Alpenpass wieder frei - Wo sind die Urlauber?
Tausende demonstrierten gegen die Umweltbelastungen durch den Transitverkehr Foto: Jason Tschepljakow/dpa
Die vielstündige Sperre des Brenners ging ohne das befürchtete Verkehrschaos über die Bühne. Normalerweise nutzen täglich Zehntausende Autos die Strecke. Kommen die jetzt einfach einen Tag später?
Matrei am Brenner. Einen Tag nach dem Ende der Brenner-Sperre rechnet der österreichische Autofahrerclub ÖAMTC mit starkem Verkehr rund um den Alpenpass. Auch das Land Tirol wies darauf hin, dass der wieder einsetzende Transitverkehr heute zu Problemen auf der meistbefahrenen Nord-Süd-Verbindung der Alpen führen könne.
Die achtstündige Sperre des gesamten Brennerkorridors war am Samstag ohne das befürchtete Verkehrs-Chaos verlaufen. Viele Autofahrer hätten sich offenkundig an den dringenden Rat gehalten, an diesem Tag nicht nach Tirol und weiter nach Italien zu fahren, stellte die Polizei fest. An der gesperrten Transitstrecke seien nur 219 Lastwagen zurückgewiesen worden.
Protest gegen Lärm und Feinstaub
Anlass der Sperre war eine Demonstration gegen Umweltschäden und andere Zumutungen durch den Transitverkehr. Rund 5.000 Menschen protestierten direkt auf der Autobahn gegen Lärm, Feinstaub und tägliche Belastungen durch die vielen Staus.

Menschen reisten mit Bahn und Fahrrädern zu dem Protest an. Foto: Matthias Röder/dpa
Fast 11 Millionen Autos und rund 2,5 Millionen Lastwagen benutzten 2025 laut Autobahnbetreiber Asfinag die mautpflichtige Autobahn. Nach Berechnungen des Ökologie- und Verkehrsverbands VCÖ fuhren vergangenes Jahr fast dreimal so viele Lkw über den Brenner wie über alle Alpen-Transitstrecken der Schweiz.
Die Sperre bescherte den 15.000 Bewohnern des Wipptales eine ungewohnte Ruhe. Viele Menschen genossen die unbedrängten Stunden ohne Staus.

Die Warnungen vor einem Verkehrschaos haben offenbar gewirkt - nur wenige Autos fuhren am Samstag auf der A8 in Richtung Österreich. Foto: Felix Hörhager/dpa
Minister: 150 Millionen Euro für Lärmschutz
Österreichs Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) verwies in einer Stellungnahme nach Ende der Demonstration darauf, dass in den kommenden Jahren rund 150 Millionen Euro in den Lärmschutz entlang des Brennerkorridors investiert würden. Zugleich bleibe der Verkehr am Brenner eine europäische Herausforderung, die langfristig nur im Dialog mit den Nachbarstaaten Deutschland und Italien gelöst werden könne, betonte der Minister.
Tirols Ministerpräsident Anton Mattle (ÖVP) wandte sich an die Regierungen in Italien und Deutschland sowie die EU, die eine internationale Lösung des Problems sicherstellen sollten. „Berlin, Rom und Brüssel müssen einsehen, dass der Brennerkorridor nicht einfach nur ein Verkehrsweg, sondern ein wichtiger Lebensraum ist.“ Mattle forderte eine Korridormaut, ein intelligentes Verkehrsmanagementsystem und die Verlagerung auf die Schiene.
Streit mit Italien
Wie es beim Transit weitergeht, wird auch vor Gericht entschieden. Italiens Regierung strebt eine Aufweichung der Tiroler Anti-Transit-Maßnahmen wie Nacht- und Wochenendfahrverbote für Lastwagen an sowie eine dosierte Abfertigung in Blöcken. Italien hat vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) geklagt, weil Umweltargumente den Waren- und Personenverkehr über die Alpenroute nicht unverhältnismäßig einschränken dürften. Am 16. Juli könnte mit dem Schlussantrag des EuGH-Generalanwalts Campos Sánchez-Bordona eine Vorentscheidung fallen. Ein Urteil wird im Herbst oder Anfang 2027 erwartet.

Bei der Demonstration wurde auch Kritik an Deutschland geäußert. Foto: Matthias Röder/dpa

Die Sperre des Brenner-Korridors löste nicht das befürchtete Verkehrschaos aus. Foto: Peter Kneffel/dpa

Die Benutzung der Brenner-Autobahn war für acht Stunden nicht erlaubt. Foto: Peter Kneffel/dpa

Ungewohnte Szenerie am Brenner: Café-Gäste konnten stressfrei auf der anderen Straßenseite bedient werden. Foto: Matthias Röder/dpa

Der autofreie Tag am Brenner machte vielen Radfahrern besonders gute Laune. Foto: Matthias Röder/dpa