Das „beste Hobby der Welt“ - Zulauf bei Kinderfeuerwehren
Kinder- und Jugendfeuerwehren boomen in Niedersachsen. Foto: A4258 Philipp Schulze/dpa
Vereine haben es oft schwer, auch Verbände beklagen fehlenden Nachwuchs im Ehrenamt. Bei den Kinder- und Jugendfeuerwehren in Niedersachsen sieht es anders aus - sie haben in vielen Regionen Zulauf.
Bad Bevensen/Hannover. Ben, Liam, Theo und Finn bauen eine Playmobil-Tankstelle auf und simulieren konzentriert einen Feuerwehreinsatz. „Es macht mir Spaß, weil man etwas Neues lernt über Feuer“, meint der achtjährige Ben - seit zwei Jahren Mitglied der Kinderfeuerwehr Bad Bevensen und stolzer Träger einer feuerfesten Jacke mit Aufschrift. Dass man Freunde dort finde, sei ihm auch wichtig, meint er.
Die siebenjährige Joud stößt an diesem Sommertag etwas später dazu und ist beim Abrollen von Wasserschläuchen begeistert dabei. Die Kinder von sechs bis zwölf Jahren trainieren für bundeseinheitliche Wettkämpfe mit anderen Verbänden - dazu gehören Staffelläufe und das Aufbauen einer Löschaktion. Im September ist ein Ausflug mit Übernachtung in der Jugendherberge von Hitzacker geplant - das dort angebotene Thema „Feuer und Flamme“ passt perfekt.
Werbung bei allen Festen
„Die Feuerwehr ist für uns das beste Hobby der Welt“, sagt der 18-jährige Fynn, „es ist eine Lebenseinstellung“. Ihm gefallen die sportliche Betätigung, die Kameradschaft und auch die klare Führungsstruktur. Nach dem Ausscheiden aus der Jugendabteilung wurde Fynn Betreuer. „Wir haben seit zehn Jahren so um die 30 Jugendliche“, sagt Ortsbrandmeisterin Tatjana Rüger, derzeit seien fünf Mädchen dabei. „Wir können uns nicht beklagen, man muss aber auch Präsenz zeigen.“
Um das Interesse an dem Ehrenamt zu wecken, sei man auf Social Media unterwegs und mache Werbung bei allen Anlässen in der Gemeinde im Landkreis Uelzen.
Kinder- und Jugendfeuerwehren wachsen
Tatsächlich wachsen die Kinder- und Jugendfeuerwehren in Niedersachsen. Immerhin fast 54.700 Mädchen und Jungen seien dort zuletzt Mitglieder gewesen - 2,5 Prozent oder 1.349 Jungen und Mädchen mehr als 2024, teilt der Verein Niedersächsische Kinder- und Jugendfeuerwehr auf Basis von Zahlen des Innenministeriums mit. Insgesamt gab es zum Jahresende landesweit 1.246 Kinder- und 1.920 Jugendfeuerwehren in Niedersachsen.
Bei den Altersklassen der jüngsten Feuerwehrleute sieht das so aus: Kinder von sechs bis zehn Jahren können Mitglieder der Kinderfeuerwehr werden, das waren im vergangenen Jahr insgesamt 22.493 Mädchen und Jungen. Bei der Jugendfeuerwehr waren es 32.205 Mitglieder.
Anteil der Mädchen steigt kontinuierlich
Interessant: Ende vergangenen Jahres lag der Anteil der Mädchen in den Kinder- und Jugendfeuerwehren in Niedersachsen bei rund 36,5 Prozent. Der prozentuale Anteil wächst seit Jahren - 2010 lag er in den Jugendfeuerwehren noch bei 27,5 Prozent, die ersten Kinderfeuerwehren wurden erst 2011 gegründet. 2016 dann kletterte der Anteil der Mädchen in den Kinder- und Jugendfeuerwehren schon auf etwa 32,5 Prozent. In den vergangenen Jahren lag diese Zahl immer um einige Prozentpunkte über dem bundesweiten Durchschnitt, wie ein Sprecher sagt.
Die Einschätzung des Vereins: Es ist nicht schwer, Mädchen zu überzeugen, vor allem Kinderfeuerwehren wecken demnach Begehrlichkeiten. Der Verein teilte mit: „Es mag sicher verschiedene Gründe geben, weshalb noch mehr Jungen als Mädchen den Weg in die Kinder- und Jugendfeuerwehren finden. Hier können wir nur vermuten, dass bei Jungs das grundsätzliche Interesse an Technik etwas höher ist als bei Mädchen.“ Vorurteile, Feuerwehr sei nur etwas für Männer, spielten glücklicherweise bei Kinder- und Jugendfeuerwehren kaum eine Rolle - „wenn überhaupt noch“.
„Wir nehmen mit großer Freude wahr, wie echte und nicht konstruierte Gleichberechtigung funktioniert“, sagte Landes-Kinder- und Jugendfeuerwehrwart Matthias Düsterwald. Die Arbeit in den Kinder- und Jugendfeuerwehren sei „beispielgebend“ für die anderen Abteilungen der Feuerwehr.

Auch der Anteil der Mädchen wächst seit Jahren. Foto: A4258 Philipp Schulze/dpa
Pädagogischer Auftrag
So gibt es in der Ganztagsschule KGS Bad Bevensen sogar eine AG Feuerwehr, die Nina Fromhagen seit Jahren leitet. Drei Fünftklässler sind dieses Mal dabei, sie üben Löschen, Absperren und die Unfall-Absicherung mit Kreide auf dem Asphalt. „Die Feuerwehr ist so ein Hobby, wo jeder seine Stärke einbringen kann“, sagt die Diplompädagogin. „Das ist der Unterschied zum Fußball, da muss man schon Schießen und Laufen können.“ Wer den Löschschlauch oder schwere Geräte nicht tragen kann, könne immer noch eine Straße sperren oder technisches Know-how einbringen.
Man habe auch einen großen pädagogischen Auftrag, betont Ortsbrandmeisterin Rüger. Wer sich in den Vordergrund spielt oder nur Befehle an die anderen erteilt, bekommt von den Jugendwarten schnell eine Ansage. Während der Übungen gibt es auch kein „Bitte“ oder „Danke“ - die Befehle sind knapp und müssen im Ernstfall klappen. Die Kinder lernen diszipliniertes Arbeiten unter Zeitdruck. Gelobt wird erst hinterher.

Immerhin 36,5 Prozent 37 Prozent aller Mitglieder in den Kinder- und Jugendfeuerwehren sind Mädchen. Foto: A4258 Philipp Schulze/dpa