Tour de France

Pogacar bedauert Vingegaards Aus - Kritik an Dopingkontrolle

Pogacar bei der 15. Etappe.

Pogacar bei der 15. Etappe. Foto: Mosa'ab Elshamy/AP/dpa

Die Tour hat ihren tragischen Höhepunkt. Jonas Vingegaard, Zweiter der Gesamtwertung, ist nach einem Sturz ausgestiegen. Der deutsche Hoffnungsträger Lipowitz muss teamintern wohl zurückstecken.

Von Felix Schröder und Stefan Tabeling, dpa 19.07.2026, 17:10 Uhr

Brison. Tadej Pogacar sprach ruhig und sachlich - seine riesige Enttäuschung über das Aus von Dauerrivale Jonas Vingegaard und die klare Kritik an nächtlichen Dopingkontrollen konnte der Rad-Superstar nicht verbergen.

„Das ist wirklich traurig, das zu sehen. Seit 2021 haben wir immer den Sieg ausgefochten untereinander. Am Anfang hatten wir nicht die beste Beziehung, aber die vergangenen Jahre sind wir so etwas wie Freunde geworden“, sagte Pogacar. „Die Tour wird nicht die gleiche sein ohne ihn“, fügte der viermalige Tour-Champion an. 

Pogacar: Seine Tour ist ruiniert

Mitfavorit Vingegaard war 22 Kilometer vor der Bergankunft gestürzt und musste die Tour vorzeitig aufgeben. Der Däne hat einen Schlüsselbeinbruch erlitten und wird auch nach dem Ende der Frankreich-Rundfahrt zunächst pausieren müssen, wie sein Team Visma mitteilte. „Aufgrund der Schwere des Schlüsselbeinbruchs wurde ein operativer Eingriff empfohlen, der in den kommenden Tagen durchgeführt wird.“

In der Nacht zuvor waren Pogacar und Vingegaard mitten in der Nacht kontrolliert worden. „Nach einer Nacht, bei der der Schlaf ruiniert wird, liegt es vielleicht daran. Seine Tour ist ruiniert. Es ist wirklich traurig“, sagte Pogacar, der die Etappe auf Rang zwei hinter Remco Evenepoel beendete. Der Slowene bezeichnete die Dopingprobe als „unmenschlich“.

Evenepoel gewinnt im Schlusssprint gegen Pogacar.

Evenepoel gewinnt im Schlusssprint gegen Pogacar. Foto: Thibault Camus/AP/dpa

Lipowitz wird abgehängt

Am Schlussanstieg selbst erlebte der deutsche Rad-Star Florian Lipowitz trotz des Aufrückens in der Gesamtwertung einen leichten sportlichen Rückschlag. Der 25-Jährige konnte etwa sieben Kilometer vor dem Ziel nicht mehr folgen. Sein Teamkollege Evenepoel - später am Berg jubelnder Tagessieger - folgte Pogacar und dürfte die Kapitänsfrage eine Woche vor Ankunft in Paris zu seinen Gunsten entschieden haben. 

„Es wird darauf hinauslaufen“, antwortete Lipowitz in der ARD auf die Frage, ob er Evenepoel unterstützen werde. „Ich bleibe zuversichtlich. Es ist noch lang und es kommen noch sehr harte Tage. Das größte Ziel ist, auf dem Podium jemanden zu haben.“

Evenepoel verspürt Genugtuung

Der fünfte Tagessieg von Titelverteidiger Pogacar blieb aus, denn Evenepoel besiegte den Slowenen im Schlusssprint und feierte den ersten Etappensieg für das deutsche Team Red Bull. Pogacars Teamkollege Isaac del Toro aus Mexiko wurde Dritter. Lipowitz kam 58 Sekunden nach Evenepoel ins Ziel. 

