Zähl Pixel
Studie

Mehr Niedersachsen sehen sich als rechts

Mehr Menschen in Niedersachsen verorten sich inzwischen rechts der politischen Mitte. (Symbolbild)

Mehr Menschen in Niedersachsen verorten sich inzwischen rechts der politischen Mitte. (Symbolbild) Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Der Zustand der Demokratie in Deutschland macht immer mehr Menschen unzufrieden, die Mitte verliert Anhänger an die politische Rechte. Jeder Zehnte ist sogar offen für eine Diktatur.

Von dpa 26.08.2026, 11:30 Uhr
3 Monate Premium-Zugriff auf tageblatt.de für nur 0,99 €! Jetzt sichern!

Hannover. In Niedersachsen schätzen sich inzwischen mehr Menschen als politisch rechts ein als in den vergangenen Jahren. Das ist eines der Ergebnisse des Niedersächsischen Demokratie-Monitors, der alle zwei Jahre von einer an der Universität Göttingen angesiedelten Forschungs- und Dokumentationsstelle erstellt wird.

Der Studie zufolge stieg der Anteil der Niedersachsen, die sich selbst als sehr rechts verorten, im Vergleich der Jahre 2023 und 2025 von 1 auf 5 Prozent. Weitere 19 Prozent sehen sich als eher rechts. 

Die Selbsteinschätzung genau in der Mitte blieb zwar die mit Abstand häufigste Antwort, sie ging aber von 49 auf 45 Prozent erneut zurück. Der Anteil der Menschen, die sich als sehr links sehen, sank leicht von 6 auf 5 Prozent. Für eher links halten sich 27 Prozent.

Warum die Autoren nicht von einem „Rechtsruck“ sprechen

Die Autoren der Studie sehen in den Zahlen ausdrücklich keinen „Rechtsruck“, sondern eine „Rechtsverschiebung“. Gemeint ist damit, dass der Anteil der Menschen links der Mitte stabil bleibe, während eine Abwanderung von der Mitte nach rechts stattfinde. Die Wissenschaftler bezeichnen das als eine „asymmetrische Polarisierung“.

Auffällig ist in den Daten, dass sich ältere Menschen häufiger in der Mitte verorten als jüngere – und dass Frauen deutlich häufiger nach links tendieren als Männer und Männer deutlich häufiger als Frauen nach rechts. Insbesondere bei den unter 40-Jährigen tritt dieser Geschlechterunterschied zutage.

Jeder Zehnte ist offen für eine Diktatur

Die Demokratie als Staatsform findet der Studie zufolge mit 93 Prozent eine überwältigende Zustimmung. Allerdings ist die Unzufriedenheit mit dem Zustand der Demokratie in Deutschland weiter gewachsen: Waren 2019 erst 14 Prozent unzufrieden damit, sind es inzwischen 30 Prozent.

Die Unzufriedenheit mit der Demokratie wächst. (Symbolbild)

Die Unzufriedenheit mit der Demokratie wächst. (Symbolbild) Foto: Federico Gambarini/dpa

Zugleich bekommen undemokratische Alternativen teils hohe Zustimmung. So gab mit 52 Prozent mehr als die Hälfte an, dass Deutschland eine einzige starke Partei brauche. 30 Prozent befürworteten, von einer starken Führungspersönlichkeit ohne parlamentarische Kontrolle regiert zu werden. Eine offene Unterstützung für eine Diktatur gaben 10 Prozent zu erkennen.

„Die Demokratie als Staatsform bleibt in Niedersachsen breit anerkannt. Aber politische Akteure, die politische Mitte und die Mechanismen demokratischer Integration verlieren zunehmend an Bindekraft“, sagte der Direktor des Instituts für Demokratieforschung, Simon Franzmann. Das sei die zentrale Herausforderung für die Demokratie.

Befragt wurden 1.498 Niedersachsen ab 16 Jahren in Telefoninterviews. Die Erhebung fand von August bis Oktober 2025 statt. Den Niedersächsischen Demokratie-Monitor gibt es seit 2019. Er wird vom niedersächsischen Wissenschaftsministerium finanziert.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel

Kneipenchef am Hansaplatz: Alkoholverbot wirkt

Vergangenes Jahr wurde er mit einer Flasche im Gesicht verletzt, seitdem kämpft Kneipenwirt Simsit für mehr Sicherheit in seinem Viertel: Das Alkoholkonsumverbot, das er initiierte, zeigt Wirkung.