Keine Superstar-Allüren: Draisaitl sieht gute Olympia-Chance
Leon Draisaitl lehnt die Superstar-Rolle im deutschen Eishockeyteam ab. Foto: Peter Kneffel/dpa
Erstmals seit sieben Jahren spielt Leon Draisaitl wieder für Deutschland. Bei seiner Olympia-Premiere erlebt er schnell ganz besondere Momente und sieht im starken DEB-Kader eine große Chance.
Mailand. Superstar wider Willen: Leon Draisaitl will keine Sonderrolle im deutschen Eishockeyteam bei den Olympischen Winterspielen und ist froh über prominente Unterstützung aus der nordamerikanischen Profiliga NHL. Anders als bei den Weltmeisterschaften, an denen er zuletzt für Deutschland teilnahm, wird in Mailand der Fokus nicht nur auf ihm liegen, weil in Stürmer Tim Stützle (Ottawa Senators), Verteidiger Moritz Seider (Detroit Red Wings) und Torhüter Philipp Grubauer (Seattle Kraken) auch weitere deutsche Weltklassespieler dabei sind.
„Mir wird das sicher guttun“, sagte der 30 Jahre alte Stürmer der Edmonton Oilers, auf den in der Vergangenheit im Nationalteam oft alleine geschaut worden war. Einen Tag nach der Eröffnungsfeier im San-Siro-Stadion, bei der er das deutsche Team als Fahnenträger anführte, richtete der NHL-Ausnahmeprofi ein Appell an Mannschaft und Öffentlichkeit. „Es ist ganz wichtig, dass Deutschland und die Mannschaft verstehen, dass es um das Team geht und nicht um Einzelne“, sagte Draisaitl. Erst wenige Stunden vor der Eröffnungsfeier war er aus Kanada eingeflogen worden.
Als erster deutscher Eishockeyspieler überhaupt führte Leon Draisaitl das deutsche Olympia-Team bei einer Eröffnungsfeier als Fahnenträger an. Foto: Michael Kappeler/dpa
Die übrigen acht deutschen Profis aus Nordamerika werden erst am Sonntag in Mailand erwartet. Auch hinsichtlich des Jetlags ist Draisaitl froh, bereits zwei Tage früher angekommen zu sein. „Der ist auf jeden Fall am Start. Ich bin erst spät eingeschlafen und schon seit fünf Uhr wieder wach“, sagte der Kölner. Nationalverteidiger Moritz Müller hatte Draisaitl am Tag zuvor als „derzeit größten deutschen Sportler“ bezeichnet.
Spezielle Olympia-Momente für Jetlag-geplagten NHL-Star
Draisaitl war am Samstag beeindruckt von einem Treffen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im olympischen Dorf: „Das war eine sehr große Ehre, ihn kennengelernt zu haben.“
Am frühen Samstagabend sollte Draisaitl, der erstmals seit der WM 2019 wieder für die Nationalmannschaft spielt, mit der Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes zum ersten Mal in Mailand trainieren. Am Donnerstag (21.10 Uhr/ZDF und Eurosport) steht das erste Gruppenspiel gegen Dänemark an.
„Hier ist keine Mannschaft dabei, über die man mal so drüber fliegt“, warnte Draisaitl trotz der mutmaßlich besten deutschen Eishockeymannschaft, die jemals zusammen gespielt hat. Erstmals seit 2014 in Sotschi hat die NHL wieder ihre Spieler freigegeben. Die Teams aus Kanada, den USA und Schweden bestehen ausschließlich aus Spielern der besten Liga der Welt.
„Wir freuen uns darauf, der Welt zu zeigen, wie gut wir Eishockey spielen können“, sagte Draisaitl. „Wir müssen aber alle unsere Rollen akzeptieren. Dann ist da sehr viel drin.“ Seine Rolle sieht er darin, „der Mannschaft Spiele zu gewinnen.“