Prozesse

Dutzende bewusstlose Frauen vergewaltigt? Berliner angeklagt

Die Staatsanwaltschaft Berlin hat Anklage erhoben gegen einen 68-Jährigen wegen vielfacher Vergewaltigung. (Symbolbild)

Die Staatsanwaltschaft Berlin hat Anklage erhoben gegen einen 68-Jährigen wegen vielfacher Vergewaltigung. (Symbolbild) Foto: Soeren Stache/dpa

Die Frauen sind lange ahnungslos. Erst infolge der Ermittlungen und Videoaufnahmen sollen sie erfahren haben, wie ein Mann ihre hilflose Lage ausgenutzt haben soll.

Von dpa 14.07.2026, 09:35 Uhr

Berlin. Er soll Dutzende bewusstlose Frauen vergewaltigt und dabei gefilmt haben. Im Fall von 14 Frauen hat die Staatsanwaltschaft Berlin in 22 Fällen Anklage erhoben, wie ein Sprecher mitteilte. Sie wirft dem inzwischen 68 Jahre alten Berliner unter anderem Vergewaltigung im besonders schweren Fall und gefährliche Körperverletzung vor. Der Deutsche ist seit Anfang März in Untersuchungshaft. 

Der Elektriker soll die Frauen mit einem Mix verschiedener Schlafmittel in Kombination mit Alkohol bewusstlos gemacht und dann vergewaltigt haben. Laut Anklage lernte er sie über Online-Dating-Plattformen kennen. Laut Staatsanwaltschaft wussten die Frauen nichts von den Taten und erfuhren erst im Rahmen der Ermittlungen aufgrund von Videos, was ihnen widerfahren ist. 

Chat-Partner in Niedersachsen 

Entdeckt wurden diese Aufnahmen den Angaben zufolge nach einem Hinweis der Polizei in Verden an der Aller in Niedersachsen. Diese ermittelte wegen ähnlicher Vorwürfe Anfang 2025 gegen einen Mann, der inzwischen gestorben ist. Dieser soll ein Chat-Partner des Berliners gewesen sein. 

Die Polizei durchsuchte in der Folge die Wohnung des 68-Jährigen in Berlin-Friedrichsfelde und beschlagnahmte verschiedene Datenträger. Bei deren Auswertung stieß ein Sachverständiger im Februar 2026 auf zahlreiche Videos von Sexualstraftaten, wie es hieß. Mutmaßlicher Täter: der Berliner. Am 3. März 2026 wurde seine Wohnung erneut durchsucht - der Mann kam in Untersuchungshaft. 

Verdächtiger schweigt 

Er äußert sich laut Staatsanwaltschaft bislang nicht zu den Vorwürfen. Die Ermittler gehen davon aus, dass es insgesamt 58 Betroffene gibt. 10 mutmaßliche Opfer wurden bislang nicht identifiziert, wie der Behördensprecher sagte. 30 weitere Frauen sind demnach inzwischen namentlich bekannt, die Ermittlungen laufen in ihren Fällen aber noch. In drei weiteren Fällen habe sich bislang kein hinreichender Tatverdacht ergeben. 

Im Fall einer Frau, die 36 Mal in den Jahren 2010 bis 2014 von dem 68-Jährigen vergewaltigt worden sein soll, musste das Verfahren laut Staatsanwaltschaft wegen Verjährung eingestellt werden. Eine Gewaltanwendung könne in ihrem Fall nicht mit ausreichender Sicherheit nachgewiesen werden, so der Sprecher. Darum verjährten diese Taten bereits nach fünf Jahren, statt nach 20 Jahren wie in den anderen Fällen. 

Das Landgericht Berlin muss entscheiden, ob es die Anklage zulässt und wann es zum Prozess kommen soll. Die Staatsanwaltschaft strebt nach eigenen Angaben neben der Verurteilung des Mannes auch eine Anordnung der Sicherungsverwahrung nach einer Haftstrafe an.

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