Lipowitz sagte, er sei „super happy“ über den Erfolg seines Kollegen. „Für unser Team ist das ein Riesenerfolg“, fügte der Tour-Dritte des vergangenen Jahres hinzu. Evenepoel selbst war überglücklich: „Ich bin gegen den besten Fahrer der Geschichte angetreten am letzten Berg - und sie haben auch versucht, die Etappe zu gewinnen“, sagte er. „Immer wieder gab es Kritik: Der kann nicht die langen Anstiege mitgehen. Deshalb ist das besonders schön. Das bedeutet unglaublich viel.“

Sportlicher Leiter: „Jonas hat Schmerzen“

Doch bei den Ereignissen um Vingegaard rückte das fulminante Finale in den Hintergrund. Mit gesenktem Kopf und bandagierter rechter Schulter betrat Vingegaard später das Röntgen-Mobil. Für den zweimaligen Champion bei der Frankreich-Rundfahrt markiert der Vorfall eine sportliche Zäsur: Die Tour begann eigentlich mit einem gut aufgelegten Star beim Auftakt in Barcelona, endete nach einigen sportlichen Rückschlägen aber mit dem vorzeitigen Aus.

Der bisherige Gesamtzweite kam 22 Kilometer vor dem Ziel der 15. Etappe in einem Kreisverkehr zu Fall. Bandagiert am rechten Arm und an der Schulter stieg der Däne in einen Rettungswagen, ehe sich das Gefährt auf den Weg zum Röntgen-Mobil machte. „Jonas hat Schmerzen. Wir können noch nichts zu seiner Verletzung sagen. Das ist natürlich ein Schlag“, sagte Vingegaards sportlicher Leiter Marc Reef. 

Sturz vor dem Schlussanstieg

Vingegaard war mit einem Abstand von 4:30 Minuten auf Ausnahmefahrer Pogacar in die Etappe gestartet. Der Slowene galt schon vor Vingegaards Aufgabe als klarer Siegfavorit, dem eigentlich nur durch Sturz oder Krankheit der fünfte Tour-Sieg zu nehmen ist. 

Der Kapitän des Visma-Teams hatte 2022 und 2023 die Frankreich-Rundfahrt gewonnen. In den vergangenen beiden Jahren belegte er jeweils den zweiten Gesamtrang.

Der Sturz ereignete sich auf dem Weg zum Schlussanstieg zum Plateau de Solaison. Neben Vingegaard kamen auch Pogacars Teamkollege Felix Großschartner und del Toro zu Fall. Der Österreicher und der Mexikaner konnten aber weiterfahren.

Evenepoel nun Zweiter

In der Gesamtwertung steht Pogacar nun mit einem Abstand von fünf Minuten an der Spitze vor Evenepoel. Del Toro ist 5:58 Minuten Dritter hinter dem Slowenen. Lipowitz rückte vom sechsten auf den fünften Rang vor - 6:48 Minuten hinter Pogacar und 1:48 hinter Evenepoel, der beim kommenden Einzelzeitfahren großer Favorit ist. 

Zwischen den beiden harten Bergetappen zum Ende der zweiten Tour-Woche erlebten die Stars Pogacar und Vingegaard eine unruhige Nacht. Die beiden Tour-Gewinner mussten nach eigenen Angaben nachts eine Dopingprobe abgeben. 

Vingegaard: Kontrolle „große Überraschung“

„Ich habe vier Stunden Schlaf bekommen“, sagte der Slowene Pogacar bei Eurosport vor der 15. Etappe. Er sei um fünf Uhr morgens kontrolliert worden. „Ich gehe immer spät schlafen, aber es war trotzdem ein großer Schock“, berichtete der 27-Jährige. Pogacar wird als Träger des Gelben Trikots für den Gesamtführenden schon jeden Tag rund um die Etappe getestet.

Auch Vingegaard war betroffen. Die International Testing Agency (ITA) habe dem Dänen „nicht erlaubt, viel zu schlafen“. „Das war eine große Überraschung für mich“, sagte er. E

Vingegaard musste nach einem Sturz aussteigen.

Vingegaard musste nach einem Sturz aussteigen. Foto: Stefan Tabeling/dpa

Pogacar bei der 15. Etappe.

Pogacar bei der 15. Etappe. Foto: Mosa'ab Elshamy/AP/dpa

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