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Krieg

Tschernobyl: Anlage für abgebrannte Brennelemente getroffen

Die Sperrzone um das havarierte Atomkraftwerk von Tschernobyl dient heute als Lager für abgebrannte Brennelemente. (Archivbild)

Die Sperrzone um das havarierte Atomkraftwerk von Tschernobyl dient heute als Lager für abgebrannte Brennelemente. (Archivbild) Foto: dpa

Im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine werden auch immer wieder Atomanlagen getroffen. Nun spricht die IAEA von einem besorgniserregenden Vorfall in der Tschernobyl-Zone.

Von dpa Sonntag, 07.06.2026, 11:30 Uhr

Tschernobyl. Bei einem russischen Drohnenangriff ist nach ukrainischen Angaben ein Gebäude des zentralen Lagers für abgebrannte Brennelemente in der Zone um das stillgelegte Atomkraftwerk Tschernobyl getroffen worden. Das Gebäude für die Annahme von Behältern sei bei dem Angriff in der Nacht teilweise zerstört worden, teilte der Staatskonzern Energoatom mit. Es sei dort kein abgebrannter Kernbrennstoff gelagert worden. Die Strahlenwerte lägen innerhalb der festgelegten Grenzwerte, hieß es.

Ein Feuer habe sich auf einer Fläche von 40 Quadratmetern ausgebreitet; es sei gelöscht worden, teilte das Unternehmen weiter mit. In dem zentralen Lager in der Sperrzone um das vor 40 Jahren havarierte AKW Tschernobyl werden abgebrannte Brennelemente aus anderen ukrainischen Kernkraftwerken langfristig gelagert.

IAEA-Chef Grossi: Vorfall äußerst besorgniserregend

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) teilte mit, dass sie von ukrainischer Seite über die „erheblichen Schäden“ an dem Gebäude informiert worden sei. Betroffen sind demnach die Fassade, die Fenster und Türen. Auch benachbarte Gebäude seien durch die Druckwelle in Mitleidenschaft gezogen. Ein IAEA-Team werde die Anlage in Kürze besuchen, um die Auswirkungen zu begutachten, teilte die Behörde mit.

IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi erklärte bei X, der Vorfall sei äußerst besorgniserregend, da er sich in einer Liegenschaft ereignet habe, wo große Mengen an Kernmaterial gelagert seien - nur wenige Meter vom angegriffenen Gebäude entfernt. Angriffe auf kerntechnische Anlagen seien völlig inakzeptabel und verstießen direkt gegen zentrale Grundsätze der nuklearen Sicherheit während eines militärischen Konflikts, sagte Grossi.

Im Zuge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine, der seit mehr als vier Jahren andauert, kam es bereits mehrfach zu Zwischenfällen auch an Kernkraftwerken. Besonders betroffen von den Kämpfen ist das AKW Saporischschja im Süden.

Am 26. April 1986 war in der damaligen Sowjetrepublik Ukraine ein Test im AKW Tschernobyl außer Kontrolle geraten, und es trat der größte anzunehmende Unfall (GAU) ein. Radioaktive Wolken breiteten sich abgeschwächt bis nach Nord- und Westeuropa aus.

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