Fußball-WM

Buhrufe und Spektakel: Tuchel wird mit England Dritter

Declan Rice bejubelt die frühe Führung.

Declan Rice bejubelt die frühe Führung. Foto: Martin Rickett/PA Wire/dpa

Buhrufe für Tuchel, ein 4:0 zur Halbzeit und Mbappé überholt Messi: Der WM-Krimi um Platz drei liefert Drama, Rekorde und ein emotionales Spektakel in Miami.

Von Tom Bachmann und Maximilian Haupt, dpa 19.07.2026, 00:40 Uhr

Miami. In einem historischen kleinen Finale hat Thomas Tuchel seine Kritiker mit dem besten englischen WM-Ergebnis seit dem Triumph 1966 zumindest teilweise gekontert und Frankreichs Didier Deschamps einen siegreichen Abschied verwehrt. Die Three Lions gewannen das Spiel um Platz drei in Miami gegen Kylian Mbappé und Co. mit 6:4 (4:0) und sorgten für einen spektakulären vorletzten WM-Abend.

Vor 64.478 Fans im Stadion von Miami legten Declan Rice (3. Minute), Ezri Konsa (18.) und Bukayo Saka (37./45.+1) schon vor der Halbzeit so vor, dass das Spiel eigentlich bereits entschieden war. 

Doch so einfach gab sich Frankreich nicht geschlagen. Mbappé (48./66.) mit einem Doppelpack und Bradley Barcola (54.) brachten Frankreich bis auf ein Tor heran. Saka (87.) traf per Foulelfmeter zum 5:3, der Treffer von Ousmane Dembélé (90.+6) sorgte nochmal für Spannung ehe Jude Bellingham mit dem zehnten Tor der Partie alle Zweifel beseitigte (90.+8).

Durch seine beiden Tore kommt Mbappé nun auf 22 WM-Tore und überholte damit Lionel Messi in der ewigen Bestenliste. Mit den Treffern neun und zehn liegt er auch in der Torjägerliste dieser WM vorne. Der Argentinier kann im Finale gegen Spanien am Sonntag (21.00 Uhr/ZDF und Magenta TV) aber noch nachlegen, er steht bei acht Turnier-Toren und 21 WM-Treffern in seiner Karriere.

Buhrufe gegen Tuchel

Vor dem Anpfiff bekam Tuchel einen Einblick, wie die Stimmung aktuell in England ist. Als am Ende der Verlesung der Mannschaftsaufstellung der Schwabe auf der Anzeigetafel eingeblendet wurde, waren zahlreiche Buhrufe deutlich vernehmbar. Die Zahl der englischen Fans war im Vergleich zu den vorangegangenen Spielen deutlich geringer. Das 1:2 nach langer Führung im Halbfinale gegen Argentinien ist noch lange nicht verdaut.

Gegen England-Trainer Thomas Tuchel gab es Buhrufe.

Gegen England-Trainer Thomas Tuchel gab es Buhrufe. Foto: Rebecca Blackwell/AP/dpa

Doch schon nach drei Minuten wurde die Stimmung besser. Rice eroberte den Ball an der Mittellinie, dribbelte ungehindert in die Nähe des Strafraums und schlenzte den Ball aus gut 20 Metern flach in die lange Ecke. Das Spiel hatte trotz der schwülen Hitze von Miami Tempo und zahlreiche Torszenen. Die sieben Wechsel im Vergleich zum Halbfinale auf beiden Seiten hinderten den Spielfluss nicht.

Rayan Cherki (11.) prüfte Englands Torhüter Dean Henderson und hatte eine der wenigen klaren Möglichkeiten in der demütigenden ersten Halbzeit für Frankreich. Mbappé (22.), der vor dem Spiel noch einen emotionalen Brief an Deschamps veröffentlicht hatte, versuchte es mit einem Schlenzer aus über 20 Metern - erfolglos.

England gelang alles

Ganz anders die Three Lions, die Frankreichs hoch stehende Abwehr gnadenlos über die Außen auseinandernahmen. Das 2:0 von Saka (11.) wurde noch wegen Abseits aberkannt. Doch sieben Minuten später ließ Adrien Rabiot Konsa nach einer Ecke von Rice viel zu viel Platz, Kopfball, 2:0.

Nach einem Konter im Zusammenspiel mit Marcus Rashford erhöhte Saka mit dem dritten Tor, obwohl das Duo mehrere Anläufe brauchte, um den Ball im Netz unterzubringen. In der Nachspielzeit bediente Eberechi Eze seinen Arsenal-Teamkollegen Saka traumhaft vertikal durch das Zentrum und das Halbzeit-Debakel war perfekt.

Deschamps versank mit rotem Kopf in seinem Stuhl, schickte mehrere Stars zum Aufwärmen. Ein 0:4 zur Halbzeit? Das hatte es für eine französische Nationalmannschaft zuletzt im April 1968 gegeben - in der EM-Qualifikation gegen Jugoslawien. „Sie sollten sich schämen. Ich habe Frankreich noch nie so schlecht spielen sehen“, sagte Dänemarks Torwart-Ikone Peter Schmeichel bei FOX.

Deschamps und die vier Wechsel

Deschamps wechselte gleich viermal in der Halbzeit. Die Stammspieler Ousmane Dembélé und Bradley Barcola kamen für die Offensive, Bayern-Star Dayot Upamecano und Lucas Digne sollte die Abwehr stabilisieren. Gefordert war aber vor allem die Offensive - und die legte direkt los.

Mbappé übernahm mit seinem neunten Tor dieser WM die Führung in der Torjägerliste. Nur sechs Minuten später legte Barcola nach - und England wackelte gewaltig. Offensiv wurde das Tuchel-Team zunächst nur durch Standards auffällig. Torwart Mike Maignan (59.) rettete nach einer Rice-Ecke. Sechs Minuten später scheiterte Dembélé mit einem zu unplatzierten Abschluss, doch wenig später war Mbappé erneut zur Stelle und schob sich an Messi vorbei.

Kylian Mbappé schoss seine WM-Tore 21 und 22.

Kylian Mbappé schoss seine WM-Tore 21 und 22. Foto: Lynne Sladky/AP/dpa

Frankreich drückte nun auf den Ausgleich. Michael Olise (75.) verfehlte diesen nur um Zentimeter. Englands Abwehr ließ sich nun immer wieder über die Außen ausspielen. Mbappé forderte nach 76 Minuten einen Elfmeter, der Schiedsrichter ließ aber weiterspielen. Strafstoß gab es dann auf der anderen Seite. Malo Gusto traf Djed Spence klar, Sako bekam vom eingewechselten Jude Bellingham den Ball übergeben und traf zum 5:3. Der erneute Anschlusstreffer von Dembélé sorgte nicht mehr für die Wende, stattdessen setzte Bellingham den Schlusspunkt.

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