe der Elbinsel Lühesand und Achim auf einer Länge von 86,9 Kilometern. Sie verläuft innerhalb der Landkreise Stade, Rotenburg und Verden über die Gebiete der Hansestadt Stade, der Samtgemeinden Lühe, Horneburg, Fredenbeck, Harsefeld, Selsingen und Tarmstedt, des Fleckens Ottersberg, der Gemeinde Oyten sowie der Stadt Achim.

Der geplante Verlauf der Energietransportleitung ETL 182 Elbe-Süd nach Achim.

Der geplante Verlauf der Energietransportleitung ETL 182 Elbe-Süd nach Achim. Foto: Gasunie

Verlegt wird die Leitung in einer Tiefe von mindestens einem Meter. Im Alten Land wird sie aufgrund der Obstbaukulturen in zwei Metern Tiefe verlegt. Weitgehend werden die Rohre in offener Bauweise in den Boden gebracht. Das heißt, es wird ein Graben ausgehoben und die Rohre werden hineingelegt. Nur stellenweise wird eine geschlossene Bauweise angewendet.

Planfeststellungsbeschluss ab Februar ausgelegt

Im Verfahren wurden die Träger öffentlicher Belange, die anerkannten Naturschutzvereinigungen sowie die Öffentlichkeit beteiligt. Insgesamt gingen 56 Stellungnahmen von öffentlichen Stellen sowie 10 Stellungnahmen aus der Öffentlichkeit ein.

Ende 2024 hatte Gasunie auf vier Veranstaltungen entlang der Trasse im Rahmen der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung die Hintergründe des Projekts und die weiteren genehmigungsrechtlichen Schritte erläutert. Als Ersatz für einen Erörterungstermin wurde eine Onlinekonsultation durchgeführt.

Schwer, aber auch empfindlich. Die Rohre wurden sorgsam transportiert. Jetzt liegen sie bereit zum Einbau.

Schwer, aber auch empfindlich. Die Rohre wurden sorgsam transportiert. Jetzt liegen sie bereit zum Einbau. Foto: EVB

Die Auslegung des Planfeststellungsbeschlusses erfolgt gemäß § 43b Energiewirtschaftsgesetz ausschließlich in elektronischer Form. Die Unterlagen können zwei Wochen lang, von Montag, 2. Februar, bis Montag, 16. Februar, im Internet sowie im niedersächsischen UVP-Portal (Umweltverträglichkeitsprüfungen) eingesehen werden.

Irritationen rund um das abgezogene LNG-Schiff

Wie berichtet soll die Energietransportleitung (ETL) 182 dafür sorgen, dass LNG, also Erdgas, das für den Überseetransport via Spezialschiff verflüssigt wurde, von den deutschen Importterminals Brunsbüttel und Stade aus in Richtung Süden bis nach Achim transportiert werden kann.

Zwischenzeitlich gab es in Stade Irritationen über das abgezogene Charterschiff. Im November 2025 wurde dann ein Fortschritt auf dem Weg zur Fertigstellung und anschließenden Inbetriebnahme des schwimmenden LNG-Terminals Stade vermeldet. Zwischen der bundeseigenen Deutschen Energy Terminal GmbH (DET) und der bislang bauausführenden Hanseatic Energy Hub GmbH (HEH) gab es eine Vereinbarung über die Fertigstellung der Suprastruktur durch DET.

Das Stader Terminal könnte frühestens im zweiten Quartal 2026 in Betrieb gehen. Deutschland hat aber im vergangenen Jahr nach Zahlen der Bundesnetzagentur bereits mehr als zehn Prozent seiner Gasimporte über die Terminals für Flüssigerdgas an Nord- und Ostsee abgewickelt. Die ETL 182 von Stade nach Achim ist auch für den Transport von Wasserstoff ausgelegt.

Rohranlieferung: Fredenbeck als Dreh- und Angelpunkt

Seit Anfang Oktober rollten die Rohre auf großen Lkw durch den Landkreis. Dabei wurde die Geest zum Dreh- und Angelpunkt. Hintergrund ist ein Großauftrag für die Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser GmbH (EVB). Nach Angaben des Unternehmens handelte es sich um einen der größten Aufträge der letzten Jahre auf dem eigenen Streckennetz im Elbe-Weser-Dreieck.

Am Fredenbecker Bahnhof wurden die Rohre vom Zug auf Lkw umgeladen und so zu den Lagerplätzen transportiert.

Am Fredenbecker Bahnhof wurden die Rohre vom Zug auf Lkw umgeladen und so zu den Lagerplätzen transportiert. Foto: EVB

Im Auftrag der Fracht FWO AG transportierte die EVB Logistik die 18 Meter langen und bis zu 15 Tonnen schweren Stahlrohre mit fünf Zügen pro Woche. Die Rohre, hergestellt von der Europipe-Gruppe, wurden zunächst vom Werk in Mülheim/Ruhr über Stade nach Fredenbeck transportiert.

Ein voll beladener Zug der EVB mit den 18 Meter langen Rohren.

Ein voll beladener Zug der EVB mit den 18 Meter langen Rohren. Foto: SOMMERFELD ACEBRON/evb

Am Bahnhof in Fredenbeck wurden sie auf Lkw entladen, später wanderte der Umschlagplatz nach Zeven. Je vier Rohre konnten pro Eisenbahnwaggon transportiert werden.

Noch eine Leitung von Gasunie um Stade herum bis Deinste

Es gibt noch ein weiteres Projekt von Gasunie im Landkreis Stade. Dieses wird unter dem Projektnamen „ETL 179.200 Bützfleth – Deinste“ geführt.

Die zweite Strecke von Gasunie durch den Landkreis Stade ist die ETL 179.200, für die ebenfalls Rohrlagerplätze eingerichtet sind.

Die zweite Strecke von Gasunie durch den Landkreis Stade ist die ETL 179.200, für die ebenfalls Rohrlagerplätze eingerichtet sind. Foto: lbeg.niedersachsen.de

Dieses stellt die Verbindung zwischen dem im Bau befindlichen landbasierten Stader LNG-Terminal und dem Bestandsnetz von Gasunie her. Die Trasse führt von Bützfleth über die Rohrlagerplätze Götzdorf, Stadermoor, Wiepenkathen und Hagen nach Deinste.

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