Pfiffe und Forderungen: So lief Trumps Auftritt beim Finale
Donald Trump (r) und Gianni Infantino bringen den WM-Pokal. Foto: Tom Weller/dpa
Beim Finale besucht Donald Trump sein erstes Spiel dieser WM im Stadion. Vor der Siegerehrung gibt es ein Pfeifkonzert. Der US-Präsident richtet einen klaren Auftrag an FIFA-Chef Gianni Infantino.
East Rutherford. Donald Trump ließ sich auch von einem mächtigen Pfeifkonzert nicht beirren. Ungerührt von den Unmutsbekundungen vieler Zuschauer, als er an der Seite von Gianni Infantino den Rasen des Finalstadions betrat, winkte der US-Präsident ins Publikum. Wenig später übergab er gemeinsam mit dem FIFA-Chef den WM-Pokal an Spaniens Kapitän Rodri.
Trump unterhielt sich anschließend noch mit einigen spanischen Spielern und ließ es sich auch nicht nehmen, grinsend am rechten Rand des Siegerfotos zu posieren. Infantino hatte ihn dezent dazu animiert, das Zentrum der Aufmerksamkeit dem siegreichen Team zu überlassen.
Donald Trump ließ es sich nicht nehmen, auf dem Siegerfoto zu posieren. Foto: Tom Weller/dpa
So wurde das Finale - im Gegensatz zu seinem skurrilen Auftritt bei der Club-WM im Vorjahr, als er bei der Siegerehrung inmitten der Chelsea-Profis stehen geblieben war - nicht zur von vielen befürchteten Trump-Soloshow. Fast ein wenig verloren stand er mit Infantino noch im goldenen Konfettiregen abseits auf dem Podium, als das spanische Team schon lange feierte.
Trump will weitere WM in den USA - „sofort“
Doch zumindest mit seinen Aussagen kurz vor seinem ersten Stadionbesuch bei dieser WM hatte Trump schon wieder aufhorchen lassen. Im Interview beim TV-Sender Fox kündigte der US-Präsident an, das Weltturnier „sofort“ wieder in die USA holen zu wollen. „Wir müssen das wiederholen, und zwar, solange ich noch da bin. Hörst du das, Gianni“, sagte der 80-Jährige in Richtung von Infantino.
Trump hatte bereits zuvor eine erneute Bewerbung seines Landes für eine WM angekündigt. Diese wird erst für das Turnier im Jahre 2038 möglich sein. Die nächste WM findet in Spanien, Portugal und Marokko sowie mit jeweils einem Spiel in Argentinien, Paraguay und Uruguay statt. 2034 ist Saudi-Arabien der alleinige Ausrichter.
Zuletzt hatte bereits Andrew Giuliani, Leiter der FIFA-Taskforce des Weißen Hauses zur WM, eine mögliche Bewerbung der USA für die WM 2038 mit dann 64 Teams ins Spiel gebracht. Infantino hatte während des XXL-Turniers in Kanada, Mexiko und den USA eine baldige WM-Erweiterung von aktuell 48 auf 64 Mannschaften nicht ausgeschlossen.
Nun betonte Trump erneut überschwänglich den Erfolg des Turniers in diesem Jahr. Er verwies auf die Stadien, die vor lauter Fans „übergequollen“ seien. „Ich glaube nicht, dass es jemals so etwas gab wie das, was mit dieser WM passiert ist“, sagte Trump. „Es war wunderschön. Es war wunderschön anzusehen und ich rechne Gianni das hoch an.“
Trump auf Ehrentribüne hinter Plexiglas
Für den US-Präsidenten war es im 104. und letzten Spiel der erste Stadionbesuch bei dieser WM. Trump saß auf der Ehrentribüne auf Höhe der Mittellinie zwischen seiner Ehefrau Melania und Infantino hinter Plexiglas. Als ihn die TV-Kameras einfingen, verhinderte die Spiegelung einen klaren Blick auf die Prominenz - merkliche Reaktionen aus dem Stadionpublikum auf Trump und Infantino gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Donald Trump (M) verfolgte das Spiel zwischen seiner Frau Melania und FIFA-Präsident Gianni Infantino. Foto: Tom Weller/dpa
Offen bleibt, welchen langfristigen Einfluss die von internationalen Medien als Bromance beschriebene Beziehung der beiden Alpha-Männer auf den Weltfußball haben wird. Dass dem US-Stürmer Folarin Balogun seine Sperre wegen einer Roten Karte nach einem Anruf von FIFA-Friedenspreisträger Trump bei Infantino erlassen worden war, hatte für massiven Unmut gesorgt. Erst am Finalwochenende hatte der US-Präsident diese Entscheidung dem FIFA-Chef zugeschrieben und sich überschwänglich bei ihm dafür bedankt.
„Trumps Show bietet einen passenden Fiebertraum als Abschluss einer Weltmeisterschaft voller Exzesse und Schäden“, resümierte der britische „Guardian“ deshalb die WM.

Trump und Infantino alleine im Konfettiregen. Foto: Tom Weller/dpa