S3-Schnellbremsung: Handy-Navi bringt Senioren in Lebensgefahr
Ein aufmerksamer S-Bahn-Angestellter hat ein Zugunglück in Hamburg verhindert. (Symbolbild) Foto: Marcus Brandt/dpa
Ein Triebfahrzeugführer ist mit einer S-Bahn der Linie S3 in Richtung Neugraben unterwegs, als plötzlich ein Mann vor dem Zug auf den Gleisen auftaucht.
Hamburg. Am Montag, gegen 12 Uhr, soll ein 72-Jähriger den Gleisbereich zwischen den Bahnhöfen Diebsteich und Altona betreten haben, meldet die Bundespolizei Hamburg.
Eine S-Bahn der Linie S3 war in Richtung Neugraben unterwegs und kurz vor Einfahrt in den Bahnhof Altona. „Ein aufmerksamer Triebfahrzeugführer bemerkte eine Person im Gleisbereich und leitete bei einer Geschwindigkeit von circa 15 km/h eine Schnellbremsung ein“, berichtet Polizeisprecher Woldemar Lieder. Es seien keine Fahrgäste der S3 verletzt worden.
Triebfahrzeugführer holt Senioren aus dem Gleisbereich
Die S-Bahn hielt vor dem Senioren im Gleisbereich an, der Mann blieb ebenfalls unverletzt. Der Triebfahrzeugführer habe den 72-Jährigen aus dem Gleisbereich geholt und ihn bis zum Halt des Zuges im Bahnhof Altona mitfahren lassen.
„Angeforderte Bundespolizisten befragten im Bahnhof Altona den Triebfahrzeugführer“, so Lieder. Der Mann sei weiter dienstfähig geweisen.
72-Jährigen bringt sich auf dem Weg zum Arzt in Lebensgefahr
„In einem Präventionsgespräch über die Gefahren im Gleisbereich äußerte der 72-Jährige, der sich zuvor im Gleisbereich aufgehalten hatte, dass er auf dem Weg zu einem Arzttermin seinem ,Handynavi‘ gefolgt sei und dadurch sich in den Gleisbereich verirrt habe“, berichtet der Polizeisprecher.
Der Senior habe deutlich angegeben, keine suizidalen Absichten und die Gefahren im Gleisbereich unterschätzt zu haben. Der nicht unter Drogen- oder Alkoholeinfluss stehende Mann wurde nach Abschluss der bundespolizeilichen Maßnahmen wieder entlassen.
Die Bundespolizei hat gegen den Mann ein Strafverfahren (Verdacht „Gefährlicher Eingriff in den Bahnverkehr“) eingeleitet. Die weiteren Ermittlungen werden durch den Ermittlungsdienst der Bundespolizeiinspektion Hamburg geführt.
Die Hamburger Bundespolizei warnt vor leichtsinnigem Verhalten an Bahnanlagen: „Der Aufenthalt im Gleisbereich ist lebensgefährlich und verboten! Triebfahrzeugführer von Zügen können nicht ausweichen, oftmals sind die Bremswege zu lang, um ein Erfassen von Personen im Gleisbereich noch zu verhindern. Häufig gefährden sich Personen in den Gleisen durch ihr leichtsinniges Verhalten nicht nur selbst, sondern auch Reisende und Helfer.“ (fe/pm)
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