Rückschlag für VfB: HSV besiegt Stuttgart in Unterzahl
Stuttgarts Deniz Undav (M) wird nach seinem Treffer zum 1:1 bejubelt. Foto: Christian Charisius/dpa
Über weite Strecken gelingt den personell kräftig durchgemischten Stuttgartern in Hamburg wenig. Und das rächt sich spät. Ein HSV-Profi wird zur tragischen Figur.
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Hamburg. Der zuletzt formstarke VfB Stuttgart hat im Rennen um die internationalen Top-Ränge durch einen Last-Minute-Gegentreffer einen herben Rückschlag kassiert. Beim zuletzt in der Fußball-Bundesliga fünfmal in Folge sieglosen Hamburger SV kassierten die Schwaben eine 1:2 (0:1)-Niederlage. Die mit einigen Personalwechseln angereisten Stuttgarter agierten beim Aufsteiger über weite Strecken zu harmlos und verpassten es, auf den vierten Tabellenrang zurückzukehren.
Vor 57.000 Zuschauern im ausverkauften Volksparkstadion traf der zuletzt weniger berücksichtigte Publikumsliebling Robert Glatzel (17. Minute) für den HSV zur Führung. Er wie Vorlagengeber Alexander Røssing-Lelesiit wurden zu tragischen Helden: Glatzel musste noch in der ersten Halbzeit verletzungsbedingt ausgewechselt werden, der Norweger wurde in der 81. Minute mit Gelb-Rot vom Platz gestellt. Deniz Undav (54.) traf zum Ausgleich für die Gäste. Der Angreifer in Bestform erzielte den sechsten Stuttgarter Liga-Treffer nacheinander. In Unterzahl sorgte Fabio Viera (90.+4) für Hamburger Glücksgefühle.
Polzin lobt VfB-Entwicklung
Als die Schwaben im Sommer 2023 zuletzt zu Gast im Volksparkstadion waren, lag der HSV nach zwei schmerzhaften Pleiten in der Aufstiegsrelegation am Boden und verpasste erneut die Rückkehr in die Bundesliga. Zuletzt erlebte der Aufsteiger den harten Liga-Alltag: In fünf Ligapartien vor dieser Begegnung holte der HSV nur ein Unentschieden.
Die Stuttgarter dagegen gehören nach dem etwas holprigen Saisonbeginn zu den aktuell formstärksten Teams. Der VfB reiste mit dem Rückenwind des furiosen 3:3 in Dortmund und dem 4:0 in der Europa League bei den Go Ahead Eagles Deventer an.
HSV-Coach Merlin Polzin warnte vor der Qualität des Gegners, lobte die Entwicklung seit der Relegation als „außergewöhnlich“. Auf dem Platz sah der Trainer aber erst, wie seine Wechselpläne hervorragend aufgingen. Die von Beginn an gebrachten Profis Glatzel und Røssing-Lelesiit sorgten für Treffer eins. Der junge Norweger legte für den völlig freigelassenen Glatzel auf, der den Ball an Torwart Alexander Nübel vorbei ins Tor schoss.

HSV-Profi Robert Glatzel (M) erzielt das 1:0 gegen Stuttgart. Foto: Christian Charisius/dpa
Glatzel hatte sich in den vergangenen Monaten hinter der Konkurrenz anstellen müssen. Schon nach neun Minuten hatte sein abgefälschter Schuss die Latte berührt. Besonders bitter: Nach einer halben Stunde musste der 31-Jährige den Platz angeschlagen verlassen. Für ihn kam Ransford-Yeboah Königsdörffer.
VfB rotiert - Einwechselspieler Undav trifft
Auf der Gegenseite kam Undav in die Partie und ersetzte nach 40 Minuten den verletzten Chris Führich. Die Stuttgarter waren im Vergleich zur Europa League auf sieben Positionen verändert gestartet. Die Leistungsträger Angelo Stiller, Jamie Leweling und Undav nahmen zunächst auf der Bank Platz.
Insgesamt blieb die erste Hälfte offensiv recht überschaubar, dafür war die Partie umkämpft. In der zweiten Hälfte kamen die Schwaben durch einen Fehler von HSV-Torwart Daniel Heuer Fernandes leicht wieder ins Spiel. Nach einem Schuss des eingewechselten Leweling parierte der Schlussmann den Ball leichtfertig nach vorn, Undav verwandelte zum Ausgleich.
Der HSV war der Führung sogar teils näher als der VfB. Nach einem verunglückten Freistoß des VfB in der HSV-Hälfte konterten die Gastgeber und kamen durch den eingewechselten Vieira spät zu ihrem ersten Sieg seit langem.
Protestaktion vor und während der Partie
Vor der Partie hatten laut Angaben des „Förderkreis Nordtribüne“ 8.000 Anhänger gegen geplante Maßnahmen zur Stadionsicherheit der Innenministerkonferenz demonstriert. In den ersten zwölf Minuten der Partie blieb es aufseiten beider Fanlager ruhig.