Zähl Pixel
Energiewende

Amprion: Grünstrom-Erzeuger sollen bei Netzausbau mitzahlen

(Archivbild)

(Archivbild) Foto: Fabian Strauch/dpa

Nach welchen Regeln sollen künftig Wind- und Solaranlagen ans Stromnetz angeschlossen werden? Einem bestimmten Vorschlag aus dem Energieministerium kann Amprion-Chef Müller viel abgewinnen.

Von dpa Dienstag, 17.03.2026, 11:35 Uhr

Düsseldorf/Dortmund. Grünstrom-Erzeuger sollen sich nach Ansicht des Übertragungsnetzbetreibers Amprion künftig an den Kosten für den Stromnetzausbau beteiligen. Amprion-Chef Christoph Müller sprach sich am Montagabend bei einer Veranstaltung der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung in Düsseldorf für die Einführung eines Baukostenzuschusses aus, der etwa beim Anschluss von neuen Wind- und Solaranlagen fällig wird.

Hintergrund ist die Debatte um neue gesetzliche Regeln für den Anschluss von Erzeugungs- und Verbrauchsanlagen an das Stromnetz. Anfang Februar war ein Referentenentwurf aus dem Bundeswirtschaftsministerium für ein sogenanntes Netzpaket bekanntgeworden. Die Verpflichtung von Betreibern von Erneuerbaren-Energien-Anlagen, sich an den Kosten des Netzausbaus und der Netzverstärkung zu beteiligen, könne für einen sparsameren Umgang mit knappen Anschlusskapazitäten sorgen, hieß es darin. 

Amprion ist einer von vier Übertragungsnetzbetreibern in Deutschland neben Tennet, 50Hertz und TransnetBW. Die Unternehmen kümmern sich in vier Zuständigkeitsregionen ausschließlich um das Höchstspannungsnetz, also die Überlandleitungen mit Spannungen von 220.000 Volt und mehr. Eine zentrale Aufgabe ist der Netzausbau für den Transport von immer mehr klimaneutral erzeugtem Strom.

Müller: Auch Einspeiser nutzen Netzinfrastruktur

Ein Baukostenzuschuss sei ein etabliertes Instrument, erklärte Müller. Er sei bisher immer nur von Strom-Entnehmern gezahlt worden. Er bilde ab, dass man etwa beim Anschluss eines Hauses oder einer Industrieanlage die schon aufgebaute Netzinfrastruktur mitnutzen könne. Doch auch Anlagen, die in das Netz einspeisten, nutzten diese Infrastruktur.

Es sei auch ein guter Ansatz, den Baukostenzuschuss regional zu differenzieren, so Müller weiter. Er könne anzeigen, dass Stromerzeugung im südlichen Teil Deutschlands einen höheren Wert fürs Gesamtsystem habe.

Müller räumte ein, dass ein Baukostenzuschuss Belastungen für den Anlagenbetreiber bedeute. „Das tut auch weh, das sehe ich auch.“ Auf der anderen Seite würden die Zahlungen aber auch für eine Senkung des Netzentgelts sorgen und damit für eine Entlastung der Kunden.

Müller plädiert für „energiewirtschaftlichen Konsens“

Müller nahm die Debatten über die Ausgestaltung der Energiewende zum Anlass, für einen „Energiekonsens“ zu plädieren. Es sei wichtig, sich in Diskussionen mehr zu vertrauen. „Nicht jeder, dem Klimaneutralität wichtig ist, will dafür auch die deutsche Wirtschaft ruinieren. Und nicht jeder, der die deutsche Wirtschaft in seinen Sorgen an erster Stelle hat, will dafür auch das Klima über die Wupper gehen lassen.“ Eine positive Absichtsvermutung des Gegenübers anzunehmen und sich um einen energiewirtschaftlichen Konsens zu bemühen, wäre wichtig für die Debatten.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel

Abwärtstrend bei Benzinpreisen hält an

Nach wie vor ist unklar, ob der Irankrieg ein baldiges Ende findet. An den Tankstellen bewegen sich die Spritpreise dennoch langsam, aber seit einigen Tagen kontinuierlich bergab.

Reiche warnt vor Alarmismus bei Kerosin

Der Finanzminister äußert sich zu Warnungen vor einer Knappheit bei Kerosin. Die Wirtschaftsministerin meldet sich auch zu Wort. Am Montag gibt es ein Treffen.

Filialnetz der Post hat gesetzeswidrige Lücken

Der Weg zur nächsten Postfiliale darf nicht allzu weit sein, so sieht es ein Gesetz vor. Doch mancherorts ist die Strecke länger als gedacht - oder man findet am Ort lediglich einen Automaten.

WWF: Vermieter sollen Extra-Heizkosten tragen

Noch ist unklar, was die Reform des Heizungsgesetzes für Mieter bedeutet. Denn der CO2-Preis steigt, zugleich sollen Heizungen mit fossilen Brennstoffen weiter betrieben werden können.