Mit Federers Tipps: Teenager Antonelli jagt Formel-1-Titel
Antonelli unterhielt sich in Wimbledon angeregt mit Roger Federer. (Archivbild) Foto: Kirsty Wigglesworth/AP/dpa
Kimi Antonelli führt die Formel-1-Gesamtwertung an und holt sich Rat von Tennis-Legende Roger Federer. Was der 19-Jährige über Druck, Fehler und seine Konkurrenz sagt.
Spa-Francorchamps. Kimi Antonelli hörte ganz genau hin, als Roger Federer dem jungen Formel-1-Spitzenreiter ein paar Ratschläge mitgab. „Er hat mir gesagt, ich soll nur von Rennen zu Rennen denken und die Emotionen kontrollieren, die Fehler verursachen“, sagte der 19-Jährige. In Wimbledon saßen der italienische Teenager und die Schweizer Tennis-Legende (44) kürzlich nebeneinander in der Royal Box. Und natürlich holte sich Antonelli beim großen Federer ein paar Tipps ab, die ihm auf dem Weg zu seinem ersten WM-Titel vielleicht noch helfen. Spätestens mit dem Gewinn der Trophäe wäre er selbst in jungen Jahren schon ein ganz Großer seines Sports.
„Es war super, mit ihm über alles Mögliche zu sprechen. Er ist nicht nur ein unglaublicher Athlet, sondern auch bescheiden und sehr offen“, sagte Antonelli in Spa-Francorchamps. Vor dem zehnten Saisonlauf der Motorsport-Königsklasse führt er die Gesamtwertung mit 25 Punkten Vorsprung vor seinem britischen Silberpfeil-Teamkollegen George Russell an. Zuletzt hatte er allerdings viel Pech und verpasste es so nach zwischenzeitlich fünf Siegen nacheinander, noch deutlicher zu führen. „Die Zuverlässigkeit ist nicht unsere Stärke, daran müssen wir arbeiten“, sagte Antonelli vor dem WM-Lauf am Sonntag (15.00 Uhr/Sky und RTL) in Belgien.
Antonelli könnte Italiens erster Weltmeister seit 1953 werden
Eine 8,5 von 10 würde er seiner zweiten Saison bisher geben, sagte der Kumpel von Tennis-Ass Jannik Sinner. Ein schlechter Start in Japan, Fehler im Sprint von Miami oder den Qualifikationen in Barcelona und Spielberg führen dazu, dass er kein besseres Urteil fällen wollte. Zudem zwang ihn ein unverschuldeter Schaden an seinem Auto zum zweiten Mal in den vergangenen drei Rennen in die Knie. Diese Rückschläge wie vor zwei Wochen in Silverstone will er am liebsten schnell vergessen. „Unser Auto ist bisher immer schnell, deswegen erwarte ich uns vorn“, sagte er.

Mercedes ist mit Antonelli Favorit auf den WM-Titel. (Archivbild) Foto: David Davies/PA Wire/dpa
Die Hoffnungen in seiner Heimat sind groß, dass Antonelli der erste italienische Formel-1-Weltmeister seit 73 Jahren werden könnte. 1953 hatte Alberto Ascari im Ferrari triumphiert, seitdem warten die Tifosi auf einen Nachfolger. „Ich muss abliefern und versuchen, das Maximum aus dem herauszuholen, über das ich Kontrolle habe“, sagte Antonelli. Das heißt konkret: möglichst keine Fehler machen, immer konzentriert bleiben und der Konkurrenz nur das Heck zeigen.
Kaum jemand im Fahrerlager hat Zweifel daran, dass der junge Mann aus Bologna ein künftiger Weltmeister ist. „Man konnte schon im Kart sein herausragendes Talent sehen“, sagte der viermalige Weltmeister Max Verstappen über seinen Konkurrenten. Der Niederländer fährt im Red Bull als WM-Siebter mit 103 Punkten Rückstand nur hinterher, während er über das abgezockte Supertalent Antonelli sagte: „Im Moment macht er einen unglaublichen Job. Er hat einen großen Sprung gehabt.“
„Die Erwartungen wachsen“
Im Vorjahr brauchte Antonelli noch Zeit, sich an die Königsklasse zu gewöhnen. Auch auf dem welligen Kurs in den Hügeln von Spa-Francorchamps lief es überhaupt nicht. Bei seinem bislang einzigen WM-Lauf in den Ardennen gab es nach einem schwachen Sprint und einem enttäuschenden Qualifying nur Platz 16. „Es ist normal, dass man im ersten Jahr Fehler macht“, sagte Verstappen, der bei seinem Debüt in der Formel 1 selbst erst 17 Jahre alt war. Bei ihm folgten neben den vier Titeln bis jetzt auch noch 71 Rennsiege, Antonelli steht derzeit bei fünf Grand-Prix-Triumphen.

Da haben selbst Hamilton und Verstappen keine Chance: Antonelli nach dem Sieg in Kanada. (Archivbild) Foto: Bradley Collyer/PA Wire/dpa
Ob in Belgien ein weiterer folgt? Mercedes scheint durch den starken Motor im Vorteil zu sein, die Jäger heißen Ferrari, Red Bull und McLaren. „Mercedes ist immer noch der Favorit“, sagte Charles Leclerc, der vor zwei Wochen in England siegte, deutlich. „Uns hat das selbst etwas überrascht“, sagte der Monegasse von Ferrari zu einem ersten Saisonsieg bei einer Pressekonferenz, bei der er direkt neben Antonelli saß. Dieser wiederum gab an, dass der frühere Vizeweltmeister Leclerc in Italien derzeit noch ein deutlich größerer Star ist als er selbst.
Doch das könnte sich schnell ändern. „Die Begeisterung zu sehen, ist super. Aber die Erwartungen wachsen natürlich auch“, sagte Antonelli. „Es gibt natürlich Momente, in denen man nicht erkannt werden möchte, aber das gehört eben auch dazu.“ Und siegt er weiter, dürfte er bald nicht mehr nur in Italien kaum noch unerkannt auf die Straße gehen können. Wie sich das anfühlt, weiß Federer schon lange bestens.