Zähl Pixel
Vielfalt

Pride Week in Hamburg: Sichtbar trotz Drohungen

Die Markise des Cafés sorgte in der Vergangenheit für Hass.

Die Markise des Cafés sorgte in der Vergangenheit für Hass. Foto: Christian Charisius/dpa

Welche Auswirkungen der Angriff auf den Berliner CSD in Hamburg spürbar macht und wie die queere Community mit der Angst umgeht.

Von dpa 29.07.2026, 04:35 Uhr
3 Monate Premium-Zugriff auf tageblatt.de für nur 0,99 €! Jetzt sichern!

Hamburg. Sie ist bunt, auffällig und soll vor allem eines sagen: Hier bist du willkommen. Doch genau diese Regenbogenmarkise macht ein queeres Café in der Langen Reihe in Hamburg-St. Georg immer wieder zum Ziel von Anfeindungen, wie die Betreiber sagen. Die Straße in St. Georg ist seit Jahrzehnten ein Treffpunkt der schwul-lesbischen Szene. Es habe Drohanrufe gegeben. Auch sei angekündigt worden, die Regenbogenflaggen am Laden anzuzünden. Mitarbeiter des Cafés würden beschimpft, aus vorbeifahrenden Autos diskriminierende Beleidigungen gerufen. 

Die Regenbogenfarben, die eigentlich als Symbol für Vielfalt und Zugehörigkeit stehen sollen, würden immer wieder zum Auslöser von Hass, sagt Jens Weber, Mitarbeiter im Café Uhrlaub. Vor einigen Jahren sei das noch anders gewesen. „Mittlerweile ist es leider so, dass diese Akzeptanz extrem abfällt.“. Queerfeindlichkeit sei für das Team keine abstrakte gesellschaftliche Debatte, sondern Alltag. 

Berliner CSD: Angriff wirkt weit über Berlin hinaus

Der Angriff auf den Berliner CSD zeige für Weber, dass sich diese Entwicklung zuspitze. Die Gewalt richte sich nicht nur gegen einzelne Menschen, sondern werde von vielen als Angriff auf die gesamte queere Gemeinschaft wahrgenommen. 

„Es ist ja ein Angriff auf unsere Community, auf die LGBTQIA+-Community und auf unsere queere Community. Das ist ein absolutes Drama“, sagt Weber. Die Ereignisse in Berlin hätten deshalb weit über die Hauptstadt hinaus Wirkung. Sie verstärkten die Sorge vieler queerer Menschen, auch im Alltag zur Zielscheibe zu werden. 

Sichtbarkeit trotz Anfeindungen

„Das sind mittlerweile Ausmaße, die einem wirklich Angst bereiten“, sagt Weber. Besonders belastend sei, dass solche Anfeindungen direkt vor der eigenen Haustür stattfänden. „Diese Angst und Panik, die haben wir auch.“ Trotzdem dürfe Angst nicht bestimmen, wie queere Menschen leben oder wie sichtbar sie sind. „Angst ist natürlich ein ganz, ganz schlechter Ratgeber. Und wir dürfen uns von der Angst nicht überwältigen lassen.“

Gerade deshalb sei der Christopher Street Day in diesem Jahr besonders wichtig. „Umso wichtiger ist es, jetzt wieder Flagge zu zeigen“, sagt Weber. Der CSD mache sichtbar, dass queere Menschen ihren Platz in der Gesellschaft haben und ihn nicht aufgeben werden. „Liebe ist größer als der Hass“, sagt er. 

Die Regenbogenmarkise an der Fassade des Cafés hängt weiterhin. Nicht trotz der Anfeindungen, sondern gerade ihretwegen. Sie stehe für den Anspruch, dass queere Menschen sichtbar sein können und willkommen sind, sagt Weber.

Jens Weber arbeitet im Café Uhrlaub.

Jens Weber arbeitet im Café Uhrlaub. Foto: Christian Charisius/dpa

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel

Wieder Wal im Hafen von Wismar aufgetaucht

Erneut sorgt ein Wal im Hafen von Wismar für Aufmerksamkeit. Bereits Anfang März war hier ein großer Wal aufgetaucht und hielt in den Wochen danach nicht nur Menschen in Deutschland in Atem.